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Die Feuerwehr hat einen Investitionsstau

Dippoldiswalde hat die letzten Jahre an der Feuerwehr gespart. Stadtwehrleiter Michael Ebert erklärt, welche Folgen das hat und dass trotzdem Hoffnung besteht.

Der Dippser Stadtwehrleiter Michael Ebert ist sich mit der Oberbürgermeisterin einig, dass wichtige Anschaffungen schnell getätigt werden müssen.
Der Dippser Stadtwehrleiter Michael Ebert ist sich mit der Oberbürgermeisterin einig, dass wichtige Anschaffungen schnell getätigt werden müssen. © Egbert Kamprath

Zu Jahresbeginn treffen sich die Mitglieder der Feuerwehren zu ihren Jahreshauptversammlungen. Sächsische.de sprach mit Michael Ebert, dem Stadtwehrleiter in Dippoldiswalde über die Situation der Feuerwehren im Stadtgebiet.

Herr Ebert, zurzeit wird gerade ein neues Tanklöschfahrzeug für die Feuerwehr Schmiedeberg gebaut. Wie steht es insgesamt um die Fahrzeugausstattung der Feuerwehren in Dippoldiswalde und den Ortsteilen?

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Es ist eng. In Hennersdorf beispielsweise hatten wir ein Auto, das vom Katastrophenschutz des Bundes bezahlt worden ist. Das ist nicht mehr durch den TÜV gekommen. Wann vom Katastrophenschutz ein neues Fahrzeug kommt, ist offen. Dieses Jahr mit Sicherheit nicht mehr. Also mussten wir gezwungenermaßen das Tragkraftspritzenfahrzeug von Oberhäslich nach Hennersdorf verlegen. Die Überlegung dahinter ist, dass Oberhäslich von Dippoldiswalde aus in den vorgeschriebenen Zeiten erreicht werden kann. In Oberhäslich wird für diese Zeit der Mannschaftstransportwagen von Reichstädt vorgehalten. Vielen Dank an alle Kameraden für das Verständnis für diese Maßnahmen!

Was bedeutet das, wenn ein Auto zum Katastrophenschutz gehört?

Es gehört dem Bund oder Land und ist für die Stadt erst einmal in der Beschaffung kostenfrei, steht aber den Kommunen zur Sicherstellung des Brandschutzes zur Verfügung. Wir kümmern uns um das Fahrzeug. Es kann aber jederzeit für einen Katastropheneinsatz angefordert werden, nicht nur in der Nähe, sondern auch in anderen Bundesländern. In Schönfeld haben wir auch ein Löschfahrzeug vom Katastrophenschutz, in Dippoldiswalde einen Schlauchwagen und einen Beleuchtungsmast.

Hat Dippoldiswalde also Lücken in seiner Feuerwehrausstattung?

Das ist ein Investitionsstau, der sich über die Jahre aufgebaut hat. Ich bin mit der Oberbürgermeisterin einig, dass ein weiteres Aufschieben wichtiger Anschaffungen nicht mehr zu verantworten ist. Die Stadträtinnen und -räte wurden von mir über die prekäre Situation im Januar nochmals informiert und ich hoffe, dass diese positiv für den Schutz der Bevölkerung entscheiden. Wir haben viele Fahrzeuge, die weit über 20 Jahre alt sind. Die haben beispielsweise noch gar keinen Airbag oder ABS. Damit müssen unsere Kameraden in den zwölf Ortswehren bei Wind und Wetter zum Einsatz fahren. Wir müssen vier Mannschaftstransportwagen ersetzen und dann soll Jahr für Jahr ein neues Löschfahrzeug kommen. Und wenn wir damit am Ende sind, ist der Hubsteiger in Dippoldiswalde auch 20 Jahre alt und muss erneuert werden. Außerdem müssen wir auch völlig neue Technik anschaffen wie besondere Lanzen, die wir zum Löschen von Elektroautos benötigen.

Kann Dippoldiswalde das schaffen?

Die Kommunen brauchen dafür Entlastung. Ich wäre ja nach wie vor dafür, wieder eine Feuerwehrabgabe einzuführen, wie sie früher jeder erwachsene Mann bezahlt hat, der nicht in der Feuerwehr mitgemacht hat.

Sie haben das Thema Elektroauto angesprochen. Hatten Sie schon einmal Einsätze mit dieser Technik?

Unfälle, an denen Elektroautos beteiligt waren, hatten wir bisher nicht. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Aktuell sind wir daran, mit der Firma Pötzsch ein Konzept für solche Ereignisse zu entwickeln,  das auch landkreisübergreifend zum Einsatz kommen soll.

Gibt es andere Herausforderungen, die die Feuerwehr bisher nicht auf dem Schirm hatte?

Wir beschäftigen uns weiter mit der Vorbereitung auf einen völligen Blackout, wenn also die ganze Region längere Zeit keinen Strom mehr hat, dazu Hochwasser oder außergewöhnliche Schneefälle kommen. Darauf müssen wir uns besser vorbereiten, beispielsweise feste Anlaufpunkte schaffen oder eine Kinderbetreuung sichern für die Feuerwehrleute und Verwaltungsmitarbeiter, die dann im Einsatz sind.

Drohen in Dippoldiswalde solche Gefahren?

Wir haben bisher einfach Glück gehabt. Wenn beispielsweise die Mine, die letztes Jahr an der Vorsperre der Malter gefunden und entschärft worden ist, eine Bombe gewesen wäre, dann hätten wir das Krankenhaus, mehrere Pflegeheime und Teile der Innenstadt evakuieren müssen. Wir müssen in solchen Situationen einen Plan haben. Die Feuerwehr mit der Stadtverwaltung, dem Deutschen Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk und der Polizei arbeiten daran. Diese Zusammenarbeit funktioniert in Dippoldiswalde übrigens außerordentlich gut.

War letztes Jahr ein ruhiges Jahr für die Feuerwehren?

Dieser Eindruck täuscht. Wenn wir die Entwicklung beobachten, seit Dippoldiswalde und Schmiedeberg zusammengegangen sind, dann hatten wir 2014 138 Einsätze und im letzten Jahr 171. Insgesamt sind wir 564 Feuerwehrmitglieder, davon 270 im operativen Dienst.

Wie steht es um den Nachwuchs?

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Bei uns machen derzeit in den Jugendfeuerwehren 90 Kinder und Jugendliche mit. Das hat sich in den letzten Jahren fast verdoppelt. Die Jugendfeuerwehrwarte machen eine sehr gute Arbeit. Das gibt Hoffnung. Das Hauptproblem ist dann, dass die jungen Leute der Feuerwehr oft nicht erhalten bleiben, wenn sie zum Studium woandershin ziehen. Die Nachwuchsgewinnung ist sehr wichtig. Wir können es uns nicht mehr leisten, dass eine Ortswehr wegen Personalmangel geschlossen wird. Sonst entstehen Lücken im Brand- und Bevölkerungsschutz.

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