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Gerüchte um islamischen Gebetsraum

Ein Imbissbetreiber kauft einen leerstehenden Supermarkt in Weida. Was hat er damit vor?

Der größte Teil des Einkaufszentrums an der Zwickauer Straße in Weida steht seit Jahren leer. Der neue Besitzer bestreitet, dass dort ein islamischer Gebetsraum entstehen soll.
Der größte Teil des Einkaufszentrums an der Zwickauer Straße in Weida steht seit Jahren leer. Der neue Besitzer bestreitet, dass dort ein islamischer Gebetsraum entstehen soll. © Sebastian Schultz

Riesa. Für viele Google-Nutzer bietet er den besten Döner von Riesa an: Der Imbiss Abi-El Pascha in der Zwickauer Straße. Jetzt aber ist das Gebäude mitten im Wohngebiet Weida ins Gerede gekommen. Denn vor Kurzem hat der Inhaber des Bistros den kompletten Gebäudekomplex gekauft - in dem sich neben seinem Dönerladen auch noch ein Friseur und eine Bäckereifiliale befinden. 

Vor allem aber gibt es dort noch eine größere Gewerbefläche mit mehreren Hundert Quadratmetern, die seit Jahren leer steht. An den letzten Mieter, das "Getränke Paradies", erinnert noch ein Schild auf dem Parkplatz. "Davor war ganz früher mal ein Supermarkt drin", sagt ein Anwohner.

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Doch was kommt künftig rein? Unter den Drucksachen des Sächsischen Landtags findet sich jetzt eine Kleine Anfrage: Der Riesaer AfD-Abgeordnete Carsten Hütter fragte vor wenigen Tagen die Staatsregierung an, ob es Erkenntnisse zu Verbindungen des neuen Markt-Eigentümers in die islamistische Szene gibt. Konkret will Hütter wissen, in welcher Beziehung der neue Besitzer zur bekannten Figur Saad Elgazar gibt.

Der Dresdner Elgazar ist Geschäftsführer der sogenannten "Sächsischen Begegnungsstätte" (SBS), die 2017 einen islamischen Treffpunkt an der Goethestraße angemietet hatte - und laut Sachsens Verfassungsschützern zum Umfeld der Muslimbruderschaft gehört. 

Die ist zwar in Deutschland nicht verboten, wird aber von den Verfassungsschutzbehörden als extremistisch angesehen. Sie strebe "nach der Bildung einer islamischen Gesellschaft sowie der Errichtung eines islamischen Staates auf der Grundlage der Scharia", heißt es in einem Bericht, den die Verfassungsschützer seinerzeit zur Muslimbruderschaft und ihren Verbindungen zur SBS veröffentlicht hatten. 

"Durch die Schaffung von seriös wirkenden Angeboten für Muslime versucht die SBS, insbesondere im ländlichen Raum, extremistischen Einfluss auf die islamische Gemeinschaft zu erlangen", heißt es im Verfassungsschutzbericht von 2018.

Der Gebetsraum auf der Goethestraße war noch 2017 aus nutzungsrechtlichen Gründen von der Stadt wieder geschlossen worden. Die SBS selbst gibt derzeit auf ihrer Homepage an, sich vom Standort Riesa genauso wie von Meißen getrennt zu haben, während man etwa in Pirna und Zittau die Räumlichkeiten an vor Ort gegründete Vereine übergeben habe. Damit sei "das einst gesteckte Betriebsziel erreicht und inzwischen alle Aktivitäten eingestellt" worden, so die SBS.

Der Bäcker geht raus

Eine Antwort vom Freistaat zum Objekt an der Zwickauer Straße auf die Kleine Anfrage liegt noch nicht vor. Auf SZ-Anfrage bestätigt man im Riesaer Rathaus, dass ein Eigentümerwechsel in Weida stattgefunden hat. "Der Stadtverwaltung ist das Interesse eines lokalen zuverlässigen Dienstleisters zur Nutzung der Räumlichkeiten bekannt, was grundsätzlich von uns unterstützt werden würde", teilt Referentin Manuela Langer mit. Das Projekt befindet sich beim Käufer noch in Planung. "Pläne für eine Nutzung als islamischer Gebetsraum sind uns nicht bekannt", so Langer.

Und was sagt der neue Eigentümer selbst zu den Gerüchten? "Ein islamischer Gebetsraum ist nicht geplant", sagt der Abi-El Pascha-Chef. Dafür würde man ohnehin eine Genehmigung brauchen, weil dann eine Nutzungsänderung vorliege. Er habe bei der Stadtverwaltung etwas anderes beantragt, sagt der Gastronom. 

"Ich möchte die Fläche in drei einzelne Gewerbeeinheiten aufteilen." Dort sollen ein Büro, ein Obst/Gemüse-Handel und eine Hausverwaltung einziehen. "Momentan warte ich auf die Genehmigungen für den Umbau." Vom Gerücht über einen Gebetsraum habe er allerdings auch schon gehört. "Das erzählen die Leute in der Nachbarschaft."

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Veränderungen bahnen sich allerdings auch bei den Bestandsmietern an: Während die Friseurin nach eigenen Angaben ohne Änderung drinnen bleiben möchte, wird die Bäckereifiliale zum Monatsende ersatzlos schließen. "Wir trennen uns vom Standort Riesa", heißt es auf Nachfrage vom Lommatzscher Bäcker. Das Geschäft habe sich nicht mehr gelohnt. Dieses Geschäft ist anschließend zu vermieten, kündigt der Abi-El Pascha-Chef an. Er selbst wolle sein Geschäft offen halten - dort, wo es angeblich den besten Döner Riesas gibt.

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