merken
PLUS Dresden

Gewaltige Rohrtrasse in der Flutrinne

Ab Oktober wird das letzte Stück des Neustädter Hauptkanals saniert. Welcher Aufwand nötig ist, damit Sperrungen verhindert werden.

Rund 1,5 Kilometer lang wird die Ersatzleitung durch die Flutrinne.
Rund 1,5 Kilometer lang wird die Ersatzleitung durch die Flutrinne. © Marion Doering

Dresden. In der Kaditzer Flutrinne bietet sich ein neues Bild. Dort ist jetzt eine lange Rohrtrasse zu sehen. Sie ist nötig, damit es bei der Sanierung des letzten Abschnitts der rechtselbischen Dresdner Abwasser-Hauptschlagader zu keinen größeren Sperrungen kommt. Schon 110 Jahre fließt die braune Brühe durch den Neustädter Abfangkanal von der Prießnitzstraße bis zum Klärwerk Kaditz. Über drei Viertel der insgesamt 6,6 Kilometer langen unterirdischen Trasse sind saniert. Dafür hat die Stadtentwässerung rund 18 Millionen Euro investiert. Zuletzt war der Abschnitt auf der Kötzschenbroder Straße ab dem Ballhaus Watzke instandgesetzt worden. Das rund einen Kilometer lange Stück konnte im April dieses wieder freigegeben werden.

Kanalsanierer Jens Kindermann (l.) und Ralf Strothteicher, Chef der Stadtentwässerung, inspizierten im Januar dieses Jahrers die Wände im Neustädter Abfangkanal. Dort wurde ein großes Überlaufbauwerk an der Kötzschschenbroder Straße saniert. Im April ware
Kanalsanierer Jens Kindermann (l.) und Ralf Strothteicher, Chef der Stadtentwässerung, inspizierten im Januar dieses Jahrers die Wände im Neustädter Abfangkanal. Dort wurde ein großes Überlaufbauwerk an der Kötzschschenbroder Straße saniert. Im April ware © (c) Christian Juppe

Im Juni hatten die ersten Vorbereitungen zur Sanierung des letzten Abschnitts begonnen. Dabei handelt es sich um das 1,5 Kilometer lange Stück vom Beginn der Scharfenberger Straße an der Flutrinne bis zum Klärwerk Kaditz. Damit dies ohne große Verkehrseinschränkungen möglich wird, muss zuerst die 1,4 Meter hohe Ersatzleitung gebaut werden. Durch sie fließt das Abwasser während der Sanierung der alten, bis zu 2,5 Meter hohen Röhre. Eigentlich sollte die Leitung am Kaditzer Feuerwehrstandort vorbeiführen. Dort wäre aber eine Durchfahrtshöhe von mindestens vier Metern unter dem Rohr nötig gewesen. Da dies nicht möglich ist, wird über einen großen Umweg eine 2,6 Kilometer lange Ersatzleitung durch die Flutrinne und durchs Gelände der Kaditzer Faultürme zum Klärwerk gebaut. Damit ist sie einen guten Kilometer länger als der Sanierungsabschnitt.

Anzeige
Ihre Berufserfahrungen sichtbar machen
Ihre Berufserfahrungen sichtbar machen

Der neue „ValiKom Transfer“ - Alle Verfahren der IHK Dresden und Handwerkskammer Dresden wurden bisher erfolgreich beendet!

Im Klärwerk liegen die Rohre schon. Durch die blaue Leitung kommen die Abwässer der direkten Anlieger.
Im Klärwerk liegen die Rohre schon. Durch die blaue Leitung kommen die Abwässer der direkten Anlieger. © Foto: SZ/Peter Hilbert

Durch das gesamte Gelände des Kaditzer Klärwerks zieht sich beiderseits der Autobahn bereits die Rohrtrasse. Einerseits liegt ein braunes Stahlrohr, das einen Meter hoch ist, direkt denen verläuft eine etwa halb so dicke blaue Leitung. Auf dem Gelände der Schlammbehandlung an der Autobahn wird ein Pumpwerk errichtet, das das Abwasser durch die lange Leitungstrasse pumpt.

Die letzten Rohre in der Flutrinne müssen noch verschweißt werden.
Die letzten Rohre in der Flutrinne müssen noch verschweißt werden. © Marion Doering

In der Flutrinne wird die Leitung zwischen dem Beginn der Scharfenberger Straße und dem Klärwerk 1,5 Kilometer lang. „Davon sind schon 90 Prozent ausgelegt und 50 Prozent verschweißt“, erläutert Projektleiter Nytsch. Auf einer kürzeren Strecke verläuft noch eine blaue Leitung zum Klärwerk, durch die Abwässer der Anlieger der Scharfenberger Straße ab dem Parkplatzgelände an der Washingtonstraße zum Klärwerk entsorgt werden. Im September soll die Rohrtrasse fertig sein. Dann sind noch einige Vorarbeiten nötig, unter anderem die Beräumung von Flächen. Im Oktober beginnt die Sanierung des letzten Abschnitts des Neustädter Abfangkanals. Geplant ist, die Arbeiten bis Anfang 2022 zu beenden.

Die erste Baugrube an der Ecke Scharfenberger/Kaditzer Straße ist schon fertiggestellt.
Die erste Baugrube an der Ecke Scharfenberger/Kaditzer Straße ist schon fertiggestellt. © Marion Doering

Da mit einem besonderen Verfahren gearbeitet wird und die Ersatzleitung über eine andere Trasse führt, werden kaum größere Verkehrseinschränkungen nötig. Es müssen nur drei Baugruben ausgehoben werden, erklärt Nytsch. Die erste von ihnen ist bereits an der Ecke Scharfenberger/Kaditzer Straße fertig. Die tiefe Grube ist mit einem sogenannten Berliner Verbau aus Stahlträgern und Holzelementen gesichert. Ab 1. September beginnen die Arbeiten an der zweiten Baugrube auf dem Parkplatz an der Ecke Scharfenberger/Washingtonstraße, verweist Nytsch auf den nächsten Schritt.

Bei der Sanierung werden per Kran glasfaserverstärkte Kunststoffrohre eingehoben, die meistens drei Meter lang sind. Motorgetriebene Wagen werden sie unterirdisch aus den Baugruben in den alten Kanal bugsieren, wo sie letztlich zusammengefügt werden. So entsteht ein neuer dichter Kanal in der alten Abwasserröhre. Insgesamt investiert die Stadtentwässerung für das Großprojekt rund 10 Millionen Euro.

Würde der alte Kanal komplett auf herkömmliche Weise erneuert, müsste die gesamte Straße aufgerissen werden, um neue Betonröhren einzusetzen. Mit dem besonderen Verfahren war bereits der Neustädter Abfangkanal auf der Kötzschenbroder Straße saniert worden. Allerdings verlief dort die Abwasserleitung auf dem Geh- und Radweg direkt daneben, weshalb mehr Sperrungen nötig waren.

Mehr zum Thema Dresden