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Gerichtsurteil nach Attacke

In einer Bautzener Wohnung soll ein Mann seine Partnerin brutal gewürgt haben. Die hätte das beinahe mit dem Leben bezahlt.

© dpa

Von Stefan Schramm

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Tagsüber 20 Grad Celsius, abends lau. Das Wetter am letzten Aprilwochenende des Jahres 2014 war gut zum Grillen geeignet. Auch bei der Familie von Sebastian R. gab es Steaks und Bratwürste. Am frühen Sonntagmorgen lief er mit seiner Freundin nach Hause in die gemeinsame Wohnung auf der Kretschmerstraße in Bautzen, nahe der Paul-Neck-Straße. Was dort anschließend passierte, war jetzt ein Fall für das Schöffengericht des Amtsgerichts Bautzen, wo sich der 23-Jährige unter anderem wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung auf der Anklagebank wiederfand.

Die Staatsanwaltschaft legte ihm zur Last, seine damalige Lebensgefährtin brutal am Hals gewürgt zu haben. Zweimal sogar. Und bis zur Bewusstlosigkeit. Das Opfer erlitt dabei massive Luftnot und Würgemale in Form blauer Flecken. Im Gesicht platzten Adern, die Augäpfel standen unter Blut. „Ich hatte Todesangst, leide noch heute darunter“, sagte die 21-jährige Bautzenerin als Zeugin aus. Staatsanwalt Rainer Schneider sprach von „akuter Lebensgefahr“ und berief sich dabei auf die Einschätzung von Medizinern. Fakt ist: In besagter Nacht hatten wenige Sekunden über Leben oder Tod entschieden. Und die Beziehung des Pärchens, das damals zum zweiten Mal zusammen war, war endgültig vorbei.

Die Gründe für die Attacke blieben dagegen im Dunkeln. Der Angeklagte sagte aus, er habe kurz zuvor im Handy der jungen Frau spioniert und dort herausgefunden, dass sie in Cottbus einen Liebhaber habe. Das bestritt die 21-Jährige, denn der Nebenbuhler sei für sie uninteressant. Zwar sei der Angeklagte ab und zu eifersüchtig gewesen, hier habe er aber gar keinen Grund gehabt. Offenbar ging der Mann davon aus, sie wolle die Wohnung noch mal verlassen. Grund dafür sei schlicht gewesen, dass sie sich eine andere Hose angezogen habe. Er habe die Tür verschlossen und seine Partnerin gefragt, wohin sie wolle. Dann schubste er sie aufs Bett, worauf er sich eine Ohrfeige einfing. Direkt danach sei es zu der Würgeattacke gekommen.

Die habe sich der Mann nicht verzeihen können. „Er war zuvor nie gewalttätig“, erinnert sich das Opfer. Plötzlich habe er mit einer Rasierklinge dagestanden und damit gedroht, sich etwas anzutun. Das wurde der Frau zu viel. Sie sagte, sie wolle allein etwas frische Luft schnappen gehen, und rettete sich zu einer Freundin. Von dort alarmierte sie die Polizei, die Sebastian R. am nächsten Morgen in Gewahrsam nahm. Noch am gleichen Tag kam er wieder frei.

Das war nicht das erste Mal, dass die Beamten in der Wohnung in der Kretschmerstraße im Einsatz waren. Am 1. November 2013 war die Polizei dorthin zu einer Ruhestörung gerufen worden. Kaum war die Situation unter Kontrolle, prügelte sich Sebastian R. direkt vorm Streifenwagen mit einem anderen Mann. Zwei Einsatzkräfte trennten die Streithähne, doch Sebastian R. hatte nicht genug. Offenbar alkoholisiert bedrängte er den Polizisten mehrfach, um wieder zu seinem Kontrahenten zu gelangen. Erst eine Ladung Pfefferspray konnte ihn ruhigstellen, weshalb er sich zusätzlich wegen des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu verantworten hatte.

Im Vergleich zur Würgeattacke fiel das aber kaum ins Gewicht. „Wir tolerieren keine Gewalt gegenüber Frauen“, machte Richter Dr. Dirk Hertle dem Angeklagten klar. Er verurteilte ihn zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Zudem muss er gemeinnützige Arbeit leisten und auf Wunsch seiner Ex-Freundin mit ihr gemeinsam an einem Täter-Opfer-Ausgleich teilnehmen.

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