merken
PLUS

Gewerbepark-Pläne verunsichern die Ottendorfer

Die Gemeinde möchte das Projekt vorantreiben. Die Anwohner sind skeptisch. Dabei gibt es noch ein anderes Problem.

Von Marleen Hollenbach

Ottendorfs Bauamtsleiter Andreas Jäpel kann die Frage eigentlich schon nicht mehr hören. Er schüttelt mit dem Kopf, schaut zu Boden. Dann erwidert er noch einmal beinahe gebetsmühlenartig: „Nein, diese Pläne wirken sich wirklich nicht nachteilig auf die Anwohner aus.“ Mit einer kurzen Pause verleiht er den Worten Nachdruck. Diese Aussage stellt aber nicht jeden Ottendorfer zufrieden. Seit Anfang des Jahres beschäftigt sich die Gemeinde intensiv mit dem nördlichen Rand des Gewerbegebietes in Ottendorf-Okrilla. In jeder Sitzung des Gemeinderates schafft es das Thema auf die Tagesordnung. Immer wieder wird diskutiert, darüber gesprochen. Doch umso mehr Detailfragen gestellt werden, umso undurchsichtiger wird das Ganze. Nicht nur die Gemeinderatsmitglieder haben mittlerweile viele Fragezeichen. Auch die Anwohner wissen nicht mehr, was sie von den Plänen halten sollen. Was heißt denn eigentlich uneingeschränktes Gewerbegebiet? Was hat es mit dem neuen Lärmgutachten auf sich? Wird es noch lauter, wenn sich die Firmen erweitern dürfen? Die Anwohner sind verunsichert. So sehr, dass sie jetzt sogar Unterschriften sammelten. Doch während die Verwaltung bemüht ist, die Anwohner zu beruhigen, während Bauamtsleiter und Bürgermeister ihre beschwichtigenden Worte in jeder öffentlichen Sitzung wiederholen, werden die betroffenen Firmen langsam nervös. Für sie geht es bei dieser Debatte schließlich um alles. So auch bei der Firma von Uwe Bittner. Der Geschäftsführer der Umformtechnik-Firma Klein will nicht mehr warten. Die Firma plant eine Erweiterung, aber eben das ist gerade nicht möglich.

Anzeige
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage
Eine Pflegeimmobilie als Kapitalanlage

In Hainichen kann ab sofort sicher, sorglos und sozial wertvoll Geld angelegt werden.

Beschleunigen und gleichzeitig nichts überstürzen. Diesen Spagat muss die Gemeindeverwaltung bewältigen. Das weiß auch Bürgermeister Michael Langwald (parteilos). Obwohl die Ursache des Problems schon Jahre zurückliegt, muss es jetzt gelöst werden. Irgendwann wurden Firmen ins Gewerbegebiet hereingelassen, die sich nicht in einem eingeschränkten Gewerbegebiet hätten ansiedeln dürfen. Damit aber die Firmen jetzt nicht darunter leiden, müssen neue Festlegungen her. Und das geht nur, indem aus dem eingeschränkten ein uneingeschränktes Gewerbegebiet wird. Doch will man das Ottendorfer Gewerbegebiet verändern, muss auch die Lärmverteilung neu betrachtet werden. Derzeit wird ein Gutachten erstellt. Die Ergebnisse werden Ende des Jahres erwartet. Damit die Firmen in der Zwischenzeit nicht schalten und walten können, wie sie wollen, soll es eine Veränderungssperre geben. Ausnahmen sind dennoch möglich.

Noch Fragen? Ja, sagen die Anwohner. Damit sie Antworten darauf bekommen, lädt die Gemeinde die Betroffenen nächsten Donnerstag zu einer Runde ein. Dann, so hoffen die Verwaltungsmitarbeiter, können sie den Anwohnern die letzten Sorgen nehmen. Diesen Schritt begrüßt auch Gemeinderat Thomas Liebke (FDP). „Nur wenn wir den Anwohnern zeigen können, was sich ändert und was nicht, können wir sie beruhigen“, sagt er. Auch Gemeinderat Mirko Thomas (CDU) spricht sich für eine solche Runde aus. Die McDonald's-Diskussion beim Ottendorfer Ortschaftsrat hätte gezeigt, wie sinnvoll ein Gespräch mit den Anwohnern ist. So weit herrscht Einigkeit unter den Gemeindevertretern. Doch so wichtig die Meinung der Betroffenen auch ist: Viele Diskussionen halten das Verfahren auch auf. Darauf machte Ottendorfs Kämmerin Manuela Bräunig aufmerksam. „Wir können prüfen, prüfen und prüfen. Aber die Verwaltung braucht auch von den Gemeinderäten ein klares Signal, dass wir das Verfahren vorantreiben wollen“, sagte sie. Denn über eine wichtige Sache wurde bisher nur am Rande diskutiert.

Wer die Kosten des Projektes trägt, ist noch unklar. In diesem Jahr können alle Planungsleistungen bezahlt werden. Aber schon 2015 fehlen 150 000 Euro, damit das Projekt zum Abschluss kommen kann. „Das können wir natürlich nicht aus der Portokasse zahlen“, sagt Langwald. Gespräche mit dem Landratsamt laufen.

Das Gespräch findet am 24.04. in der Gaststätte „Zwei Linden“ statt. Anwohner werden informiert.