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"Corona ist für das Theater auch eine Chance"

Am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen ist jetzt eine ungewöhnliche Spielzeit zu Ende gegangen. Der Intendant kann ihr aber auch Positives abgewinnen.

Sommertheater im kleinen Rahmen gab es dieses Jahr in Bautzen im Theatergarten neben dem großen Haus. Intendant Lutz Hillmann und sein Team konnten dort reichlich 1.400 Zuschauer begrüßen.
Sommertheater im kleinen Rahmen gab es dieses Jahr in Bautzen im Theatergarten neben dem großen Haus. Intendant Lutz Hillmann und sein Team konnten dort reichlich 1.400 Zuschauer begrüßen. © Carmen Schumann

Bautzen. Eine ungewöhnliche Spielzeit ging am zurückliegenden Wochenende für das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen zu Ende. Sie war gekennzeichnet durch die Corona-bedingte Zwangspause von März bis Mai, aber auch durch kreative Ideen, um diese schwere Zeit durchzustehen. Sächsische.de sprach darüber mit Intendant Lutz Hillmann.

Herr Hillmann, denken Sie, dass die nun zu Ende gegangene Spielzeit die verrückteste in Ihrer Laufbahn war?

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Carmina Burana Konzerte am See
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Der Chor der Europa Akademie Görlitz feiert unter der Leitung von Joshard Daus mit der „Carmina Burana“ einen leidenschaftlichen Ausblick für die kommende Saison.

Ich hoffe, dass es die Verrückteste war. Das heißt, ich hoffe, dass es nicht noch schlimmer kommt.

Haben Sie schon einen Plan B, falls es zu der befürchteten zweiten Welle an Corona-Infektionen und damit zu einem zweiten Lockdown kommen sollte?

Wir gehen jetzt erst einmal davon aus, dass es nicht so kommen wird. Aber man kann gar nicht so viele Pläne machen, wie es Möglichkeiten gibt.

Corona-bedingt kam das Bautzener Theater bei weitem nicht an die Rekord-Besucherzahlen vergangener Jahre heran. Negativ bemerkbar machte sich vor allem der Ausfall des Sommertheaters auf der Ortenburg. Wie sieht die finanzielle Bilanz aus? Gab es auch Einsparungen, zum Beispiel weil die Traversen nicht aufgebaut werden mussten? 

Grundsätzlich ist dazu zu sagen, dass das Haushaltsjahr dem Kalenderjahr entspricht, nicht der Spielzeit. Das heißt, einen Strich drunter ziehen können wir erst zum Ende dieses Jahres. Aber die Plus-Positionen, wie der Wegfall des Traversen-Aufbaus und auch das Kurzarbeitergeld, das wir für de Mitarbeiter beantragen mussten, gleichen die Einnahme-Ausfälle natürlich nicht aus. Und wir wissen natürlich auch nicht, was im Herbst passiert. Zum Beispiel, wie das Publikum auf den Spielplan reagiert. Es ist doch so: Wir als Theater beeinflussen die Stimmungslage in der Gesellschaft, aber wir sind auch von ihr abhängig.

Mit den 32 Vorstellungen im Theatergarten, die von 1.439 Theaterfreunden besucht wurden, haben Sie dem Publikum eine Alternative zum „großen“ Sommertheater geboten, das auf die kommende Spielzeit verschoben werden musste. Wie waren die Reaktionen?

Der Theatergarten ist super angenommen worden. Alle waren erleichtert, dass überhaupt wieder etwas stattfinden konnte. Ich habe erlebt, dass unter den Menschen eine große Sehnsucht nach solchen Veranstaltungen vorhanden war. Es gab aber auch viel Unverständnis dafür, dass der große Theatersommer verschoben werden musste.

Man sagt ja, jede Krise bietet auch eine Chance. Worin sehen Sie die Chance, die die Corona-Krise für das Theater gebracht hat?

Trotz aller Bemühungen, Kultur über die elektronischen Medien zu transportieren, ist klar geworden, dass das kollektive Erleben von Theater durch nichts zu ersetzen ist. Vielleicht macht die Krise es mal deutlich, was der Unterschied ist zwischen elektronischen Medien und lebendigem Theater. Es gibt Gründe für Theater und warum es gefährdet ist. Angesichts der Krise sollte man sich Gedanken machen, warum das so ist. Warum Theater einen ganz wesentlichen Beitrag leisten kann, und wenn es nur der ist, den Menschen Mut zu machen. Ein Phänomen in dieser technisierten Gesellschaft ist es, Theater in Frage zu stellen. Das hat aber meines Erachtens mit einer weitsichtigen Kulturpolitik nichts zu tun.

Wie stellen Sie sich angesichts der aktuellen Corona-Regelungen auf die kommende Spielzeit ein?

Wir haben jetzt Regelungen für die Besucher, die dem Normalzustand schon recht nahe kommen. Wir müssen nur gewährleisten, dass im Falle einer Infektion die Quelle zurückzuverfolgen ist. Was auf der Bühne erlaubt ist, das bestimmen zurzeit die Berufsgenossenschaften. Und das ist fern jeder Realität. Wir können nur hoffen, dass man dort zu mehr Bodenhaftung zurückkehrt. Wir können nur von Glück reden, dass bei uns keine Kollektive wie Chor, Orchester oder Ballett auf der Bühne stehen. Denn da gelten Regeln, die Theater eigentlich unmöglich machen.

Wir werden im September entscheiden, wie die Abstandsregeln umzusetzen sind. Bei den Neuinszenierungen haben wir die Sicherheitsabstände schon eingeplant. Bestehende Inszenierungen werden wir entsprechend der Regelungen verändern. Denn in Erfindungsreichtum und Reaktionsschnelligkeit sind wir relativ selbstbewusst und kreativ, fit und beweglich. Bestimmte Dinge können wir auch mit Witz und Ironie lösen.

Gespräch: Carmen Schumann

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