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Eine Insel für gesunde Kartoffeln

Im Kreis Löbau liefen nach 1950 Versuche, wenig anfällige Sorten anzubauen. Die Bemühungen waren nicht frei von Rückschlägen.

Wenn Kartoffeln in die Erde gebracht wurden, war das früher anstrengende Knochenarbeit. Meist gebückt wurden die Knollen in die Furchen gelegt. Für Milderung sorgten fahrbare Pflanzloch-Geräte wie das zweireihige, das von einem Pferd gezogen wurde.
Wenn Kartoffeln in die Erde gebracht wurden, war das früher anstrengende Knochenarbeit. Meist gebückt wurden die Knollen in die Furchen gelegt. Für Milderung sorgten fahrbare Pflanzloch-Geräte wie das zweireihige, das von einem Pferd gezogen wurde. © :Sammlung Bernd Dreßler

Nichts geht über wohlschmeckende Kartoffeln. Es gibt zig Sorten, die Verbraucher haben die Qual der Wahl. Das setzt gesundes Pflanzgut voraus. Doch darum war es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gut bestellt. Kartoffelzuchtbetriebe, die anspruchsvolle Sorten herangezogen hatten, existierten nicht mehr. So gewannen auch in der Oberlausitz immer mehr die sogenannten abbaukranken Kartoffelsorten gegenüber den gesunden die Oberhand.

In den 1950er Jahren gab es verstärkte Bemühungen, dieses Ungleichgewicht zu beenden. "Wir müssen alles tun, um die jetzt zur Verfügung stehenden Sorten solange wie möglich gesund zu erhalten", unterstrichen im Herbst 1953 Experten der Deutschen Saatgut-Handelszentrale, die in Löbau eine Kreisniederlassung hatte. Dazu gehöre auch, dass man den Vermehrungsanbau von Kartoffeln in ein geschlossenes Gebiet lege, "um dadurch eine Gesundheitsinsel zu schaffen". Nur dort könne die Übertragung von Kartoffelkrankheiten (genannt wurde vor allem die Pfirsichblattlaus) von kranken auf gesunde Stauden auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Im damaligen Kreis Löbau war dafür ein weiträumiges Gebiet rund um den Kottmar mit den Gemeinden Großschweidnitz, Ebersdorf, Ottenhain, Obercunnersdorf, Eibau, Ruppersdorf, Rennersdorf, Großhennersdorf, Oberoderwitz, Ebersbach, Friedersdorf, Neusalza-Spremberg und Dürrhennersdorf vorgesehen. Hier erhoffte man sich klimatisch die besten Voraussetzungen für einen gesunden Anbau. 

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Bauern bzw. Landwirtschaftsbetriebe, die in diesem Gebiet Pflanzkartoffeln anbauten, wurden in Theorie und Praxis geschult. Habe bei früheren Schulungen die Kreisvolkshochschule Zittau wertvolle Unterstützung gegeben, erwarte man sie nun auch von der Kreisvolkshochschule Löbau, verlautete es aus der Löbauer Saatgut-Niederlassung. Zudem erarbeitete man einen Saatguterzeugungsplan, auf dessen Grundlage Verträge mit den "Kartoffel-Vermehrern" abgeschlossen wurden.

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Diese Bemühungen um gesunde und stabile Kartoffelsorten brauchten einen langen Atem. Und sie waren nicht frei von Rückschlägen. So herrschte 1956 akuter Pflanzkartoffelmangel, da es 1955, auch wetterbedingt, eine schlechte Ernte gegeben hatte. Die Dimension dieses Mangels verdeutlichte Mitte April eine Bekanntmachung des Löbauer Bürgermeisters: "Die Einwohnerschaft wird ersucht, ihre Einkellerungsbestände umgehend zu überprüfen und die Kartoffeln, die nicht unbedingt benötigt werden, abzuliefern." Dazu wurden im Stadtgebiet Annahmestellen eingerichtet, meist von der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG). Sogar sonntags waren sie geöffnet. Geld gab es sofort auf die Hand, pro Doppelzentner 13,80 Mark. Auch kleine Mengen würden zur restlosen Bestellung der geplanten Anbauflächen beitragen, betonte der Bürgermeister. In einigen Dörfern wurden Sammelaktionen organisiert. So kamen in Cunewalde 60 Zentner zusammen, in Oberoderwitz brachte es ein Rentner als Straßenvertrauensmann allein auf 8,5 Zentner.

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