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Dippoldiswalde

Apotheken sind an der Leistungsgrenze

In Zeiten der Corona-Epidemie sind Apotheken wichtige Einrichtungen. Ein Gespräch mit Göran Donner, dem Sprecher der sächsischen Apotheker.

Göran Donner führt zwei Apotheken in Dippoldiswalde sowie Rechenberg-Bienenmühle und ist Sprecher der Landesapothekerkammer. Angst hält er für einen ganz schlechten Ratgeber.
Göran Donner führt zwei Apotheken in Dippoldiswalde sowie Rechenberg-Bienenmühle und ist Sprecher der Landesapothekerkammer. Angst hält er für einen ganz schlechten Ratgeber. © Karl-Ludwig Oberthür

Zwei Plakate mit einem Stopp-Zeichen stehen vor der Löwen-Apotheke in Dippoldiswalde. Eines bittet darum, dass nur drei Personen gleichzeitig das Geschäft betreten. Das andere gibt Hinweise, wie sich jemand verhalten soll, der sich schon mit dem Coronavirus angesteckt hat. Über die aktuelle Situation sprach sächsische.de mit Göran Donner, dem Inhaber der Apotheke und Sprecher der sächsischen Apothekerkammer.

Herr Donner, wie läuft der Betrieb in den Apotheken jetzt in den Tagen der Coronakrise?

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Lust auf neue Kunden?

Wie Sie mit der sz-Auktion gleich doppelt gewinnen und was Sie dafür tun müssen.

Wir haben überdurchschnittlich viele Kunden. Das gilt im ganzen Land, wie ich von meinen Kollegen weiß. Das geht schon seit 14 Tagen und ist an der oberen Grenze dessen, was wir leisten können. Heute, Donnerstag, habe ich den Eindruck, der Andrang geht etwas zurück. Das hängt immer auch etwas von der Nachrichtenlage ab. Ich denke, die nächsten Tage wird sich auswirken, was alles zur Beruhigung des öffentlichen Lebens unternommen wird.

Was war in der Apotheke denn gefragt?

Am Anfang standen die Themen Mundschutz und Händedesinfektion im Vordergrund. Mundschutz schützt aber nur diejenigen, die mit Betroffenen zu tun haben. Wenn Privatpersonen mit Mundschutz durch die Gegend rennen, nützt das überhaupt nichts. Zum Thema Waschen: Wir wissen bis jetzt, dass der Virus eine Hülle hat, die sehr fettlöslich ist. Deshalb sind die Tenside, die in jeder Seife enthalten sind, für den Erreger tödlich. Sie schaffen eine Verbindung zwischen Wasser und Virus, an der er kaputt geht. Deshalb ist gründliches Händewaschen das A und O. Ich habe verkauft, was ich an Desinfektionsmittel hatte. Wenn ich jetzt noch welches bekomme, erhalten das bevorzugt Institutionen, öffentliche Einrichtungen oder Pflegedienste zum Beispiel.

Sind Mitarbeiterinnen von Quarantäne oder Ausfällen wegen Kinderbetreuung betroffen?

Meine Mitarbeiterinnen sind momentan alle gesund und in der Apotheke. Es gibt auch keine, die unter Quarantäne steht. Für die Kinderbetreuung haben sie das Anrecht auf die Notbetreuung in den Kitas, weil Apotheken systemrelevant sind. Das nutzen wir. Wir stehen jetzt auch unter einem höheren Hygieneregime als sonst. Ich werde noch Plexiglasscheiben als Tröpfchenschutz an den Verkaufstischen anbringen. Wir liefern auch  nach wie vor aus, versuchen das aber kontaktlos zu machen. Die Kunden bekommen die Sachen an die Türklinke. Auch die Bezahlung versuchen wir kontaktlos zu managen. Sie bekommen eine Rechnung, sollen sie überweisen oder später bezahlen.

Beobachten Sie Hamsterkäufe?

Manche Kunden kommen jetzt mit total verfallenen Rezepten, aus dem letzten Jahr teilweise. Ein Kassenrezept ist aber nur vier Wochen gültig. Die Kunden müssen wir wieder wegschicken und sie bekommen neue Rezepte, wenn sie ein Mittel brauchen. Einfach so, um einen Vorrat hinzulegen, sind die Medikamente zu schade. Seit ein paar Tagen stellen wir aber fest, dass Kunden sich mit Schmerz- und Fiebermitteln bevorraten. Allerdings habe ich da meine Mitarbeiter angewiesen, nachzufragen, ob die Mengen wirklich nötig sind. Dann hängt die Nachfrage immer auch davon ab, was gerade so durch die Öffentlichkeit geistert.


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Nun gibt es zu Ibuprofen widersprüchliche Aussagen. Einerseits macht die Behauptung die Runde, dass es anfällig machen soll, andererseits soll es knapp sein, weil es stark nachgefragt wird. Wie sehen Sie das?

Zum Ersten kann ich nur sagen: Es ist wissenschaftlich nichts belegt. Ich halte mich an die Aussagen der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker. Demnach ist Ibuprofen voll einsetzbar. Das Thema Knappheit stimmt in der Tat. Es gibt im betroffenen Gebiet in China chemische Fabriken, die stillgelegt worden sind. Ich habe mich schon etwas bevorratet. Wir müssen aber generell damit rechnen, dass sich Lieferschwierigkeiten in den nächsten zwei Monaten noch deutlicher zeigen. Es wird nicht zu Versorgungsengpässen kommen. Man wird immer was machen können. Wir müssen aber unbedingt dazu kommen, dass die Zwänge, denen wir momentan unterliegen, wie die Rabattverträge, gelockert werden, damit wir ein bisschen flexibler werden. Es gibt aber keinen Grund, Angst vor der Zukunft zu haben.

Wie sieht es mit Medikamenten gegen den Covid-19-Virus aus?

Es gibt seit Mittwoch die Aussage, dass bestimmte Medikamente, die gegen Malaria helfen, auch gegen den Covid-19-Virus wirken. Das ist aber alles erst in der Testung. Ich gehe davon aus, wenn da wirklich etwas dran ist, wird es rasch größere Studien geben. Dann werden wir auch Ergebnisse bekommen. Die Mittel sind aber ausverkauft. Wenn es dazu kommt, werden sie vorrangig in den Kliniken angewendet.

Was kann man zur Vorbeugung tun?

Auch die Virologen sagen, man soll sich wenig Kontakten aussetzen. Das heißt aber nicht, nur zu Hause im Wohnzimmer zu hocken. Was man machen muss, um sein Immunsystem auf natürliche Weise fit zu halten, ist auch weiterhin nötig. Man muss sich bewegen, man braucht frische Luft. Man muss eben versuchen, in den Wald zu gehen, in die freie Natur. Obst essen, ist auch gut. Wir haben auch Mittel, um das Immunsystem zu stärken. Zink ist gut für das Immunsystem, auch Multivitaminprodukte. Sie sollten ihr normales Leben mit den jetzt gegebenen Einschränkungen weiterleben. Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber. Jeder, der sich von Angst leiten lässt, schwächt sein Immunsystem von vornherein. Unser Gesundheitssystem ist gut und funktioniert. Die überwiegende Anzahl der Fälle verläuft mild.

Was kann man aus der jetzigen Situation lernen?

Wir müssen nachdenken, ob bestimmte Dinge überprüft werden müssten. Ob wir lebenswichtige Infrastrukturen in Drittländer geben. Ob es normal ist, regelmäßig Fernreisen zu machen, ob es nicht manchmal auch reicht, wandern zu gehen in der Sächsischen Schweiz. 

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