merken
PLUS

Dresden

Die letzten Geheimnisse des Dresdner Zwingers

Vor genau 300 Jahren wurde hier Sachsens größte Hochzeit gefeiert. Der Start in eine besondere Geschichte - und in unsere neue Serie.

Der Zwinger war zwischen Wallpavillon (1) , Kronentor (2) und Porzellanpavillon (3) zur Kurprinzenhochzeit 1709 weitgehend fertig.
Der Zwinger war zwischen Wallpavillon (1) , Kronentor (2) und Porzellanpavillon (3) zur Kurprinzenhochzeit 1709 weitgehend fertig. © 3D-Stadtmodell, Amt für Geodaten &Kataster

Der Zwinger ist eine der größten Sehenswürdigkeiten Dresdens. Weit über 600 000 Besucher werden dort jährlich allein in den Ausstellungen gezählt. 2019 jährt sich das Jubiläum der Einweihung zum 300. Mal. Anlass war damals die Hochzeit des Kurprinzen Friedrich August mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha im September 1719. Endgültig fertiggestellt wurden die Gebäude aber erst 1728.

© SZ

Der Freistaat unternimmt viel, damit die Schönheit dieses Juwels der barocken Baukunst erhalten bleibt. Seit 1991 hat Sachsen rund 176 Millionen Euro investiert. In einer zehnteiligen Serie wird die Sächsische Zeitung in den kommenden Wochen baugeschichtliche und historische Aspekte darstellen, aber auch zeigen, mit welchem Aufwand die Bauten und Kunstwerke im Zwinger erhalten werden. Den Auftakt macht ein Bericht, wie der Zwinger entstand. Das erläuterte der Bauhistoriker Hartmut Olbrich der SZ. Der promovierte Experte, der Architekt und Archäologe ist, arbeitet seit 20 Jahren im Zwinger.

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

1. Die Vorgeschichte: Mittelalterliche Stadtmauer vor sumpfigem Gelände

Im Mittelalter wurde Dresden durch eine Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert geschützt. Zwischen 1427 und 1431 kommen eine Vormauer als Verstärkung und wahrscheinlich der erste Stadtgraben hinzu. „Das sumpfige Gelände des heutigen Zwingers durfte aber damals nicht bebaut werden“, erklärt der 58-jährige Fachmann. „Man wollte nicht, dass Feinde sich hinter Häusern verschanzen und mit Geschützen die Stadt angreifen konnten.“

2. Die Verstärkungen: Festungsmauer bekommt erste Bastionen

Seit 1485 war Dresden Residenzstadt der albertinischen Linie der Wettiner. 1547 erhielt Herzog Moritz von Sachsen die Würde des Kurfürsten und damit das Recht, den Kaiser mit wählen zu dürfen. „Damit beginnt der Ausbau Dresdens zur Residenzstadt und zur Festung“, sagt Olbrich.

Errichtet werden über zwei Meter dicke Festungsmauern aus massiven Sandsteinquadern mit Bastionen an den Ecken, von denen aus angreifende Feinde mit Kanonen beschossen werden konnten. „Bei Ausgrabungen am heutigen Porzellanpavillon hatten wir ein Stück davon freigelegt.“ Doch die Feuerkraft der Geschütze erhöht sich zu dieser Zeit, die Mauer steht zu nahe am Residenzschloss. Also wird bereits zwischen 1569 und 1574 auf dem heutigen Zwingerwall eine zweite solche Mauer mit Bastionen gebaut. Eine riesige Bastion umschloss das Gelände des heutigen Zwingers. Da es dort Gärten gab, hieß sie Baumschule. Eine zweite Bastion sicherte den späteren Theaterplatz. Er hieß damals Feuerwerksplatz, da ihn der Hof unter anderem für Feuerwerke und Turniere nutzte.

