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Gesund im Galopp

Der Strehlaer Reiterhof Lorenz ein neues Reitprogramm für Kinder entwickelt. Es soll mehr als nur Spaß bereiten.

Von Eric Weser

Noch läuft Satan gemächlich vorwärts. Doch jetzt soll Rosa den Haflinger dazu bringen, einen Gang höher zu schalten, weist Reitlehrerin Stefanie Lorenz an. Gesagt, getan. Und schon bewegt sich das Pony mit der markanten Haarpracht schneller über den Sand, während die junge Reiterin auf seinem Rücken mit auf und ab wippt. Nach einigen Metern Trab nimmt Rosa die Geschwindigkeit wieder heraus, und Satans Gang kehrt zur Gemütlichkeit zurück, mit einer Streicheleinheit wird es dem Hengst von Rosa gedankt. Stefanie Lorenz wirkt zufrieden.

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Es ist Reitstunde in „Lola’s Ponyland“. So hat Stefanie Lorenz vom gleichnamigen Strehlaer Reiterhof das neue Konzept für ihren Kinder-Reitunterricht getauft. Entwickelt hat sie es gemeinsam mit Experten aus den Bereichen Gesundheit und Erziehung. Reiten, das soll mehr sein, als sich in den Sattel zu schwingen. Es soll heißen, auf Tuchfühlung mit dem Tier zu gehen. Und auch Herz und Hirn sollen nicht zu kurz kommen. Als „Lola’s Ponyland“ ist das Ganze zwar spielerisch verpackt. Dennoch sind die Hintergedanken ernst.

Auf Tuchfühlung mit dem Tier

„Wir haben vor allem in den letzten fünf Jahren festgestellt, dass viele Kinder regelrecht realitätsfremd geworden sind“, sagt Katrin Lorenz, während Tochter Stefanie weiter unterrichtet.

Erfahrungen, die auch der Strehlaer Kinderarzt Reimar Kalkhof gemacht hat: „Die Kinder sitzen vorm Computer und verlieren den Bezug zur Umwelt.“ Der Reitunterricht erlaube dagegen Erfahrungen, die die virtuelle Welt niemals bieten könne. Deswegen wird in Strehla nicht mehr nur geritten – auch intensive Pferdepflege gehört zum Reitunterricht jetzt dazu. „Die Kinder sollen zum einen richtig auf Tuchfühlung mit den Tieren gehen und spüren, dass es sich um Lebewesen handelt, von denen jedes auch einen eigenen Charakter hat“, sagt Katrin Lorenz.

Und das ist wichtig. Denn nicht jedes Kind und jedes Pferd kommen miteinander klar, weiß Katrin Lorenz aus jahrelanger Erfahrung. „Wer zu wem passt, das findet man aber schnell heraus.“ Erst wenn das Duo aus Pferd und Reiter gut harmoniert, kann der Spaß im Sattel so richtig beginnen.

Und der soll die Kinder nicht nur in die Realität zurückholen, sondern sie auch körperlich in Schwung bringen: „Viele junge Leute leiden unter Bewegungsarmut“, berichtet nicht nur Arzt Reimar Kalkhof aus seiner Praxis. Auch die Strehlaer Physiotherapeutin Uta Lösche hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Reiten könne dagegenwirken. „Es sorgt für Muskelaufbau, langfristig für eine gerade Körperhaltung und fördert außerdem den Gleichgewichtssinn“, ist sie überzeugt. Denn im Sattel muss die Bewegung des Tieres mitgemacht oder dagegen gesteuert werden.

Dass etwas dran ist, zeigt der Blick hinüber zu Rosa, die inzwischen auf Satan im sportlichen Galopp unterwegs ist – der schnellsten möglichen Gangart. Konzentriert schaut das blonde Mädchen nach vorn, die Zügel hält es fest umklammert, sein Körper ist angespannt. Verkrampft wirkt Rosa aber nicht. „Gut so“, lobt Lehrerin Stefanie Lorenz.

Neben dem Körper will „Lola’s Ponyland“ aber auch etwas fürs Köpfchen bieten. Denn Reiten und das Drumherum sind auch gut für den Geist, sagt Erzieherin Anja Wilhelm, die Dritte im Bund der Experten. „Wenn die Kinder sich um das Tier kümmern müssen, lernen sie, sich zu konzentrieren.“ Verantwortung für das Tier zu haben, das steigere außerdem das Selbstwertgefühl.

Piraten und Detektive

Schwung und Abwechslung in den neuen Unterricht bringt außerdem eine monatliche Themenwoche. Die Mädchen und Jungen können sich dann wie Indianer, Detektive oder Zirkusartisten fühlen. Allzu viel verraten will Katrin Lorenz über die Inhalte aber nicht, um nicht alle Überraschungen vorweg zu nehmen.

Überrascht ist unterdessen Rosa. Denn ihre Reitstunde ist schon vorbei. Und auch ihre Mitstreiterinnen Alissa und Lisa müssen aus dem Sattel steigen. Sichtbar schweren Herzen begleiten die drei Mädchen ihre Pferde Satan, Indigo und Cyriano wieder zurück in den Stall. Noch ein Schulterklopfer und ein paar freundschaftliche Liebkosungen, dann verabschieden sich die Mädchen für heute endgültig von „ihren“ Ponys. Bis sie in wenigen Tagen wieder vereint über den Sand traben.

Weitere Informationen zum Konzept, Probestunden und weiteren Angeboten unter www.lolas-ponyland.de