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Döbeln

Gesundes Misstrauen schützt vor Betrügern

Der Enkeltrick funktioniert immer wieder. Auch falsche Polizisten rufen an. Dann hängen die Opfer ihr Geld auch mal an den Gartenzaun.

Andreas Pforte von der Polizeidirektion Chemnitz hat über die Tricks der Betrüger gesprochen.
Andreas Pforte von der Polizeidirektion Chemnitz hat über die Tricks der Betrüger gesprochen. © Jens Hoyer

Döbeln. Erst im Mai hatte es eine 69 Jahre alte Frau in Döbeln erwischt. Sie war auf den sogenannten Enkeltrick hereingefallen. Der vermeintliche Sohn hatte angerufen und nach Geld gefragt. Er brauchte kurzfristig 20 000 Euro, weil er an einer Versteigerung teilgenommen hatte. Ein „Sicherheitsbeauftragter“ holte das Geld ab. Meistens sehen die so übertölpelten Senioren davon nichts wieder.

Dieses Negativbeispiel hatte Andreas Pforte vom Fachdienst Prävention der Polizeidirektion Grimma in eine Info-Veranstaltung der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt mitgebracht. Es ist nicht nur der Enkeltrick, mit dem sich Kriminelle an das Geld argloser Menschen heranmachen. Da gibt es falsche Gewinnversrechen, bei denen von den Opern hohe Gebühren verlangt werden. Manche Betrüger geben sich auch als Polizisten aus, die vor vermeintlichen Einbrechern warnen und den verunsicherten Menschen ihr Geld abnehmen. Pforte nimmt das fast schon persönlich. „Das kratzt an der Berufsehre und beschädigt das Vertrauen in die Polizei“, sagt er.

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Die Betrügereien beginnen in der Regel immer mit einem Telefonanruf. Die Betrüger suchen sich Opfer aus, deren Namen auf ältere Personen schließen lassen. Die Nummern stammen auch aus alten Telefonbüchern und von Telefonnummern-CDs. Irgendwann stoßen die Täter auf ein Opfer und nutzen dessen Schwächen aus. Die Anrufer sind wortgewandt und geschult. Wenn erst einmal ein wehrloses Opfer gefunden ist, wird es immer wieder angerufen und damit Druck aufgebaut. Oft zahlen die Opfer mehrmals hohe Summen, holen Bargeld von der Bank oder kaufen sogenannte Paysafe-Karten an Tankstellen. „Deren PIN-Nummer ist wie Bargeld“, sagte der Polizist.

Oft beginnt das Gespräch mit: „Rate mal, wer dran ist.“ Pforte gibt einen Tipp: „Wir raten gar nicht am Telefon. Wenn der Trick nicht funktioniert, legen die Betrüger auf.“ Gesundes Misstrauen sei angebracht. „Beenden Sie bei Geldforderungen sofort das Gespräch“, sagt der Polizist. „Stellen Sie dem Anrufer Fragen, die nur der Verwandte wissen kann.“ Wer sich unsicher ist, sollte unter einer bekannten Nummer den Verwandten zurückrufen. „Wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt, informieren Sie die Polizei unter 110.“

Pforte machte klar, dass die Nummer 110 ein reiner Notruf ist. Wenn dagegen die Polizei jemanden anruft, erscheint niemals die 110 im Display des Telefons. Solche Nummern können ohne große Probleme vorgetäuscht werden, um das Misstrauen der Leute einzulullen. Die Anrufe von falschen Polizisten ist ein weiteres Betrugsphänomen. Die gaukeln den Opfern vor, dass ihre Adresse auf einer Liste von Einbrechern aufgetaucht ist oder dass jemand ihr Konto plündern will. Die Angerufenen werden aufgefordert, ihr Geld und die Wertgegenstände der Polizei zu übergeben. „Die Leute hängen sogar Geld und Wertsachen in einem Beutel an den Gartenzaun“, sagte Pforte. Er machte klar: „Die Polizei sammelt nicht das Geld der Leute ein, nur weil in der Nachbarschaft eingebrochen wurde.“

Der Döbelner Revierleiter Andrée Wagner ist am Montag in der Geschichtswerkstatt der TAG Wohnen, Zwingerstraße 2 zu Gast. Er spricht ab 16.30 Uhr über die Kriminalitätsentwicklung in Döbeln und über die Tricks der Betrüger.

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