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Gesiebtes Biogas aus Kodersdorf

Alternative Energieerzeugung wird auch kritisch betrachtet. Jetzt ändert eine Firma in Kodersdorf zudem die Baupläne.

Von Katja Schlenker

Die Biogasanlage in Kodersdorf wird umgebaut. Die AC Nawaro Kodersdorf Biogasanlagen GmbH & Co. KG mit Sitz im nordrhein-westfälischen Münster hat einen entsprechenden Antrag bei der Landesdirektion Sachsen gestellt. Der Gemeinderat ist in seiner jüngsten Sitzung ebenfalls nach seiner Meinung gefragt worden. Was sich nun ändern soll, erklärt die SZ.

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Warum wird die Biogasanlage jetzt doch anders gebaut als geplant?

Ursache für den neuen Plan ist, dass sich die Situation am Rohstoffmarkt verändert hat, wie Barbara Bischofs, die Leiterin des Bereichs Marketing mitteilt. Ursprünglich ist geplant, vorwiegend Hühnertrockenkot als Substrat zu nutzen, um Biogas zu erzeugen. Nun wird ein Großteil dieses Substrats durch Rinder- und Schweinegülle ersetzt.

Was wird an der Biogasanlage verändert?

Die elektrische Leistung des Blockheizkraftwerks wird von 860 auf 600 Kilowatt reduziert. Der Stromnetzbetreiber hat lediglich diese Leistung zur Stromeinspeisung genehmigt. Zudem gibt es im Raum Kodersdorf nur eine begrenzte Stromnetzkapazität. Da sich die Leistung des Blockheizkraftwerks verringert, sinken auch die Emissionen an Stickoxiden.

Des Weiteren wird das Biogas anders aufbereitet – nicht mit der sogenannten Druckwasserwäsche, sondern einer Druckwechseladsorptionsanlage. Dabei teilt sich das Biomethan aufgrund der verschiedenen Molekülgrößen der Gase durch Mikrosiebe. Bei der Druckwasserwäsche hingegen wird das Biomethan mittels Kaltwasser im Gegenstromverfahren bei einem Betriebsdruck von fünf bis sechs Bar getrennt. „Beide Technologien sind ausgereifte und in der Biogasindustrie etablierte Verfahren“, erklärt Marketingleiterin Barbara Bischofs.

Auch die Größen und Lagen von Gebäuden und Behältern haben sich geringfügig geändert. So wird zum Beispiel das Fahrsilo ein wenig größer, die Außenmaße der Substrateinbringhalle hingegen sollen sich verkleinern und eine Radladergarage wird neu gebaut. Hingegen sollen sich weder die Lage noch die Größe der Anlage ändern. Die Produktionskapazität an Biomethan bleibt bei 700 Normkubikmetern pro Stunde, sagt Barbara Bischofs.

Kommen die Substrate

aus der Region?

Die Rinder- und Schweinegülle wird aus deutschen Agrarbetrieben in der Nähe der Anlage geliefert, erklärt Barbara Bischofs. Dass sich der Substratmix ändert, ist branchenüblich und von den Bedingungen auf dem Beschaffungsmarkt abhängig. Auch in Zukunft sind Substratmixänderungen nicht ausgeschlossen. Diese müssen jedes Mal aufs Neue genehmigt werden.

Wirken sich die Veränderungen

auf die Geruchsbelastung aus?

Durch die beantragten Änderungen sollen die Emissionen sogar verringert werden, sagt Barbara Bischofs. Zum einen, weil die Leistung des Blockheizkraftwerkes gemindert wird. Zum anderen, weil ein Großteil des Hühnerkots ersetzt wird. „Die Änderungen im Substratmix führen tendenziell zu geringeren Geruchsemissionen“, sagt sie. „Da Hühnertrockenkot besonders ungünstige Geruchsemissionen verursacht.“ Die Gülle, die fortan verwendet werden soll, wird in einen geschlossenen Annahmebehälter gepumpt, der an das Gassystem der Anlage angeschlossen ist. Damit werden Gerüche vermieden, wenn die Gülle in die Anlage gefüllt wird. Der Duft, der entsteht, wenn der Hühnertrockenkot in den Annahmebunker der Anlage gelangt, wird der sogenannten Abluftreinigungsanlage zugeführt. Diese ist bereits genehmigt und wird nach Plan gebaut.

Jedoch kann die Geruchsfrage erst dann seriös beantwortet werden, wenn das Genehmigungsverfahren abgeschlossen ist. „Die Antragsunterlagen beinhalten ein Gutachten über die durch die geplanten Änderungen zu erwartenden Auswirkungen auf die Geruchsbelastung“, erklärt Ingolf Ulrich, der stellvertretende Sprecher der Landesdirektion Sachsen. „Der Gutachter kommt darin zu dem Schluss, dass gegenüber dem bereits genehmigten Stand keine relevanten Änderungen der Geruchsbelastung zu erwarten sind.“

Wie stehen die Chancen

auf eine Genehmigung?

Diese Frage kann derzeit nicht beantwortet werden, da es sich um ein laufendes, noch nicht abgeschlossenes Genehmigungsverfahren handelt, sagt Ingolf Ulrich. Sollten die Voraussetzungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erfüllt sein, ist die Änderungsgenehmigung zu erteilen.

Wie denkt der Gemeinderat

über die Änderungen?

Der Kodersdorfer Gemeinderat ist skeptisch angesichts der neuen Entwicklungen. „Die Änderungen sind zu spät eingegangen, denn die bauen ja schon“, sagt Uwe Bork (CDU). „Die schwenken um, weil sie Probleme kriegen mit den Substraten“, merkt Karsten Wiesenhütter (CDU) an. „Gülle ist immer da.“ Es entstehe der Eindruck einer nachträglichen Legalisierung des Prozesses, meint Jürgen Brosig (CDU). Bürgermeister René Schöne (CDU) versucht zu relativieren: „Interessant wird es erst, wenn die Anlage läuft.“ Was passiert, falls sich die Versprechen des Unternehmens etwa in Bezug auf Geruch zerschlagen, wird sich zeigen. Auf jeden Fall gibt es Möglichkeiten. „Dann werden Auflagen erteilt, wenn der Fall nachgewiesen werden kann“, sagt der Bürgermeister. Am Ende spricht sich der Gemeinderat mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung für die Veränderungen an der Biogasanlage aus.