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Gesünder lernen auf der Streuobstwiese?

Der Grundstein für den Schulbauernhof am Rande von Klosterbuch ist gelegt. In Corona-Zeiten hat das Projekt eine neue Bedeutung bekommen.

Zur Grundsteinlegung für den Schulbauernhof am Rande von Klosterbuch haben sich Bauherr Jürgen Pohl (links) und Hartmut Schoberth als Chef der bauausführenden Firma die Arbeit geteilt.
Zur Grundsteinlegung für den Schulbauernhof am Rande von Klosterbuch haben sich Bauherr Jürgen Pohl (links) und Hartmut Schoberth als Chef der bauausführenden Firma die Arbeit geteilt. © Norbert Millauer

Leisnig. Es war eine Rechnung mit einigen Unbekannten. Doch sie ist aufgegangen. Lediglich Corona hat Jürgen und Elsbeth Pohl um einen Termin gebracht: Am 21. April 2020 – dem 65. Geburtstag von Jürgen Pohl – sollte Grundsteinlegung für den Schulbauernhof sein.  Nun ist es der 30. Juli geworden. Ansonsten hat vieles gepasst. 

Als die beiden Wahl-Klosterbucher planten, im Ruhestand auf einem Schulbauernhof ihr Wissen rund um die Landwirtschaft, um Obstanbau und Leben im Einklang mit der Natur weiterzugeben, da war an das Coronavirus noch gar nicht zu denken. Doch inzwischen denkt Elsbeth Pohl-Roux (64): „Vielleicht sind die Schulkinder ja auf einer Streuobstwiese besser aufgehoben als in einem Klassenzimmer.“

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Ein grünes Klassenzimmer, das soll auf dem Schulbauernhof an der Zuwegung zum ehemaligen Weinberg der Zisterziensermönche auf jeden Fall entstehen. Außerdem werden die Handwerker der Wendishainer Baufirma Schoberth in den nächsten Wochen einen Pferdestall mit drei Boxen errichten. Daran schließen sich ein Informationsraum und eben jenes grüne Klassenzimmer an.

Zum ersten Mal alle Zeit der Welt

Die ersten Unterrichtsstunden soll es dort „erst“ ab dem übernächsten Schuljahr geben. Verträge mit Schulen aus der Region kann Elsbeth Pohl längst vorlegen. Schon diesen Herbst loszulegen, so eilig hat sie es nicht.

„Das ist das achte Bauprojekt in verschiedenen Bundesländern, das ich in meinem Leben angehe. Dafür will ich mir Zeit lassen, zum ersten Mal“, sagt sie, nachdem ihr Mann eine alte Dose im Boden versenkt, die vor Jahrzehnten zum Aufbewahren von Operationsbesteck hergehalten hat. Hinein kamen nach altem Brauch unter anderem aktuelle Zahlungsmittel, Tagespresse und ein Foto der Bauherren.

Den Luxus, Zeit zu haben und vielleicht mit dem Planwagen mal eine Woche länger durch Europa zu fahren, können sich die Pohls gönnen, weil ihr Plan mit dem Verkauf des Fachwerkhofes im Ort aufgegangen ist. 

Die Kaltblüter von Jürgen Pohl werden auch auf dem künftigen  Schulbauernhof eine wichtige Rolle spielen und nicht nur traditionell einige Arbeit erledigen. 
Die Kaltblüter von Jürgen Pohl werden auch auf dem künftigen  Schulbauernhof eine wichtige Rolle spielen und nicht nur traditionell einige Arbeit erledigen.  © Norbert Millauer
So wird der Stall nach den Vorstellungen der Planer des Harthaer Büros Reichenbach einmal aussehen. Schon ab dem späten Herbst sollen die Tiere eingestellt werden.
So wird der Stall nach den Vorstellungen der Planer des Harthaer Büros Reichenbach einmal aussehen. Schon ab dem späten Herbst sollen die Tiere eingestellt werden. © Norbert Millauer
Statt einer Hülse hat Elsbeth Pohl in einer alten OP-Besteck-Schatulle versenkt, was zu einer Grundsteinlegung nach altem Brauch in die Erde kommt. 
Statt einer Hülse hat Elsbeth Pohl in einer alten OP-Besteck-Schatulle versenkt, was zu einer Grundsteinlegung nach altem Brauch in die Erde kommt.  © Norbert Millauer
Diese historische Aufnahme von Klosterbuch haben die Pohls ihren  Gästen zur Grundsteinlegung für den Schulbauernhof gezeigt. Der Einladung dazu folgten auch Gartennachbarn  und Leute aus dem Ort.
Diese historische Aufnahme von Klosterbuch haben die Pohls ihren  Gästen zur Grundsteinlegung für den Schulbauernhof gezeigt. Der Einladung dazu folgten auch Gartennachbarn  und Leute aus dem Ort. © Sammlung Pohl
Erdbeertorte mit Aufschrift: Nur ein solches Erinnerungsfoto wird von dieser Art Stärkung für die Gäste der Grundsteinlegung bleiben. 
Erdbeertorte mit Aufschrift: Nur ein solches Erinnerungsfoto wird von dieser Art Stärkung für die Gäste der Grundsteinlegung bleiben.  © Norbert Millauer

Vor etwa einem Jahr hatten sie den Hof zum Verkauf ausgeschrieben. Ihr Wunsch war, jemanden zu finden, der Begonnenes weiterführt: den Archehof, die Gästebeherbergung, die Bewirtschaftung der Deiche in und um Klosterbuch.

„Wir sind dankbar, dass wir genau das, wonach wir gesucht, auch gefunden haben“, sagt Elsbeth Pohl. Dadurch könnten sie sich zu 100 Prozent auf das Schulbauernhof-Projekt konzentrieren, müssten nicht beides irgendwie parallel hinbekommen.

 Der Umzug vom Fachwerkhof in den ehemaligen Bahnhof Klosterbuch, das Auszugshaus der Pohls, ist abgehakt.

Der jungen Generation eine Chance geben

Den Schulbauernhof bezeichnen beide als ihr Herzensprojekt, bei dem sie ihre Erfahrungen an die jüngere Generation weitergeben wollen. Dafür haben sie eigentlich Enkel, aber viel zu weit weg.  Zudem finden sie, dass nicht nur auf die Heranwachsenden geschimpft, sondern ihnen auch gezeigt werden sollte, wie was funktioniert.

Den Schulbauernhof wollen die Pohls deshalb traditionell bewirtschaften, auch mit ihren Kaltblütern. Die Schüler sollen Gelegenheit bekommen, bei der Tierpflege mit anzupacken, bei der Ernte auf den Streuobstwiesen und beim Verarbeiten der Früchte zu helfen. Dabei wollen ihnen die Pohls auch Zusammenhänge in der Natur vermitteln. Praktischer, so finden sie, kann Unterricht kaum sein.

Seit mehr als fünf Jahren verfolgen sie die Idee, der Bauantrag war 2016 genehmigt. Vergangenes Jahr mussten sich die Baubehörden und die Leisniger Stadträte nochmals damit beschäftigen, weil die Frist abgelaufen war. Schon 2019 hatte es die Zusage gegeben, dass die EU das Vorhaben finanziell.

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