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Geschenk zum Geburtstag: Mieterverein senkt Gebühr

Die Liste der Probleme, mit denen sich Wohnungsnutzer an den Mieterverein Meißen und Umgebung e. V. wenden, ist lang: Wohnungsmängel und Mieterhöhungen, Kündigung und Mietminderung, Fragen zu Kaution und Provision.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Die Liste der Probleme, mit denen sich Wohnungsnutzer an den Mieterverein Meißen und Umgebung e. V. wenden, ist lang: Wohnungsmängel und Mieterhöhungen, Kündigung und Mietminderung, Fragen zu Kaution und Provision. Fast die Hälfte der Beratung betrifft allerdings die Betriebskosten. In den zwölf Jahren, in denen der Mieterverein nun schon monatliche Sprechstunden in Großenhain abhält, zeigt sich allerdings: In 80 Prozent der Fälle kann schon mit einer einzigen Beratung Abhilfe geschaffen werden. „Nur 20 Prozent ziehen Nachfolgeberatungen, Schriftwechsel oder Tiefenprüfungen nach sich“, so Geschäftsführer Eyk Schade.

Fast 600 Mitglieder aus Riesa-Großenhain

In jedem Fall ist eine Mitgliedschaft im Verein Voraussetzung für die Unterstützung. Das stellt sich genauso so dar, als hätte man seinen Autoschlüssel im Fahrzeug stecken lassen hat und muss den „gelben Engel“ rufen: Man schreibt einen Aufnahmeantrag, dann wird einem geholfen. Auf fast 600 ist die Mitgliederzahl aus dem Landkreis Riesa-Großenhain in den zwölf Jahren angewachsen, Großenhainer sind davon 206. Zu je einem Drittel sind die Ratsuchenden des Vereins bis 40 Jahre alt, bis 60 Jahre oder älter. Für betagte Bürger ist die Außenstelle auf der Katharinengasse 18 im Obergeschoss allerdings ein Problem. Geschäftsführer Schade: „Wir haben schon mehrere räumliche Wechsel in Großenhain hinter uns, und wir suchen immer noch ein besseres Domizil“.

Schlagzeilen machte der Meißner Mieterverein in letzter Zeit durch seinen Einsatz für die von Wohnungsabriss betroffenen Kreisstädter. „Da Abriss bisher kein gesetzlicher Kündigungsgrund ist, vertraten wir zehn Mitglieder bei der Forderung nach Abstandszahlung und gleichbleibender Miethöhe. Bis auf einen Fall konnten alle im Sinne des Mieters außergerichtlich geklärt werden“, sagt Eyk Schade.

In den Anfangsjahren waren vor allem Mieterhöhungen ein Hauptthema der Beratung. Der Mieterverein Meißen engagierte sich deshalb auch bei der Erarbeitung des Großenhainer Mietspiegels. Heute geht es dagegen hauptsächlich um die jährliche Abrechnung der Nebenkosten. Zwar sieht Rechtsberaterin Ivonne Täschner eine Besserung bei der Verbrauchsberechnung. Doch falsche Zahlen würden sich immer noch oft einschleichen und müssen herausgefischt werden.

Seit einem Jahr ist deshalb der Mieterverein wiederum in einer Arbeitsgruppe, um für Großenhain einen Betriebskostenspiegel zu erstellen. Solch ein Projekt gibt es in den neuen Bundesländern bisher nur in Leipzig und Dresden. Ähnlich wie beim Mietspiegel sind das Tabellen mit Durchschnittswerten, die mehr Transparenz und Orientierung bieten. „Das ist dann auch eine Hilfe bei der Bewilligung von Wohngeld und Sozialhilfe“, so Marion Nitzsche von der Stadtverwaltung.

Jetzt sachliche Schlichtung mit GWVB

Sie und Sieglinde Knabe vom Vermieter Großenhainer Wohnungsverwaltungs- und Baugesellschaft mbH GWVB zählten gestern zu den Geburtstagsgratulanten in der Katharinengasse. Der Verein und sein „Brötchengeber“ haben sich „zusammengerauft“, nachdem man sich anfangs feindlich gegenüberstand. Jetzt überwiege die sachliche Schlichtung von Problemen, heißt es von beiden Seiten. Dafür bekam der Meißner Mieterverein in Großenhain Konkurrenz. Hier gründete sich auf der Apothekergasse ein weiterer Beratungsverein. Der bietet wöchentliche Sprechzeiten. Ob ihm deshalb schon Mitglieder verloren gegangen sind, kann Eyk Schade aber noch nicht sagen. Denn kündigen kann man die Mitgliedschaft in seinem Verein frühestens nach zwei Jahren. Reagiert haben die Meißner trotzdem. Für alle, die noch 2003 Mitglied werden, beträgt die diesjährige Jahresgebühr nur 12 Euro statt 35.