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Riesa

Gewächshäuser aus Kunststoff

Ein Visionär will mit neuen Werkstoffen den Energieverbrauch senken. Doch Investoren glauben ihm nicht.

Der Geschäftsführer der Dresdner Alextan Spezialglas GmbH, Wolfgang Schuster, will in Nossen ein Modell-Gewächshaus aus besonderem Kunststoff bauen. Das soll weit weniger Energie benötigen als herkömmliche Gewächshäuser.
Der Geschäftsführer der Dresdner Alextan Spezialglas GmbH, Wolfgang Schuster, will in Nossen ein Modell-Gewächshaus aus besonderem Kunststoff bauen. Das soll weit weniger Energie benötigen als herkömmliche Gewächshäuser. ©  Claudia Hübschmann

Nossen/Leckwitz. Zehnmal zehn Zentimeter groß ist die kleine Kunststoffscheibe, die Wolfgang Schuster, Geschäftsführer der Alextan Spezialglas GmbH mit Sitz in Dresden, in den Händen hält. Dabei handele es sich nicht um einfaches Glas oder Plexiglas, es ist ein ganz besonderes. 

„Unser Spezialglas hat einen rein natürlich-biologischen Ursprung“, sagt er. Zudem habe es hervorragende Eigenschaften, „es ist extrem hart, dehnt sich fast nicht aus, brennt nicht und speichert nicht die Wärme wie Glas.“ Zudem sei es gesundheitlich unbedenklich, werde in der Medizin als Knochenersatz oder für Spritzen eingesetzt.

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Die vielen guten Eigenschaften dieses speziellen Kunststoffes will der gelernte Maschinenbautechniker und CNC-Programmierer seit Jahren auch anderweitig nutzen. Er meint, in dem Glas stecke ganz viel Potenzial. Allein die Investoren fehlen bisher.

Er will Skeptiker überzeugen

Der Kunststoff ist nicht neu. Vor 30 Jahren wurde er laut Schuster entwickelt. Und seit 2003 versucht der gebürtige Augsburger, aus diesem Rohstoff Glasplatten für Solaranlagen und Gewächshäuser herzustellen. Gemeinsam mit einem Partner erwarb er bereits sechs Hektar Land im Nünchritzer Ortsteil Leckwitz, wo ein Solarpark unter Verwendung des besonderen Glases entstehen soll. 

Die Bauplanungen laufen noch. Ob und wann der Park steht, ist noch offen. Denn die Spezialglas-Platten seien viel teurer als herkömmliches Glas. Dass die Effizienz der Solarmodule am Ende viel größer sei und damit die Produktionskosten mehr als amortisieren würde, davon konnte Schuster noch kein Unternehmen überzeugen. Auch hat er bisher noch keine Firma gefunden, die bereit ist, große Spezialglasplatten herzustellen.

Rund fünf Tonnen des Rohgranulates hat der 53-Jährige eingelagert. „Diese reichen aus, um ein 1 000 Quadratmeter großes Gewächshaus aufzubauen“, sagt er. Und genau so eins will er jetzt in Nossen hinstellen. Dazu hat der Geschäftsmann das etwa 1 700 Quadratmeter große Grundstück in der Steinbuschstraße, nahe des Werkstoffhofes, gekauft. 

Mit diesem Modell-Gewächshaus möchte er mögliche Investoren und Skeptiker von seiner Idee überzeugen. „Viele denken, ich bin – wie man auf bayerisch sagt – einfach nur ein Dampfplauderer“, sagt Schuster. Was so viel wie Unsinnschwatzen bedeute.

Den Gemeinderat hat der Unternehmer überzeugen können. Denn dieser hatte im April in seiner Sitzung seinem Kaufwunsch zunächst nicht zugestimmt. Schuster sollte sich und sein Vorhaben erst vorstellen, bevor die Räte eine Entscheidung treffen. Diese fiel für den Unternehmer im Juli positiv aus. 

„Im Frühjahr 2020 wird das Gewächshaus stehen“, sagt er. Es werde aufgrund des Spezialglases und der Technik im Inneren Energieverbrauchskosten von nur maximal 500 Euro pro Monat haben, sagt Schuster. „Eher sogar viel weniger.“

Ein Verein soll den Beweis erbringen

Die Energiekosten für herkömmliche Gewächshäuser würden 12 000 bis 15 000 Euro pro Monat betragen. Weil dem Unternehmer bisher niemand glaubt, will er seine Angaben mit dem Muster-Gewächshaus nun beweisen. „Ich kämpfe um meine Glaubwürdigkeit.“

Den Bau des Musterhauses will er über den Verkauf eines kleinen Teils des Grundstückes in Leckwitz finanzieren. Er ist sich sicher, dass solche Gewächshäuser die Zukunft sind, gerade hinsichtlich Klimaschutz. Und dass in so einem Gewächshaus Gemüse auch gut wächst, will Schuster gleich mit beweisen. 

Deshalb verpachtet er es an den Verein Lebenshilfe Fortis Unum mit Sitz in Dresden, der sich um den Gemüseanbau kümmern soll. Falls Schuster keine Firma zum Herstellen der Glasplatten findet, will er doch noch selbst eine Produktionsstätte bauen. Vor hatte er es nie. Aber die soll dann auch in Nossen entstehen. Sein Plan: Eine eigene Produktion bis 2020 aus dem Boden zu stampfen.

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