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Geschäfte wieder am Start

Kleinere Läden und Baumärkte öffnen seit Montag. Doch das Einkaufen ist ein anderes als vor dem Corona-Ausbruch.

Jens Tennert von Spielwaren Benedix in Dippoldiswalde ist den Kunden dankbar, die auch während der Schließzeit die Treue gehalten haben.
Jens Tennert von Spielwaren Benedix in Dippoldiswalde ist den Kunden dankbar, die auch während der Schließzeit die Treue gehalten haben. © Egbert Kamprath

Einkaufen will in Corona-Zeiten gelernt sein, zumindest am Toom in Freital. Dort ist mit Flatterband ein Zickzack-Weg abgesteckt, den alle Kunden passieren müssen. „Eingang“ ist mit bunter Kreide aufs Pflaster geschrieben. Am anderen Ende wartet eine energische Sicherheitsfrau, die jedem einen desinfizierten Einkaufswagen in die Hand drückt. Außerdem kontrolliert sie, ob auch wirklich jeder eine Maske oder ein Tuch vor dem Mund trägt. „Ist Vorschrift, junge Frau“, erklärt sie einer Mitfünfzigerin, die über den Sinn der Maßnahme diskutieren möchte.Sven Heinisch wartet geduldig in der Schlange. Er will Imprägniermittel für seine hölzerne Gartenlaube kaufen. „Das hatte ich mir schon länger vorgenommen, aber dann waren die Baumärkte plötzlich zu.“ Nun will er die Arbeit nicht länger aufschieben, zumal sie eine willkommene Abwechslung ist. Heinisch zuckt mit den Schultern. „Ich sitze zuhause wegen der Kurzarbeit und habe Zeit, da stört mich die Warterei hier auch nicht.“Günther Wätzig und seine Frau wollen nun endlich mal wieder in den Baumarkt gehen. „Wir haben einen Kleingarten und brauchen Gemüsepflanzen und auch noch ein paar Pflanzen fürs Blumenbeet.“ Stückchen für Stückchen nähern sich die Wätzigs der Eingangstür. Im Markt selbst geht es relativ ruhig zu. Weil nur eine bestimmte Anzahl Kunden eingelassen wird, entzerrt sich der Kundenstrom schnell. An die Abstandsregeln an den Kassen haben sich die Menschen ohnehin schnell gewöhnt. Wegen der Zwei-Meter-Regel wirken manche Schlangen länger, als sie sind.

Auf Bestellung ausgeliefert

Auch wenn die Bilder in Dippoldiswalde ähnlich sind – von einer Rückkehr zur Normalität will Ralf Schulze, Geschäftsführer der Raiffeisen Handels GmbH, die den BHG-Baumarkt in Reinholdshain betreibt, noch nicht sprechen. Die nötigen Sicherheitsmaßnahmen seien mit einem enormen Aufwand für die Belegschaft verbunden. Einer steht am Einlass und überwacht, dass nicht zu viele Kunden in den Markt kommen und alle einen Mundschutz tragen. Da kann es auch mal zu einer Schlange kommen. Desinfektionsmittel bietet der Markt an und hat auch Scheiben installiert, um bei der Beratung und an der Kasse Kunden und Mitarbeiter vor der Ansteckungsgefahr zu schützen.In den vergangenen Wochen hat der Markt auf Bestellung ausgeliefert. „Aber damit sind wir ans Limit mit unserer Transportkapazität gekommen“, sagt Schulze. Andererseits freut er sich auch, dass die Kunden Verständnis hatten, wenn es mal etwas länger gedauert hat.

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Für den Bau- und Gartenmarkt bringt das Frühjahrsgeschäft immer den meisten Umsatz im Jahr. „Da war es für uns schwer nachvollziehbar, dass wir gerade in dieser Jahreszeit keine Pflanzen verkaufen durften und sich dieses Geschäft in den Lebensmittelhandel verlagert hat“, sagt Schulze. Gerade in der jetzigen Zeit, in der viele zu Hause sind, ist die Nachfrage nach Gartenartikeln besonders groß. 

