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Geschichte um eine schützenswerte Art

Schauspiel. „Tagträumer“ heißt ein Stück, das jetzt am Projekttheater seine Premiere erlebt und zeigt, dass Bühne und Zoo ein Anliegen haben können.

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Von Monika Dänhardt

Auf den ersten Blick haben ein Theaterstück und der Dresdner Zoo wenig gemeinsam. Auf den zweiten sieht das etwas anders aus. „Bei ,Tagträumer‘ zeigt sich, dass auf verschiedenen Baustellen an einem Gebäude gearbeitet werden kann“, erklärt Stefan Schimmel, der das Stück des amerikanischen Autors William Mastrosimone für das Projekttheater inszeniert. Das Gebäude heißt in diesem Fall Schutzraum – um im Bild zu bleiben – für die, die ihn brauchen. Für bedrohte Tiere engagieren sich die Mitarbeiter des Zoos, der Partner der „Stiftung Artenschutz“ ist, schon lange. Der Zoo-Direktor zählt eine ganze Liste von Arten auf, die beispielsweise durch Zucht erhalten werden sollen: Bartaffen, Orang-Utans, Fischkatzen, Borneo-Flussschildkröten.

Der Kranich ist nicht dabei, denn er konnte glücklicherweise von der Roten Liste, auf die er in den siebziger Jahren gesetzt werden musste, Ende der 90er wieder gestrichen werden. „Trotzdem bleibt er mit seinen dünnen Beinen ein Bild für Zerbrechlichkeit“, sagt der Regisseur. So regte der grazile Vogel, schon manchen Künstler an, ihn in seinen Werken zu bedenken.

Nicht zufällig weint das Mädchen Rose in „Tagträumer“ über einen toten Kranich. Sie ist selbst so ein Kranich, schutzlos der rauen Welt ausgeliefert. Sie hat keine raue Schale, ist nicht so mobil wie Truck-Fahrer Cliff, der zufällig in den Billig-Supermarkt kommt, in dem Rose an der Kasse sitzt und in den sie sich verliebt. Mastrosimone spielt in dieser lyrischen Liebesgeschichte mit den Zwängen, die das Leben bestimmen. Cliff ist der äußerlich harte Typ, Rose der schwache. Einsam, verwundbar und voller Sehnsüchte sind sie beide. „Der Autor erzählt von der Kehrseite des amerikanischen Traums, den ja auch in Deutschland immer mehr Menschen träumen. Doch es ist eben nur eine Theorie, dass alle die gleichen Chancen haben“, sagt Stefan Schimmel. „Wo bleiben die, die zu sensibel, zu dünnhäutig sind, die gar Gefahr laufen, auf der Strecke zu bleiben?“

Keine larmoyante Geschichte

Mastrosimones Stück erzählt von solchen Menschen und Regisseur Stefan Schimmel möchte sie dem Publikum vorstellen. „Ob Tier oder Mensch – es gibt auf unserer Welt noch vieles zu schützen“, ergänzt er und zieht damit wieder den Bogen zum Zoo, dessen Direktor deshalb schnell bereit war, diese Inszenierung zu unterstützen.

Dabei wird in „Tagträumer“ die Geschichte von Rose und Cliff – am Projekttheater von Carola von Grot und Matthias Manz gespielt – nicht larmoyant, sondern gewürzt mit einer kräftigen Prise Situationskomik erzählt. „Ich denke schon, dass Mastrosimone gerade dadurch zum Nachdenken anregt, wie wir miteinander umgehen.“

„Tagträumer“, 15., 16. November, jeweils 20 Uhr, 17., 18. November, jeweils 21 Uhr, Projekttheater, Tickets zu zwölf Euro unter 8 10 76 00