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Geständnis im „Stückel-Mord“

Benjamin H. soll einen Freund getötet und zerstückelt haben. Bisher schwieg er. Gestern folgte die Wende im Prozess – auf ungewöhnlichem Weg.

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Von Sven Heitkamp, Leipzig

Nach langem Schweigen hat der 24-Jahre alte mutmaßliche Mörder Benjamin H., der sein Opfer zerstückelt und die Leichenteile am Leipziger Elsterbett verteilt haben soll, die Tat umfassend gestanden. Dafür wählte er allerdings einen ungewöhnlichen Weg: Er ließ in nicht-öffentlicher Sitzung vor Gericht ein etwa vier Stunden langes Videointerview zeigen, das sein Anwalt zuvor mit ihm in der Untersuchungshaft geführt hat. Ein Geständnis per Videointerview habe er noch nie erlebt, sagte Richter Hans Jagen.

Benjamin H. habe sich umfangreich zu seiner Person und zur Anklage geäußert, teilte eine Gerichtssprecherin mit. Dabei habe er Angaben zum Tod von Jonathan H. gemacht. Eine dritte Person sei nicht beteiligt gewesen.

Laut Anklage hatte Benjamin H. an seinem 23. Geburtstag, dem 12. Oktober 2011, den gleichaltrigen Freund Jonathan H. in seine Wohnung in Leipzig eingeladen, um ihn sich zum Opfer zu machen. Er schlug ihn, fesselte und vergewaltigte ihn. Mit mehr als 20 Messerstichen in den Rücken brachte er den zunächst noch arglosen Freund laut Staatsanwaltschaft „aus Mordlust“ um und zerstückelte ihn in einer Badewanne. Die Leichenteile warf er in das Elsterbecken unweit seiner Wohnung. Passanten und Polizisten fanden Tage später einige Körperteile. Ein halbes Jahr später wurde Benjamin H. in der Wohnung eines Bekannten in Kassel verhaftet.

Gestern erklärte Benjamin H. auch erstmals seine Bereitschaft, sich von einem Psychiater begutachten zu lassen. Das Gericht ist nun zuversichtlich, den spektakulären Mordprozess wie geplant bis Mitte Dezember zu Ende zu bringen. Zwischenzeitlich war befürchtet worden, der Prozess könne sich noch ein Jahr hinziehen.