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Großenhain

Gespenstische Stille überall

Wie gehen Großenhainer mit den Einschränkungen im öffentlichen Leben um? Die SZ hat sich am Samstag umgesehen.

Ungewohntes Szenario: Der Spielplatz im Stadtpark ist verwaist. Das Verbot zum Betreten scheint Wirkung zu zeigen.
Ungewohntes Szenario: Der Spielplatz im Stadtpark ist verwaist. Das Verbot zum Betreten scheint Wirkung zu zeigen. © Foto: Thomas Riemer

Großenhain. Wo an normalen Sonnabenden in den Nachmittagsstunden getobt wird, herrscht gähnende Stille. Niemand klettert auf der „Spinne“ des Abenteuerspielplatzes im Großenhainer Stadtpark. Kein Rad dreht sich am Wasserspiel. Die Rutsche ist verwaist. Die Eltern einer vierköpfigen Familie halten ihre beiden Knirpse mit ein bisschen Mühe vom Betreten des Spielplatzes zurück. „Anders geht es auch nicht“, sagt ein Mittfünfziger, der sich mit seinem Hund für eine halbe Stunde in den Park getraut hat.

Das Verbot, öffentliche Plätze und Sportstätten zu betreten, scheint Wirkung zu zeigen. Nur ein paar Spaziergänger, meist allein auf dem Weg, suchen nach Ruhe und Entspannung. „Vielleicht hat das alles ja auch etwas Gutes in der Form, dass alle jetzt ein bisschen zum Entschleunigen kommen“, sagt Thomas Krause. Der Chef der Schützenhaus-Eventgroup schaut etwas wehmütig auf die leere Terrasse der Mückenschänke, die zu seinem Unternehmen gehört.

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Die Gastronomie im Stadtpark gehört zu den festen Standbeinen - und mit der Schließung am Samstag bricht es wie auch alle anderen gastronomischen Einrichtungen weg. Natürlich hat Thomas Krause damit gerechnet, den Betrieb im Schützenhaus und der Remontehalle schon vorher schrittweise eingestellt. „Ich habe für alle meine Mitarbeiter Kurzarbeit Null gemeldet“, sagt der erfahrene Gastwirt. Einen Lieferservice, so wie ihn andere Gaststätten ins Auge fassen, will er nicht einrichten. Seine Mitarbeiter hätten mit Verständnis reagiert, „alle wollen bleiben und wiederkommen“, so Thomas Krause.

Freie Zeit für Renovierung nutzen

Ganz tatenlos will der Schützenhaus-Wirt die beginnende Flaute aber nicht verstreichen lassen. Stattdessen will er, soweit das möglich ist, in seinen Einrichtungen Arbeiten erledigen, die für einen späteren Zeitpunkt geplant waren. Hier ein bisschen frische Farbe an die Wand, dort etwas ausbessern.

Gespenstische Stille herrscht auch im Sportpark Husarenviertel und auf dem Spielplatz nahe des Naturerlebnisbades. Dazwischen, auf den Röderwiesen nahe der Scheumannstraße, sucht eine Familie mit drei Kindern ihr Heil in einem kleinen Fußballspiel. Hier und da begegnet man einem Streifenwagen der Polizei - offenbar auf Kontrollfahrten zu den öffentlichen Plätzen. Doch die Ankündigung empfindlicher Strafen beim Ignorieren der Schutzmaßnahmen scheint Wirkung zu zeigen.

Am Aldi-Markt legt Michael Brendel eine Verschnaufpause ein. Vor ein paar Tagen hat er sich von Görlitz aus zu Fuß auf Pilgerreise auf den Jakobsweg begeben, ist über Kamenz, Königsbrück und Schönfeld am Sonnabend in der Röderstadt angekommen. „Vielleicht kommen sich die Menschen in der Krise ja wieder ein Stück näher“, hofft er, immer auf den körperlichen Abstand von anderthalb Metern bedacht. Wie lange er noch pilgern darf, weiß er nicht. Doch so die Füße durchhalten, will er bis nach Eisenach laufen.

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Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.