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Kamenz

Zwangspause im Sportstudio  

Erst blieben aus Angst die Gäste weg, jetzt folgt die behördliche Schließung. Wie kommt ein kleines Unternehmen aus Pulsnitz damit klar?

Im Gesundheitszentrum Pulsnitz bei Frank Pfützenreuter (r.), Manuela Bischoff (l.) und Kay Pfützenreuter stehen alle Sportgeräte wegen der Corona-Epidemie still. Die Physiotherapie hat aber weiterhin geöffnet.
Im Gesundheitszentrum Pulsnitz bei Frank Pfützenreuter (r.), Manuela Bischoff (l.) und Kay Pfützenreuter stehen alle Sportgeräte wegen der Corona-Epidemie still. Die Physiotherapie hat aber weiterhin geöffnet. © Kristin Richter

Pulsnitz. Im Trainingssaal des Gesundheitszentrums Pulsnitz hat sich am Mittwochmorgen die erste Reha-Gruppe getroffen. Die drei Frauen haben viel Platz im Raum. Eine Dehnungsübung mit Trainerin Manuela Bischoff ist gerade angesagt. Im Normalfall sind es bis zu 18 Teilnehmerinnen. Die Kurse sind vom Arzt verordnet, zum Beispiel nach Operationen. Bewegung stärke das Immunsystem. Das sei gerade jetzt wichtig, sagt die Trainerin. Viele Patienten haben aber wohl Angst vor einer möglichen Ansteckung. Doch die drei Turnerinnen im Raum bleiben entspannt.

Es werde schon sehr auf Hygiene im Gesundheitszentrum geachtet, versichert Geschäftsführer Frank Pfützenreuter. Alle Trainingsutensilien und Sportgeräte würden nach dem Gebrauch desinfiziert. Pfützenreuter führt in den Trainingssaal mit den Sportgeräten im ersten Stock. Dort hängt eine Desinfektionsstation. Der Saal ist menschenleer, alles steht still. Das wird jetzt Dauerzustand bleiben - trotz Hygienevorsorge. 

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Frank Pfützenreuter blättert im Anmeldungsbuch. Bis Freitag sei alles normal gelaufen. Dann sei nicht nur in der Reha, sondern auch im Fitnessbereich die Besucherzahl eingebrochen. Von um die 130 Gästen täglich  auf 39 am Dienstag und jetzt auf Null, wenn am Mittwoch, 22 Uhr, geschlossen werden müsse. Es heißt  bis 20. April. Aber der Geschäftsführer glaubt nicht, dass es bis dahin ausgestanden ist. 

Am Telefon meistens Absagen

 Die Zwangspause betrifft zehn Mitarbeiter, 550 Mitglieder und 250 Reha-Sportler. Nur die Physiotherapie dürfe geöffnet bleiben.  Allein die könne die Verluste aber nicht annähernd kompensieren. Außerdem fürchtet der Chef dort ebenso einen Patienten-Rückgang. Nicht zuletzt, weil immer weniger Rezepte ausgestellt werden. Das Telefon klingelt, meist seien es jetzt Absagen.

Pfützenreuter hat Verständnis für die Vorsicht der Mitglieder und Patienten. Seine Kritik richtet sich an die Regierenden, insbesondere der CDU: „Die waren wochenlang nur mit sich selbst beschäftigt, mit ihren Kanzlerkandidaten, statt sich schon eher mit dem Virus zu beschäftigen und in weiser Voraussicht zu handeln." Auch jetzt sei zu lange unklar gewesen, wie es weitergeht. Andere Ministerpräsidenten hätten sich eher geäußert als der sächsische.

Lohneinbußen unvermeidlich

Für Donnerstag 13 Uhr hat Frank Pfützenreuter eine Belegschaftsversammlung für das kleine Unternehmen angekündigt. Als solches sei man - wie viele andere - besonders hart betroffen. 2019 sei das beste Jahr der Firmengeschichte gewesen, 2020 ist das 25. Unternehmensjahr. Doch statt zu feiern könnte es das schwärzeste Jahr werden, für den Chef und die Mitarbeiter.  Termine beim Anwalt und Steuerberater stünden an. Für die Mitarbeiter werde er Kurzarbeit null beantragen. Das bedeute natürlich Lohneinbußen. Aber es gebe keine andere Lösung.

Aber die Löhne seien auch nur die Hälfte der Kosten. Was werde nun mit dem Rest? Das habe ihm schon schlaflose Nächte bereitet: Miete, Nebenkosten, Versicherungen, Beiträge für Verbände oder Rechnungen von Vertragspartnern und Steuerabgaben: „Alles läuft weiter, ebenso wie Kredite.“ Er habe zum Glück eine Rücklage gebildet für Investitionen und schlechte Zeiten. Die sind jetzt angebrochen, aber das Ausmaß sei für ihn nicht absehbar: „Ohne Einnahmen können wir zusehen, wie das Polster schmilzt.“ Einige Wochen sei das vielleicht durchzuhalten, länger nicht. Vielleicht dauere die Krise Monate. Dann würden die Kosten in die Hunderttausende gehen. 

Und so manche Firma habe gar keine Rücklage. Zinslose Kredite, wie vom Staat angekündigt, seien keine Hilfe, um so eine Notlage zu überbrücken. Da müssten Zuschüsse fließen, sonst komme eine Insolvenzwelle. Er sehe auch die Verantwortung für die Mitarbeiter, hinter jedem stehe eine Familie, wie bei Manuela Bischoff, mit Mann und zwei Kindern. Es sei eine große Unsicherheit. Frank Pfützenreuter kann die nur bedingt dämpfen : „Ich will niemandem kündigen.“ Zugleich sei die Ungewissheit groß: „Ich weiß nicht, was nach Corona noch von unserer Firma übrig ist. Irgendwann wird es betriebswirtschaftlicher Wahnsinn.“

Wie die Mitglieder helfen können

Der Geschäftsmann will nun mit den Mitgliedern in Kontakt treten. Letztlich stehe ja die Existenz des Gesundheitszentrums auf dem Spiel. Er wolle den Mitgliedern ein Zeitguthaben anbieten. So könnten sie in besseren Zeiten nach der Krise trainieren, ohne zu zahlen – wenn sie jetzt zur Stange halten, nicht sofort kündigen und dem Fitnessstudio die Treue halten. So könnten sie ihrem Studio helfen: „Jede Einnahme hilft, einen Tag länger zu überleben.“ Inzwischen stehen zwei Männer für den nächsten Reha-Kurs am Tresen, wohl letztmalig für längere Zeit. Den übernimmt jetzt Manuela Bischoff für ihre Kollegin Ramona Pfützenreuter. Sie muss sich um die Enkel kümmern. Schulen und Kitas sind ja bereits geschlossen. 

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