Jens Tennert, Inhaber von Spielwaren Benedix und Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins in Dippoldiswalde, hatte übers Wochenende zu tun, um die nötigen Vorkehrungen zu treffen, damit sein Geschäft wieder öffnen konnte. „Ich bin froh, dass ich einen Tischler gefunden haben, der eine Schutzscheibe einbaut“, sagt er. Masken für die Mitarbeiterinnen hat er organisiert. Er ist froh, dass er wieder öffnen kann, und vor allem, dass seine Kunden in den letzten Wochen zur Stange gehalten haben. „Wir hatten viele Anfragen über den Onlineshop und am Telefon. Die haben uns geholfen, dass es überhaupt weitergeht“, sagt er. „Ich habe das Gefühl, dass die Dippoldiswalder wieder entdeckt haben, was sie an ihren einheimischen Geschäften haben.“ Er hat deswegen für die Tage bis Ende des Monats eine Rabattaktion gestartet und gibt generell zehn Prozent Preisnachlass. „Das ist unser Dankeschön an die Kunden“, sagt Tennert. 

Kerstin Springsklee trägt den Mundschutz in ihrem Wilsdruffer Laden gern – „wenn es nützt“, wie sie sagt.
Kerstin Springsklee trägt den Mundschutz in ihrem Wilsdruffer Laden gern – „wenn es nützt“, wie sie sagt. © Egbert Kamprath

Auch in Wilsdruff ist ein Stück Alltag zurückgekehrt. Diesen Eindruck konnten Besucher der Stadt am Montagmittag gewinnen, wenn sie über den Marktplatz schlenderten. Mehrere Menschen, meist ältere, waren unterwegs, um einzukaufen, einige mit Maske, andere ohne. Nach der Lockerung der Ausgangssperre konnten hier alle Geschäfte am Markt öffnen. So auch die Bücherstube gegenüber vom historischen Rathaus. Als Inhaberin Ines Siegemund diese um 9 Uhr öffnete, stand schon eine Schlange vor dem Geschäft. „Die Leute haben gewartet und ich habe mich gefreut“, sagt sie. Vier Wochen musste sie es geschlossen halten. Nur ihr Online-Shop war geöffnet. „Und der wurde gut genutzt“, sagt sie. Das Geschäft im Laden konnte das aber nicht ersetzen. Die neuen Verhaltensregeln, die jedes Wilsdruffer Geschäft im Schaufenster oder an der Tür gut sichtbar ausgehängt hat, wurden bei ihr von allen befolgt. Jeder habe eine Maske dabei, die er dann trägt. Und auch der Abstand zu anderen werde gehalten, so die Buchhändlerin. „Es dürfen sich nur zwei Kunden im Laden aufhalten.“ Jetzt, um die Mittagszeit, kommen nur wenige zum Einkauf. Das sei normal. Die meisten gehen vormittags und nachmittags einkaufen. „Und montags ist generell nicht so viel Betrieb wie an den anderen Tagen“, sagt sie. Das liege an den Fleischern, die an diesem Tag geschlossen sind.

170 Gutscheine verkauft

Ähnlich verlief der Neustart im Modegeschäft von Kerstin Springsklee. Auch sie hatte am Vormittag viel Kundschaft. „Ich habe mich gefreut, wieder öffnen zu können. Vor vier Wochen musste ich von einem Tag auf den nächsten schließen.“ Fürs Frühjahrsgeschäft war das nicht gut. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Tragen einer Maske, sagt sie. „Aber, wenn es nützt, mache ich es.“ Und auch ihre Kunden tragen sie. Anke Konrad, die ein Schuhgeschäft am Markt führt, trägt ebenfalls eine Maske. Sie ist zufrieden. „Für mich ist das fast ein ganz normaler Montag.“

