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PLUS Wirtschaft

Weniger Schwund in Sachsens Gewerkschaften

Seit Jahren sinkt die Zahl der Mitglieder – doch zuletzt deutlich langsamer. Bei der Jugend gibt es sogar ein Plus.

Im März wurde bei Develey in Bautzen gestreikt - eines der Unternehmen in Sachsen, in dem die Gewerkschaft stark vertreten ist.
Im März wurde bei Develey in Bautzen gestreikt - eines der Unternehmen in Sachsen, in dem die Gewerkschaft stark vertreten ist. © SZ/Uwe Soeder

Die DGB-Gewerkschaften in Sachsen können ihren seit Jahren anhaltenden Mitgliederschwund deutlich abbremsen. Wie die SZ vom Landesbezirk erfuhr, zählten die acht Einzelgewerkschaften Ende vergangenen Jahres noch gut 261.000 Mitglieder, knapp 3.000 weniger als 2018. Im Jahr zuvor war der Verlust mit 5.800 Abgängen noch fast doppelt so hoch gewesen.

„Die Alterspyramide der Gesellschaft zeigt sich auch bei unserer Mitgliedschaft“, sagt Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach. „Viele verlieren wir leider mit dem Eintritt ins Rentenalter, und das gleicht sich im Moment mit den Neuaufnahmen junger Menschen noch nicht aus“, sagt er. Immerhin gebe es ein Plus bei den bis 27-Jährigen, bei Studenten und Lehrlingen. 

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Nur die Polizei-Gewerkschaft wächst

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bleibt mit 88.903 Mitgliedern größte Einzelgewerkschaft im Freistaat, gefolgt von der IG Metall mit 87.709 Beitragszahlern, die ihr aber wegen geringerer Verluste näher kommt. Die IG Bergbau, Chemie, Energie rangiert mit 28.267 Angehörigen auf Platz drei. Die Gewerkschaft der Polizei wächst seit Jahren gegen den Trend und hat jetzt 8.262 Mitglieder.

Der DGB ist die größte Dachorganisation von Gewerkschaften in Deutschland mit fast sechs Millionen Mitgliedern. Ferner gibt es 41 Interessenvertretungen von Beschäftigten, die – wie die Lokführergewerkschaft GDL – beim DBB Beamtenbund und Tarifunion organisiert sind, 13 Organisationen des Christlichen Gewerkschaftsbundes (CGB) und gut 50 Berufsverbände.

Freistaat ist unterrepräsentiert

Dem sächsischen Landesbund des DBB liegen nach eigenem Bekunden keine Mitgliederzahlen vor. Der stellvertretende Landesvorsitzende Michael Jung verweist gegenüber der SZ auf die Websites der 37 Einzelgewerkschaften und Berufsverbände.

Auch der CGB hat keine aktuellen Angaben für Sachsen, wohl aber die für 2018. Danach gab es dort in Jahresfrist ein Plus von 3,4 Prozent auf 9.284 Mitglieder. CGB-Generalsekretär Christian Hertzog spricht von einem „erfreulichen Wachstum gegen den Bundestrend“. Dennoch sei der Freistaat bei insgesamt gut 270.000 Mitgliedern unterrepräsentiert.

Nicht einmal jeder fünfte Betrieb

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„Uns fehlt ein starker Arbeitgeberverband als Partner“, moniert DGB-Landeschef Schlimbach. Der Organisationsgrad dort ist unklar, die Vereinigung der sächsischen Wirtschaft macht keine Angaben zu ihrer Mitgliederentwicklung. Es gebe keine vollständige Statistik, heißt es von der Dachorganisation, auch weil die Verbände teils länderübergreifend agierten.

Sachsen hat bundesweit die geringste Tarifbindung. Nicht einmal jeder fünfte Betrieb regelt mit den Gewerkschaften Löhne, Arbeitszeit und -bedingungen.

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