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Gewerkschaft kehrt zurück nach Riesa

Strukturen. Seit Beginn des Monats ist im Riesaer Gewerkschaftshaus in der Goethestraße wieder ein ständiger Ansprechpartner da.

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Von Thomas Riemer

Das Gewerkschaftsleben lässt Michael Brunner nicht los. Bis 2002 selbst Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), schlüpft er seit ein paar Tagen in eine neue Rolle. Über Dienstleistungsverträge wird er künftig Ansprechpartner im Gewerkschaftshaus an der Goethestraße in Riesa sein. Sozusagen ein Kompetenzzentrum aufbauen. Dort wird er insbesondere für den DGB, die IG Metall, die IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) sowie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die allgemeine soziale Beratung von Mitgliedern, aber auch nicht in der Gewerkschaft organisierten Menschen da sein. „Ich bin aber keine Konkurrenz für Anwälte“, grenzt Brunner seinen Wirkungsbereich sofort ein.

Der Schritt hat einen tieferen Sinn. Denn die Gewerkschaften – nicht nur in Sachsen – haben eine Durststrecke hinter sich. Die Strukturen wurden in den letzten Jahren gravierend geändert, jedoch nicht mit dem gewünschten Erfolg. So ging zum Beispiel bei der IG Metall die Fusion zur Verwaltungsstelle Riesa-Finsterwalde gründlich schief. Es ging bis zu einem Rechtsstreit um die Entlassung des Finsterwalder Bevollmächtigten Hans-Harald Gabbe durch die Zentrale der IG Metall. Künftig werden die Metaller aus dem Elbland wieder aus Dresden und Riesa betreut. „Die Gewerkschaften wollen wieder in der Fläche präsent sein und dürfen sich nicht weiter von den Mitgliedern entfernen“, sagt auch Michael Brunner zur „Rolle rückwärts“ der Gewerkschaften. Deshalb sei es sehr positiv, dass auch Verdi jetzt in Riesa präsent ist. „Wir wollen wieder in die Betriebe“, hatte Frank Fischer, Bezirksgeschäftsführer von Verdi, schon zu den Feierlichkeiten zum 1. Mai in Riesa angekündigt. Und Kompetenz vor Ort für die anstehenden Probleme, die zum Beispiel durch den „Schnellschuss“ Hartz IV aufgetreten sind.

Jeden Dienstag soll es deshalb künftig einen Verdi-Sprechtag im Riesaer Gewerkschaftshaus geben. An den anderen Wochentagen wiederum steht Michael Brunner Rede und Antwort. Ein großer Anspruch sei das für ihn, schließlich müsse er sich in sehr vielen Dingen auskennen, wenn er die Besucher nicht vertrösten will.

Tarifrecht, Kündigungsschutz, Hartz IV – diese Themen werden auch unter dem Aspekt des nahenden Bundestagswahlkampfes wohl eine wichtige Rolle spielen. Zwar sei auch im Elbland der befürchtete ganz große soziale Einbruch durch die Einführung des Arbeitslosengeldes II ausgeblieben. Aber es gebe noch immer zahlreiche falsche und nicht nachvollziehbare Bescheide für Betroffene. Ebenso gebe es viele zeitliche Rückstände bei der Bearbeitung von Widersprüchen zu verzeichnen, so Brunner.

Der Verdi-Umzug von Meißen nach Riesa habe sich bereits ausgewirkt. Zwar sei die Zuständigkeit für den Bereich Riesa-Meißen-Großenhain geblieben. Aber der immer wieder beklagte Mitgliederschwund ist inzwischen relativ stabilen Gewerkschafterzahlen gewichen. „Verdi gewinnt zum Beispiel zahlenmäßig schon wieder“, so Brunner. Und er führt das unter anderem auf die neuerliche Konzentration in Riesa zurück. Positiv sei auch das: „Es gibt endlich wieder einen politischen Partner vor Ort.“ Ein Pfund, mit dem die Gewerkschaften ganz sicher auch im bevorstehenden Wahlkampf punkten wollen und können.

Kontakt: 03525/51 47 90