Auch wenn der Online-Buchladen gut genutzt wurde, freut sich Ines Siegmund auf Kunden am Markt in Wilsdruff.
Auch wenn der Online-Buchladen gut genutzt wurde, freut sich Ines Siegmund auf Kunden am Markt in Wilsdruff. © Egbert Kamprath

Alle drei Unternehmerinnen ziehen ein positives Fazit ihrer Plakat- und Gutscheinaktion, die sie kurz vor Ostern starteten. Zusammen mit anderen Ladenbesitzern baten sie ihre Kunden auf Flyern und Plakaten, treu zu bleiben, Einkäufe zu verschieben und nicht bei den großen Onlinehändlern zu bestellen. In den Läden, die während dieser Zeit öffnen durften, boten sie Gutscheine an. „Das lief ganz gut“, sagt Anke Konrad. Ähnlich werten es ihre Kolleginnen. „Ich habe 170 Gutscheine verkauft“, sagt Ines Siegemund. „Die meisten im Wert von zehn Euro.

Zurück nach Freital: In Deuben vor der Papeterie Knauer warten die Kunden draußen auf dem Fußweg. Verlässt ein Kunde das Geschäft, darf der nächste rein. Annett Knauer freut sich einerseits, dass nun die Corona-Vorschriften gelockert werden. Andererseits erfüllt sie es mit Sorge. „Ich hoffe inständig, dass das nicht zu zeitig ist und sich auch alle an die Vorschriften halten. Denn sonst wäre alles umsonst gewesen.“ Sie hatte ihren Laden in den vergangenen vier Wochen sogar geöffnet, zumindest den Kassenbereich. „Unser Vorteil ist, dass wir eine Postagentur haben.“ So konnte sie auch unkompliziert dem einen oder anderen Schüler Schreibwaren herausgeben, die es woanders nicht mehr gab. Ohnehin sei der März und April eigentlich ihre Hauptsaison. Im Schulranzen-Shop ist dann jede Menge los, manche kommen sogar aus Brandenburg bis zu Knauers, weil sich der Service und die Beratung herumgesprochen haben. Doch der Schulranzen-Shop war seit Mitte März geschlossen. Nun kann Annett Knauer nur zwei Kinder in den Beratungsbereich lassen, pro Kind darf nur ein Erwachsener dabei sein. „Aber die Leute sind froh, dass es endlich wieder losgeht. Die freuen sich, mal raus zu können und ein paar andere Bilder zu sehen.“ Auch Annett Knauer würde sich freuen – wenn die Freitaler, die jetzt mangels Alternativen bei den kleinen Händlern kaufen, dies auch in Zukunft tun würden. „Sonst verschwinden hier bald die letzten Fachgeschäfte“, sagt Händlerin Knauer.

Corona-Wartegemeinschaft vor dem Toom-Baumarkt in Freital. Manche Schlange war kürzer als sie aussah.
Corona-Wartegemeinschaft vor dem Toom-Baumarkt in Freital. Manche Schlange war kürzer als sie aussah. © Egbert Kamprath

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Zwei Häuser weiter verkauft Iris Kunze Blumen. „Endlich wieder. Die Kunden freuen sich riesig und ich freue mich auch.“ Gleich am frühen Morgen war sie auf dem Großmarkt. „Da war einiges los.“ Nun stehen in ihrem Laden weiße Rosen, zartlila Dahlien, Gerbera. „Der Alltag ist zurück“, sagt Iris Kunze erleichtert. Die Ladenschließung hat sie mit Auslieferungen überbrückt, denn Blumen, obwohl nicht lebenswichtig, werden eben doch gebraucht. „Die Menschen haben Geburtstag, sie haben den 25. Hochzeitstag oder sie wollen einfach einen Strauß haben, weil Blumen das Herz erfreuen“, zählt die Floristin auf. Für sie kommt die Wiedereröffnung der kleinen Läden gerade noch rechtzeitig. „Ich habe immer ordentlich gewirtschaftet und ein paar Rücklagen. Aber noch viel länger könnte ich das nicht durchstehen.“

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