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Geschichten am Backofen

Der Heimatverein Niedersteina ist 20 Jahre geworden. Hier wird Historie bewahrt und gefeiert. Nur Nachwuchs wäre toll!

Von Ina Förster

Da sitzen sie am Backofen. Und schwelgen in Erinnerungen. Die Chroniken hoch vor sich gestapelt. Fotos, Eintrittskarten, alte Festschriften und Zeitungsartikel. Im Hintergrund raucht der Backofen. Das Brot braucht noch ein bisschen.

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Die guten alten Zeiten: Der Heimatverein gestaltete jahrelang den Umzug zum Fuhrmannstag mit. Wie hier 1996 mit dem Bild „Die Ziegenbauern in Steina“. Die Chronik des Vereins ist dick. Foto: Privat
Die guten alten Zeiten: Der Heimatverein gestaltete jahrelang den Umzug zum Fuhrmannstag mit. Wie hier 1996 mit dem Bild „Die Ziegenbauern in Steina“. Die Chronik des Vereins ist dick. Foto: Privat

In 20 Jahren sammelt sich einiges an. Die Fuhrmannstage fallen den Frauen und Männern des Heimatvereines Niedersteina ein. Als sie in den 90er-Jahren in historischen Gewändern im Festzug mitliefen. Oder die ersten Sommerfeste an der Kurzen Gasse. Aus einer fixen Idee unter Nachbarn wurde schnell mehr. Wie das eben beim Feierabendbier manchmal so geht. „So entstand übrigens auch unser Verein 1994. Nach dem ersten gelungenen Straßenfest wollten alle weitermachen. Und wir wollten vor allem zeigen, dass wir mehr können, als nur feiern“, sagt Horst Haase. Sich um die Historie des Ortes kümmern zum Beispiel. Und dabei das alte Gewerbe der Bandweberei auferstehen lassen. Steina war früher ein Heimweberdorf. In jedem dritten Haus gab es ein oder mehrere Webstühle, an denen die Frauen ihr Tagwerk verrichteten. Heute kann man den letzten noch funktionierenden in der Heimatstube im Vereinshaus besichtigen. Hätte sich der Heimatverein damals in den Neunzigern nicht darum gekümmert, wäre auch dieser vielleicht irgendwann verfeuert worden. 2000 wurde die Heimatstube eingeweiht, seitdem haben Hunderte Besucher die alten Gerätschaften bewundert. Auch Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen waren hier schon zu sehen.

Derweil werden erneut Fotos durchgereicht, Leute wiedererkannt. „Ja, vor 20 Jahren waren wir alle noch jung“, sagen sie einstimmig und lachen. „Na ja – jünger eben“, relativiert Hans Frömmel das. „Ich genauer gesagt 55!“ Heute ist er mit seinen 75 einer der Ältesten im Heimatverein. Man merkt es ihm nicht an. Gisela Schäfer, die die Chronik hegt und pflegt, blättert vorsichtig Seiten um. Daheim hat sie noch viel mehr Material. Auch digital mittlerweile. Eine Internetseite soll noch 2014 entstehen. Man muss mit der Zeit gehen.

Auf das schöne 20. Jubiläum haben sich alle gefreut und vor ein paar Wochen zünftig gefeiert. Der Verein ist ihnen ans Herz gewachsen. Er stiehlt ein bisschen die Zeit, aber die geben sie gern. Einmal im Monat trifft man sich im Café Kunath. „Früher haben wir im Vergissmeinnicht zusammengesessen. Das steht nun schon nicht mehr“, so Horst Haase. Manchmal muss aber Altes im Ort einfach neuen Ideen weichen. „Wir haben vor Jahren zum Beispiel die Neugestaltung des Spielplatzes auf dem Schwedenstein mit auf den Weg gebracht“, erzählt Vereinschef Stefan Paprotzki. In ein paar Wochen soll es nun endlich dort oben losgehen, so die Gemeindeverwaltung.

Ausflüge, gemeinsame Wanderungen, jahreszeitliche Bastelnachmittage, Adventssingen, Osterwasserholen und die allseits beliebte Kirmes im Oktober – das alles wollen keiner der 25 Mitglieder und auch viele andere Steinaer nicht mehr missen. Früher kamen die eigenen Kinder mit zu den Veranstaltungen, tobten am Hexenfeuer oder verbrannten die Weihnachtsbäume im Januar mit. Nun sind sie längst erwachsen, haben erste Enkel beschert. „Und wohnen leider eben alle anderswo“, sagt Ulla Fichtner. Der Nachwuchs in den eigenen Reihen ist rar. Der Heimatverein Niedersteina weiß jedoch, dass er sich verjüngen muss. „Schon die Vorbereitungen fürs Hexenfeuer oder auch hier am Backofen kosten Kraft und wir brauchen helfende Hände“, so Reinhard Kanzog. „Wir vertiefen gerade unsere Kontakte zur Kita und dem Hort, um die Jüngsten für die Traditionen unserer Heimat zu begeistern“, so Paprotzki. Und vor allem deren Eltern wären herzlich willkommen, mitzutun. Familienwanderungen sollen künftig dabei helfen. Und das Backen von Brot am Vereinshaus. Das kommt gerade dampfend aus dem Ofen. Es schmeckt nach Heimat und mehr.