3. Die Festbauten: Reit- und Schießhaus für höfische Veranstaltungen gebaut

„In diesem Areal wurden im Verlaufe des 17. Jahrhunderts Festhäuser gebaut“, verweist der Zwinger-Experte auf die nächste Phase. Zuerst wird 1618 ein Reithaus am Gelände Richtung Schloss errichtet. In der Halle mit Tribünen sind bei Veranstaltungen des Hofs unter anderem Reitturniere, Formationsritte und Trabvorführungen zu sehen. 1672 wird es jedoch abgerissen, da das Dach nicht sonderlich stabil ist. 1672 bis 1678 werden ein zweites, stabileres Reithaus und auch ein Schießhaus für Festschießen gebaut. Zudem entstehen bis 1691 ein Redoutenhaus für höfische Tanzveranstaltungen. August der Starke, der 1694 Kurfürst wird, lässt noch ein Komödienhaus bauen.

4. Das Finale: August der Starke lässt Zwinger als Orangerie errichten

1709 will der dänische König Friedrich IV. Dresden besuchen. „August will ihm etwas bieten“, erzählt Olbrich. Auf dem Theaterplatz entsteht ein riesiges hölzernes Amphitheater für Schaureiten und Tierhatzen, das bis in die 1720er Jahre stand. Zudem entsteht ein Göttersaal als Vorsaal für das Komödienhaus. Hinter dem Komödienhaus werden 1709 Terrassen mit Mauern und einer Treppe am Wall für die Orangerie Augusts angelegt. Doch die Orangen-, Pampelmusen-, Feigen- und Granatapfelbäume müssen überwintern. Also beginnt der Bau der Bogengalerien auf den anfangs offenen Terrassen beidseitig des heutigen Wallpavillons. „Das ist die Geburtsstunde des heutigen Zwingers“, sagt der Experte.

Danach werden bis 1713 die Gebäude des Französischen und des Mathematisch-Physikalischen Salons gebaut. Das Reithaus ist beim Zwingerausbau im Wege und wird abschnittsweise abgerissen. Weitere Terrassen auf der Festungsmauer werden angelegt, die später wieder durch massive Galerien überbaut werden. Es entstehen die Langgalerien, das Kronentor und der Wallpavillon. „Hofarchitekt Pöppelmann zeichnete sich die Finger wund bei seinen Entwürfen“, erzählt Olbrich.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

So beliebt ist die Zeitreise im Zwinger

In der auffälligen Filmkuppel werden Szenen der Jahrhunderthochzeit vor 300 Jahren gezeigt. Tausende haben sie schon besucht. So sieht es im Inneren aus. 

Symbolbild verwandter Artikel

Görlitzer fand Überraschungen im Zwinger

Die letzten Geheimnisse des Dresdner Zwingers: 100 Jahre wurden aus Düsen im Boden adlige Besucher erschreckt. Bauforscher Olbrich kennt die Details.

Symbolbild verwandter Artikel

Diese Hochzeit machte Geschichte

Die Feier zur Vermählung von Kurprinz Friedrich August mit der Kaisertochter Maria Josepha war zugleich ein rauschendes Fest und hohe Politik.

Symbolbild verwandter Artikel

Was für den Zwinger weichen musste

Teil 2 unserer Serie: Ein Bauforscher hat entdeckt, dass bereits Anfang des 18. Jahrhunderts fleißig im Zwingerhof gepflanzt wurde. 

Dann soll Kurprinz Friedrich August im September 1719 heiraten. Zur Hochzeit soll der Zwinger fertig sein. Es entstehen unter anderem der heutige sogenannte Deutsche und der Porzellanpavillon und die stadtseitigen Bogengalerien. Mit Hochdruck wird gearbeitet – sogar nachts im Fackelschein. Das Paar kann die Hochzeit im Zwinger feiern. Zwischen 1722 und 1728 werden noch hölzerne durch massive Bauten ersetzt und die Galerien aufgrund erster Schäden verstärkt.