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„Gesundheit ist keine Ware“

In Kliniken sollte es um Gesundheit gehen, nicht um Gewinn, meint Marika Tändler-Walenta. Sächsische.de sprach mit der Linken-Politikerin.

Marika Tändler-Walenta hat Diplom-Soziologie studiert und sitzt seit Oktober 2019 für die Linken im Sächsischen Landtag.
Marika Tändler-Walenta hat Diplom-Soziologie studiert und sitzt seit Oktober 2019 für die Linken im Sächsischen Landtag. © privat

Als Landtagsabgeordnete hat sich Marika Tändler-Walenta (Die Linke) auch für Hilfen neben Krediten eingesetzt. Doch der Vorschlag wurde abgelehnt. Mit Sächsische.de sprach die Roßweinerin auch über ihr aktuelles Hilfsprojekt für die Region.

Wie hat sich Ihr beruflicher Alltag in der Corona-Krise verändert?

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Mein beruflicher Alltag hat sich sehr stark verändert, jedoch nicht so stark wie in den am meisten betroffenen Berufsgruppen. Mich haben zahlreiche Anrufe und E-Mails erreicht, insbesondere von Selbstständigen aus dem Landkreis Mittelsachsen. Auch Anfragen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe hat es gegeben, allen voran von Erzieherinnen im Kita- und Hortbereich. Die Unsicherheit ist groß und es gibt viele Fragen. Da wir als Linke im Sächsischen Landtag die Opposition darstellen, weisen mich viele auf Nachbesserungsbedarf in den bisherigen Hilfsprogrammen hin.

Wie schützen Sie sich jetzt selbst?

Selbstverständlich vermeide ich direkte Kontakte, wo möglich. Ich habe mich beruflich und privat auf Onlinekommunikation und Telefonkonferenzen umgestellt.

Was macht Ihnen aktuell Angst?

Für mich ist es besonders wichtig, dass diese Krise nicht missbraucht wird, um Demokratie abzubauen. Wenn ich nach Ungarn schaue und feststelle, dass in einem Land der EU ein Vollmachtsgesetz durchgesetzt wurde, erschreckt mich das. Victor Orbán kann per Dekret ohne parlamentarische Beteiligung im Alleingang entscheiden. Das ist Selbstabschaffung des Parlaments.

Welche Folgen wird die Krise aus Ihrer Sicht für Sachsen und den Landkreis Mittelsachsen haben?

Es sollte nun endlich allen durch diese Krise klar geworden sein, dass Gesundheit keine Ware ist. Ein Krankenhaus muss in erster Linie für Gesundheit sorgen und nicht für Gewinn. Daher schlagen wir als Linke bereits jetzt konkrete Maßnahmen vor, wenn die Krise überwunden ist, wie zum Beispiel eine Privatisierungsbremse. Ohne Volksentscheide keine Privatisierungen mehr von Einrichtungen der Daseinsvorsorge, die der Allgemeinheit dienen.

Wie werden Freistaat und Landkreis diese Krise meistern?

Für uns als Oppositionskraft im Sächsischen Parlament gilt, dass Krisenzeiten, Zeiten des Zusammenhalts sind, daher unterstützen wir grundlegende Maßnahmen, die von der Staatsregierung getroffen werden. Gleichzeitig müssen wir aber auch darauf hinweisen, dass nicht alle Maßnahmen immer alternativlos sind. Wer sagt, vor dem Corona-Virus seien alle gleich, täuscht sich. Es gibt eine Hierarchie der Not, sowohl was das Infektionsrisiko, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen aber auch die gesellschaftlichen Beschränkungen angeht. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen, bei Polizei oder Feuerwehr, in der Logistik- und der Transportbranche haben ein höheres Risiko, sich anzustecken. Viele Menschen mit geringem Lohn oder Selbstständige stehen vor Existenzängsten und hatten nie Gelegenheit, einen Notgroschen zur Seite zu legen.

Welche Unterstützung gibt es vonseiten des Freistaates für die von der Krise am schwersten Betroffenen?

Die Angebote sind umfangreich und vor allem schnell, zum Beispiel werden die Darlehen durch die Sächsische Aufbaubank schnell bewilligt und überwiesen. Aber auch hier zeigen sich Lücken. In allen Bundesländern gibt es Zuschüsse des Landes für Kleinst- und Kleinunternehmen beziehungsweise Selbstständige und freiberuflich arbeitende Menschen. In Sachsen gibt es bisher nur Kredite. Als Landtagsfraktion haben wir bereits im Wirtschaftsausschuss einen dementsprechenden Antrag vorgelegt, der leider durch die Koalitionsparteien abgelehnt wurde.

Was können Sie in Ihrer politischen Funktion derzeit für die Bürger tun?

Gegenwärtig bieten wir einen Lieferdienst für den Raum Döbeln und Mittweida an. Menschen, die nicht mobil sind, können sich telefonisch unter 03431 710045 im Bürgerbüro Die Linke melden und werden von mir und meinem Team mittwochs und samstags mit den bestellten Lebensmitteln beliefert. Neu dazugekommen sind durch das Nähcafé Döbeln selbst genähte Comunity-Masken, welche wir an Menschen weitergeben, die unseren Einkaufsservice nutzen. Wenn Sie oder einer ihrer Angehörigen Hilfe benötigt, melden Sie sich, wir helfen Ihnen gern.  

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