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Gestohlenes Motorrad geklaut?

Wegen mehrerer Straftaten muss ein Mann aus Burgstädt für neun Monate in Haft. Nicht alle Taten will er begangen haben.

Von Helene Krause

Der große, schlanke 35-Jährige stand nicht das erste Mal vor Gericht. 13 Einträge hat er bereits im Bundeszentralregister. Mehrfach wurde er wegen Fahrens ohne Führerschein, Diebstahls, Körperverletzung und weiterer Straftaten angeklagt. Diesmal beschuldigt ihn das Amtsgericht Döbeln gleich vier verschiedener Straftaten.

Late Night Shopping Dresden
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So soll er in der Nacht zum 3. November 2012 in die Lagerhalle der ehemaligen LPG in Burgstädt eingedrungen sein. Dort soll er eine Kettensäge, einen Winkelschleifer, einen Akkuschrauber mit Ladegerät, einen Nusskasten, eine Kiste mit Gewindeschneidern und fünf alte Fotoapparate gestohlen haben. Die Beute hatte einen Wert von 300 Euro. Um in die Lagerhalle zu gelangen, wurde ein Überwurfhaken ausgehebelt.

Des Weiteren fand die Polizei am 23. Januar 2013 bei dem Beschuldigten bei einer Wohnungsdurchsuchung, einen Schlagring im Wohnzimmer. Außerdem legte ihm das Gericht zur Last, am 25. Juli 2013 ohne Führerschein und unter erheblichem Drogeneinfluss mit einer Kawasaki gefahren zu sein. Das Motorrad soll er zuvor gestohlen oder von einem Unbekannten erhalten haben, der es gestohlen hat.

Bis auf den Diebstahl des Motorrads und den Einbruch in die Lagerhalle gestand der Angeklagte die Taten. Der Schlagring lag als Dekoration auf seinem Wohnzimmertisch. Angeblich wusste er nicht, dass der Ring eine verbotene Waffe ist. Und das Motorrad will er von einem Bekannten genommen haben. Es stand bei ihm auf dem Hof. „Ich habe ihm gesagt, dass ich kurz nach Hause fahre, um etwas zu holen und gleich wieder zurück komme“, sagte er vor Gericht. Doch das dementierte der Kumpel, der zurzeit wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz in Untersuchungshaft sitzt und der von zwei Justizbeamten vorgeführt wurde: „Ich habe ihm gesagt, dass er das Motorrad nicht nehmen soll“, erklärte er in der Zeugenvernehmung. Weil der Angeklagte trotzdem mit dem Krad wegfuhr, sah das Gericht den Tatbestand des Diebstahls als erfüllt an.

Ein weiterer Zeuge, dem die Gegenstände aus der Lagerhalle entwendet wurden, erklärte, dass die Halle nur mit dem Überwurfhaken und nicht mit einem Schloss gesichert gewesen sei. Der Haken konnte von außen mit einer Zange oder mit schlanken Fingern ausgehebelt werden. Tagsüber soll das Hallentor immer offen gestanden haben, so das Vorübergehende hinein schauen und die Halle ausspähen konnten. Aus der Beute wurden nur die Kettensäge und der Trennschleifer wieder gefunden. Die Flex war bei dem Angeklagten im Keller im Fußsack eines Kinderwagens versteckt. Die Kettensäge fand die Polizei bei dem Kumpel, der auch die Kawasaki hatte. An dem Motorrad fehlten die Nummernschilder, und die Identifikationsnummern waren abgefeilt. Außerdem war das Lenkerschloss defekt. Auf die Frage, woher das Motorrad stamme, erklärte der Zeuge: „Die Kawasaki habe ich von einem Kumpel aus Chemnitz erhalten. Ich sollte sie aufarbeiten.“ Wie besagter Kumpel heißt, wusste er jedoch nicht.

Der arbeitslose Angeklagte, der drogensüchtig ist, war wegen seines Drogenproblems in Therapie. Doch nach nur zwei Wochen wurde er rausgeworfen, weil er rückfällig geworden war. Für eine zweite Langzeittherapie hat er die Bescheinigung für die Kostenübernahme der Krankenkasse. Zurzeit wartet er auf einen Platz.

Obwohl der Verteidiger wegen des Fahrens ohne Führerschein und des Besitzes der verbotenen Waffe nur auf eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, ausgesetzt auf Bewährung, plädierte und seinen Mandanten in den anderen Anklagepunkten freigesprochen haben wollte, verurteilte das Gericht den Beschuldigten. Er muss wegen Diebstahls, Fahren ohne Führerschein und wegen des vorsätzlichen Besitzes einer verbotenen Waffe für neun Monate in Haft. Die Haftstrafe wurde wegen der vielen Vorstrafen des Angeklagten nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.