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Verhandlung mit vielen Unbekannten

Eine 30-Jährige wurde bei einem Einbruch in ein Gartenhaus in Geringswalde gefilmt. Aber lassen sich ihr noch andere Taten nachweisen?

Vor dem Döbelner Amtsgericht wurde gegen eine 30-Jährige wegen eines Einbruchs verhandelt.
Vor dem Döbelner Amtsgericht wurde gegen eine 30-Jährige wegen eines Einbruchs verhandelt. © Sebastian Schultz

Döbeln. Wahrscheinlich wären die Einbrüche in ein Gartenhaus in der Gartenanlage „Zur Fröhne“ bei Geringswalde nie aufgeklärt worden. Aber dann lief es für die Einbrecherin schlecht: Sie schaute direkt in eine Überwachungskamera, die die genervten Nutzer getarnt aufgestellt hatten. Deren Auflösung war zwar schlecht, aber die Bilder reichten als Basis für eine Anklage. Am Donnerstag stand die 30-jährige Tierwirtin vor Gericht.

Gartenhäuschen aufgebrochen

Das Gartengrundstück wird von einer Gruppe junger Leute genutzt, die dort abhängen, Musik machen, feiern. Es gehört den Eltern eines der jungen Männer. Im August 2018 dann der erste Einbruch. Einer der Zeugen hatte seine Kumpels nur mal schnell zum Ferienflieger nach Dresden gebracht. Als er zurückkam, standen die Türen offen, das Licht brannte, der Kühlschrank war geöffnet, erzählte er. Draußen lag ein Schraubenzieher, mit dem die Tür wahrscheinlich aufgebrochen wurde.

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Die Kasse des Vertrauens für die Getränke mit geschätzten 30 Euro Inhalt war verschwunden. Der Schaden war gering, die Tür wurde repariert. Aber im Oktober wiederholten sich die Einbrücke noch zweimal. Wieder verschwanden Geld, Alkoholika, eine Playstation, auch ein Mikrofon und ein Effektgerät für eine Gitarre.

 Auf den Aufnahmen war neben der Angeklagten eine weitere verschwommene Person zu sehen, mit einem Knüppel in der Hand, erzählte ein Zeuge. „Da ist uns ein bisschen Angst geworden. Ab und zu übernachtet auch mal einer im Garten.“ 

Durchsuchung brachte nichts

Die Einbrüche wurden bei der Polizei angezeigt, dann kam die Sache ins Rollen. Im Frühjahr 2019 wurde die Wohnung der Angeklagten durchsucht. Die Polizei fand nichts, was als Beweis dienen könnte.

Die Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt. In ihrer Jugend war sie wegen Beleidigung, Bedrohung, schwerer Körperverletzung und Betrug auffällig geworden. 2013 wurde sie wegen bewaffneten Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, 2017 kam Fahren ohne Fahrerlaubnis dazu. Die Angeklagte schwieg sich zu den Vorwürfen aus. Und auch die Verhandlung brachte nicht viel Klarheit zu den Taten.

Nach fast drei Jahren konnten sich die Zeugen nicht mehr an die Details erinnern. Unklar ist, was bei welchem Einbruch gestohlen wurde. Selbst die Aufnahmen der Kamera lassen sich keiner der Taten zuordnen, weil die interne Uhr des Geräts verstellt war. Fest steht nach der Beweiserhebung nur: Zumindest an einem der Einbrüche war die Angeklagte beteiligt. Ihr Verteidiger forderte trotzdem einen Freispruch.

Verteidiger fordert Freispruch

Dem folgte die Amtsrichterin Nancy Weiß aber nicht, sondern stattdessen dem Antrag des Staatsanwalts. Der hatte für den Einbruch als besonders schweren Fall des Diebstahls eine dreimonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung gefordert. Die anderen Taten ließen sich der Angeklagten nicht zuordnen. Das fand auch die Richterin. „Solche Einbrüche in Lauben kommen öfter vor.“ Es waren zwar nach zwei der Taten ähnliche Schuhabdrücke auf dem Tresen der Bar in dem Gartenhaus gefunden worden. Aber es gibt keinen Schuh dazu.

Zwei Jahre Bewährung bekommt die Angeklagte, weil sie eine günstige Kriminal- und Sozialprognose hat. Sie geht arbeiten, ist nicht mehr drogenabhängig. Als Auflage muss sie jeden Wohnsitzwechsel anzeigen. Außerdem soll sie 30 Euro Wertersatz leisten – den geklauten Inhalt der Kasse des Vertrauens. Wer der mutmaßliche Mittäter war, wurde in dieser Verhandlung nicht geklärt.

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