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Geschichtsstunde mit einem Schriftsteller

Der Dresdner Schriftsteller Gottfried Jürgas traf sich gestern in der Stadtbibliothek Glashütte mit Schülern der zehnten Klasse der hiesigen Mittelschule zu einer Geschichtsstunde. Aus dem Unterricht...

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Von Karin Grießbach

Der Dresdner Schriftsteller Gottfried Jürgas traf sich gestern in der Stadtbibliothek Glashütte mit Schülern der zehnten Klasse der hiesigen Mittelschule zu einer Geschichtsstunde.

Aus dem Unterricht wussten die Jugendlichen, dass die Oktoberrevolution in Russland am 9. November 1918 begann und den Mauerfall am gleichen Tag 1990 hatten sie schon selbst erlebt. Ihr Mitschüler Andreas Ziel konnte noch die Kristallnacht von 1938 mit diesem Datum verbinden.

Deutschlehrerin Bettina Herfurth registrierte erstaunt, wie es dem Schriftsteller gelang, die Jugendlichen mit kleinen Geschichten aus seiner Autobiographie „Heimkehr nach Dresden“ zu fesseln. Das war alles andere als eine trockene Geschichtsstunde. Während Kindheitserinnerungen an die Bombennacht vom 14. Februar 1945 in Dresden Beklemmung auslösten, erntete er Lacher mit Auszügen aus seinem „Sächsischen Gequassel“. Zum Beispiel, wenn Guller Gustel den Kopf einzieht, als seine Frau das erste Mal einen Granatapfel aufschneidet oder dessen Erfahrungen „offm Arbeetsamt“.

Auf die Frage, ob er denn nach der Wende auch arbeitslos gewesen sei, erfahren die Zehntklässler, warum Gottfried Jürgas eine so enge Bindung zu Glashütte hat. Vor der Wende betreute er viele Jahre einen „Zirkel schreibender Arbeiter“ im damaligen Uhrenwerk.

Über eine ABM-Stelle bekommt der Dresdner Zugang zum Archiv der Uhrenstadt. Die wechselvolle Geschichte von Glashütte lässt ihn fortan nicht mehr los und es entsteht 1993 das Buch „Ein Rundgang durch die Stadt Glashütte“.

Mit einem Blumenstrauß bedankt sich Elisabeth Wagner im Namen ihrer Mitschüler für die unterhaltsame Geschichtsstunde.