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Gerstensaftweltmeisterschaft

Pünktlich zur Fußball-WM sagen Orakeltiere Ergebnisse voraus. Ob dies Menschen auch gelingt? Ein Selbstversuch.

Von Alexander Kempf

Können Sie sich noch an Paul erinnern? Im Jahr 2010 erlangt der Krake aus dem nordrhein-westfälischen Oberhausen Weltruhm. Der achtarmige Tintenfisch sagt damals alle Ergebnisse der deutschen Mannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika richtig voraus. Ihm werden vor den Spielen stets zwei Boxen mit Muschelfleisch und Nationalflaggen serviert. Die Portion, die er zuerst vernascht, verrät den Gewinner. Sogar den Weltmeister tippt der achtjährige Krake richtig. Lange auskosten kann er seinen Ruhm indes nicht. Schon im Herbst nach der Weltmeisterschaft stirbt er. Immerhin hat er da längst einen eigenen Eintrag bei Wikipedia. Welcher Tintenfisch kann das sonst noch von sich behaupten?

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Ich habe weder einen Eintrag bei Wikipedia noch viel Appetit auf Muschelfleisch. Trotzdem will ich mich als Orakel versuchen und die Spiele der deutschen Nationalmannschaft vorhersagen. Wie? Indem ich zuvor prüfe, ob Bier von hier oder das aus der weiten Welt meinen Geschmack trifft. In den nächsten Wochen tippe ich sozusagen meine persönliche Gerstensaftweltmeisterschaft. Dafür habe ich mir zuvor eigens eine Kiste internationales Bier einfliegen lassen. Auf der Facebookseite der Sächsischen Zeitung Niesky gibt es in den nächsten Tagen alle Bilder und Berichte meines Selbstversuchs.

Zum Auftakt habe ich die Wahl zwischen einer Flasche Landskron Goldbock und einem Fläschchen Super Bock aus Portugal. Tradition trifft Temperament, denn das portugiesische Pils aus Porto öffnet sich mit einem protzigen Plopp und lässt gleich gehörig Rauch aufsteigen. Seit 1927 gibt es den Gerstensaft, der mittlerweile in mehr als 20 Ländern erhältlich ist. Das hat die Landskron Brau-Manufaktur seit 1869 noch nicht geschafft. Sie ist Lokalmatador, doch gerät zunächst ins Hintertreffen.

Warum aber hat Super Bock eigentlich so einen breiten Flaschenhals? Damit genügend Platz für die „28 Medalhas“ bleibt? Der Goldbock wirbt nicht mit Medaillen, legt aber Wert auf die jährliche Prämierung durch die DLG, dem Verein Deutsche Lebensmittel Gesellschaft. Werbung ist wichtig. Optisch stiehlt die kleinere Flasche der größeren zwar die Schau. Doch wichtig ist im Glas. Und jenseits des DDR-Gedächtnis-Kronkorkens kann das Bockbier aus Görlitz mit seiner goldenen Farbe klar punkten. Ausgleichstreffer.

Also entscheidet der Geschmack. Das portugiesische Pils überrascht mit einer exotischen Note. Macht das der Mais? Der Goldbock setzt auf Hausmannskost und reichlich Hopfen. Die 6,3 Promille des Starkbieres würden portugiesische Beine, die nur 5,2 Promille gewöhnt sind, sicher schnell müde machen. Die Entscheidung? Deutschland gewinnt, jede Wette.