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Gestrandeter Frachter ist frei

In einer dramatischen Rettungsaktion wurde das Schiff in die Fahrrinne gezogen. Der erste Versuch ging schief.

© Norbert Millauer

Von Philipp Siebert

Um 15.04 Uhr läutete die Schiffsglocke der Apollo fünfmal. Erleichterung bei der Besatzung. Nach über sechs Stunden harter Arbeit gelang es einer deutsch-tschechischen Bergungsmannschaft, das seit Pfingstsonntag in der Elbe bei Kötitz festsitzende Güterschiff von der Untiefe am rechten Ufer zu ziehen. Von den 50 und mehr am Ufer versammelten Schaulustigen gab es Applaus.

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Seit kurz nach neun Uhr war das Baggerschiff Meissen damit beschäftigt, den havarierten Frachter zu entladen. Das Schiff des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden wird sonst zum Ausbaggern der Elbe-Fahrtrinne eingesetzt.

Gestern schaufelte es tonnenweise Phosphatgranulat in einen Schubleichter, den der tschechische Reeder, dem die Apollo gehört, die Elbe hinab nach Kötitz geschickt hatte. Zentimeterweise hob sich der auf Grund gelaufene Frachter an.

Die Zeit saß den Arbeitern dabei im Nacken. Zwischen Montagnachmittag und Dienstagmorgen war der Elbepegel erneut um fünf Zentimeter gefallen. Nur 82 Zentimeter Tiefe misst der Fluss derzeit in Kötitz. Der gestrandete Frachter drohte deshalb auseinander zu brechen. „Sinkt der Pegel noch weiter, bricht das Schiff, weil die gut 500 Tonnen Dünger, die die Apollo geladen hat, auf die Bordwände drücken. Das hält der Stahl nur eine gewisse Zeit lang aus“, warnte Lutz Klar, Außenbezirksleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden und für die Bergung der Apollo verantwortlich. Hinzu kam, dass die Elbe während der Rettungsaktion für Güterschiffe und Freizeitkapitäne gesperrt werden musste. Nur zwei Passagierdampfer durften die Unglücksstelle passieren.

Bereits um 13 Uhr wurde das erste Mal probiert, die Apollo in tieferes Wasser zu ziehen. Der nach Kötitz beorderte Schubleichter Rio 2 machte drei unterarmdicke Taue am Heck der Apollo fest. Dann legten beide Schiffe den Rückwärtsgang ein und gaben Vollgas. Die Dieselmotoren dröhnten, der stählerne Rumpf der Apollo knirschte kurz. Dann ein ohrenbetäubender Knall. Die Taue waren gerissen.

Also musste ein zweiter Leichter neben den festsitzenden Frachter gefahren und das restliche Phosphat aus dem Bauch der Apollo gebaggert werden. Die beiden Schubleichter wurden im Laufe des Vormittags und frühen Nachmittags bis an die Kapazitätsgrenze mit dem für Tschechien bestimmten Düngemittel beladen. Augenmaß war gefragt. Der Bagger durfte die Rio 2 nicht zu sehr beladen. Sonst hätte ein zweites Schiff in der Elbe festgesessen.

„Der Kiel des Schiffes ist nicht aufgerissen, die Apollo ist vollkommen fahrtauglich“, sagt Bergungsleiter Lutz Klar nach der geglückten Rettungsaktion. Und dass, obwohl das Flussbett mit scharfen und spitzen Steinen in diesem Bereich gespickt sei. Betriebsflüssigkeiten wie Motoröl oder Kühlmittel seien nicht in die Elbe geflossen. „Es gibt keine Umweltschäden“, machte Lutz Klar deutlich.

Zur Vorgeschichte: Es ist nicht der erste Versuch, die Apollo zu bergen. Bereits am vergangenen Freitag wurde der starke Heckradschlepper Beskydy aus Böhmen nach Kötitz geordert. Der dieselgetriebene Schlepper kommt auf der Elbe überall dort zum Einsatz, wo bei geringem Tiefgang schwierige Aufgaben zu bewältigen sind. In Kötitz versuchte die Beskydy, das 1 000-Tonnen-Schiff aus seiner misslichen Lage zu befreien. „Die Tschechen haben uns dafür extra eine Welle geschickt“, sagt Lutz Klar. Die Staumauer in Ústí nad Labem wurde geöffnet. Der Pegel der Elbe sollte dadurch für kurze Zeit um 30 Zentimeter steigen. Der Versuch scheiterte jedoch. In Kötitz stieg der Elbepegel nur um 15 Zentimeter – zu wenig, um das Motorschiff wieder in die Fahrrinne zu ziehen.

Nach SZ-Informationen ist ein Fahrfehler des Kapitäns des tschechischen Frachters für das Unglück verantwortlich. Der Mann am Steuer hatte die ohnehin flache Fahrrinne verlassen und war so zu nah ans Ufer gekommen. Dafür dürfte ihm ein Bußgeld drohen. Noch deutlich schlimmer sind allerdings die Kosten, die durch den tagelangen Ausfall des Frachtschiffs entstanden sind. Zudem muss die Rederei für die Sperrung der Fahrrinne und den Einsatz der Hilfstechnik aufkommen.

Gegenüber der Unglücksstelle hatte der Bach Wilde Sau in den vergangenen Wochen zahlreiche Steinbrocken in die Elbe gespült. Sie bilden jetzt eine Landzunge. Womöglich hatte dieser Steinhaufen den Kapitän irritiert, so dass er zu weit ans andere Ufer auswich.