merken
PLUS

Meißen

Geschäfte müssen schließen

Nach drei Hochwassern nun die Corona-Krise – Meißens Einzelhändler stehen vor der nächsten schweren Prüfung.

Auch Antje Tanger, Inhaberin der „Klamodde“ auf der Fleischergasse, muss ihr Geschäft schließen. Sollte dies länger als bis zum 20. April gehen, weiß sie nicht, wie es weitergehen soll.
Auch Antje Tanger, Inhaberin der „Klamodde“ auf der Fleischergasse, muss ihr Geschäft schließen. Sollte dies länger als bis zum 20. April gehen, weiß sie nicht, wie es weitergehen soll. © Claudia Hübschmann

Meißen. Es ist gerade einmal 14 Tage her, dass Claudia Kurzmann den Laden übernommen und neu eröffnet hat – und nun soll sie ihn schon wieder schließen? Die Rede ist von „Tee & Praline“ am Heinrichsplatz. „Eventuell habe ich Glück, dass ich als Lebensmittelhändler zähle“, sagt sie, denn dann müsste sie den Laden nicht schließen. Aber Genaues weiß sie noch nicht an diesem Mittwoch. Das ist der Tag, an dem überall in der Stadt die Läden ihre für den nächsten Tag vom Freistaat durch eine Allgemeinverfügung angeordnete Schließung vorbereiten (siehe Kasten).

„Wenn ich zumachen müsste, würde ich auf der Osterware sitzenbleiben“, erklärt sie. Und die ist in einem Schokoladengeschäft naturgemäß reichlich vorhanden. Nur sehr wenige Lieferanten würden die Ware zurücknehmen und wenn, würden sie für die Restanten nur noch 25 Prozent des Einlieferungspreises zurückzahlen. Ihre Hoffnung ruht vor allem auf dem Tee, der als Nahrungsmittel zählen dürfte. „In den letzten Tagen ist sehr viel Grüner Tee gekauft worden, der ja entzündungshemmende Substanzen enthält.“

Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Hilfe bei Mietzahlungen

Schräg gegenüber, an der anderen Längsseite des Heinrichsplatzes, steht die Tür zu Meißens größter Buchhandlung – sie gehört zur Thalia-Kette – offen. Bevor sie am Donnerstag schließt, hätten sich viele Eltern noch mit Büchern eingedeckt. „Die Kinder wollen beschäftigt sein“, sagt Filialleiterin Silke Greulich. Sie erklärt, dass es online über die Firmenseite möglich sei, weiterhin Bücher zu bestellen, die dann zugesandt würden. Außerdem könnten die Kunden auch direkt im Geschäft anrufen, zwischen 9 und 17, 18 Uhr sei immer eine Mitarbeiterin erreichbar.

Die insgesamt fünf Mitarbeiterinnen würden zunächst Überstunden, die gerade auch im Weihnachtsgeschäft angefallen sind, abfeiern, erklärt die Filialleiterin. Und: „Es ist für alle Beteiligten eine völlig neue Situation.“ Und dann macht sie den Meißnern ein Kompliment: „Ich habe es selten erlebt, dass die Leute so freundlich zueinander sind, sie sind top drauf!“

In der Fleischergasse hat Antje Tanger ihren Laden „Klamodde“. Sie bietet Mode für Kinder und Erwachsene an. Sie müsse nun Kurzarbeit für ihre Mitarbeiterin beantragen, sagt sie. Nachmittags wolle Meißens Wirtschaftsförderer Martin Schuster vorbeikommen und sie noch informieren. Obwohl das Ostergeschäft bevorstehe, habe sie überall Lieferstopp veranlasst, so die Geschäftsfrau. „Wenn es über den 20. April hinaus gehen sollte, weiß ich nicht, was werden soll. Vor zwei Wochen hätte sich das noch niemand vorstellen können.“

Immerhin gibt es Ankündigungen seitens des Freistaates, insbesondere kleinere Händler zu unterstützen, indem Mietzahlungen – denn die laufen ja, Corona hin, Corona her, weiter – übernommen werden sollen. Für die Stadt Meißen ist nicht nur der Wirtschaftsförderer bei den Ladeninhabern unterwegs, sondern auch der für die Altstadt zuständige Quartiersmanager Marcel Noack. Er sucht die einzelnen Läden auf und händigt ihnen, so wie Marion Heinert, Chefin von „Andiamo Schuhmoden“ am Roßmarkt, ein DIN-A4-Blatt aus. Es listet „Informationen für Unternehmen zu Hilfsangeboten“ auf. 

Da ist zu lesen, dass sich durch die Viruskrise betroffene Unternehmen bei der Sächsischen Aufbaubank beraten lassen können. Dass es Kurzarbeitergeld gibt, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen und bis wann es beantragt werden muss. Dass es aufgrund eines Tätigkeitsverbotes die ersten sechs Wochen eine Entschädigung in voller Höhe gibt, danach noch in Höhe des Krankengeldes. Schließlich ist noch zu lesen: „Ob es nach der Krise zu finanziellen Unterstützungen durch Bund und Land kommt, ist aktuell noch nicht absehbar. Dennoch rät die Wirtschaftsförderung dazu, Ausfälle bzw. Einbußen konkret zu dokumentieren und statistisch zu erfassen.“

Auch Marion Heinert erklärt, dass für die insgesamt zwölf Mitarbeiter in den drei Meißner Schuhgeschäften von „Andiamo“ Kurzarbeitergeld beantragt werden muss. Sorgen macht ihr die Situation der beiden Lehrlinge, weil sich Arbeitsamt und IHK streiten, wie diese bezahlt werden müssen. Und sie blickt voraus: „Eigentlich müssten wir jetzt schon für den Herbst Ware ordern und einkaufen.“ Aber das sei schlechterdings nicht möglich.

Augenoptiker Ambrosius Bresan zählt zu den glücklichen Ladeninhabern, die weiter arbeiten dürfen. Er will nun zwei Schilder am Laden mit der Bitte an die Kunden, einzeln einzutreten, anbringen. „Nach jedem Einsatz werden alle benutzten Geräte desinfiziert, ebenso alle Brillen, die Kunden angefasst haben.“ Er sieht die Allgemeinverfügung als nicht logisch nachvollziehbar an. „Gastronomen dürfen nur bis 18 Uhr öffnen, ist mittags die Ansteckungsgefahr geringer als abends?“

Die Allgemeinverfügung

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Sachsen nimmt weitere Corona-Patienten auf

Flugzeuge aus Frankreich und Italien gelandet. Erntehelfer dürfen unter Auflagen doch einreisen. Jetzt 2.411 infizierte Sachsen: unser Newsblog.

  • Sachsens Sozialministerium hat mit Beginn 19. März eine Allgemeinverfügung erlassen.
  • Festgelegt wird: Grundsätzlich sind alle Geschäfte geschlossen. Ausnahmen gelten für den Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Friseure, Reinigungen, Waschsalons, den Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte und den Großhandel. Handwerker können ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen. Alle Einrichtungen des Gesundheitswesens bleiben unter Beachtung der gestiegenen hygienischen Anforderungen geöffnet.