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Gewerkschaft stürmt den Steinbruch

Oberottendorf. Erst „Flop“, jetzt Top? Bei der Firma Sutter soll jetzt ein Betriebsrat gegründet werden.

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Von Christian Eißner

Lkw-Stau vor dem Steinbruch Oberottendorf: Die Fahrer der Oberottendorfer Transport- und Logistik GmbH dürfen nicht aufs Gelände. Denn dort steht Gewerkschaftssekretär Werner Seifert und will mit ihnen sprechen. So geschehen am 21. August zur Feierabendzeit. Ein „vor Wut schnaufender Oberaufseher“ habe kurzerhand die Zufahrt gesperrt, damit Gewerkschaft und Arbeiter nicht zueinander finden, erzählt Seifert.

Nach einer halben Stunde Auseinandersetzung mit der Steinbruch-Leitung sei er dann gegangen, damit die Fahrer ihre Laster abstellen und Feierabend machen konnten. Er wollte sie eigentlich nur zu einem Mitarbeiter-Stammtisch einladen, um über betriebliche Mitbestimmung zu sprechen. Bei der Firma Sutter, zu der die Oberottendorfer Transport-GmbH als Tochterunternehmen gehört, hatte er da ganz schlechte Karten: „Sutter hat seine Angestellten massiv unter Druck gesetzt: Bloß keine Gewerkschaften“, sagt Seifert. Die „Zustände“ bei Sutter seien ihm seit 1996 bekannt: „Es war einfach nicht möglich, einen Betriebsrat zu gründen.“ Und das bei einer Firma mit über 200 Mitarbeitern. Dass er jetzt ausgerechnet an die rund 60 Mitarbeiter der Transport-GmbH heran wollte, war kein Zufall. Nach Angaben der IG Bau bekommen die Lkw-Fahrer dort rund 6,50 Euro Stundenlohn – das wären 2,30 Euro weniger als der Mindestlohn auf dem Bau. Laut Tariftabelle sollte ein Bau-Kraftfahrer in den neuen Bundesländern sogar 11,90 Euro verdienen. „Was Sutter hier in Oberottendorf macht, ist verwerflich und sittenwidrig“, wettert Werner Seifert. Deshalb verlieh die IG Bau der Firma den „Flop“, eine Negativ-Auszeichnung für Tarifbrecher. Mit Aufklebern wurde die „Ehrung“ öffentlich gemacht.

Den Mitarbeiter-Stammtisch hat Seifert, ein stämmiger Typ, der sich nicht so leicht abwimmeln lässt, inzwischen organisiert. Und plötzlich ist einiges in Bewegung gekommen bei der Sutter GmbH. Am Donnerstag soll es mit allen Beschäftigten eine Betriebsversammlung geben, bei der über die Wahl eines Betriebsrats beraten wird.

Dieser Wandel geht zum einen auf den Druck der Gewerkschaft zurück, zum anderen aber auch auf Veränderungen im Unternehmen selbst. Seit Anfang August ist Sutter kein Radeberger Familienbetrieb mehr. Firmeninhaber Horst Sutter und seine beiden Söhne hatten ihre Anteile an die Firma Eurovia verkauft, einem internationalen Baukonzern, der in Deutschland rund 110 Niederlassungen hat.

Eurovia versprach gegenüber der SZ, den Schwierigkeiten auf den Grund zu gehen. „Eurovia verwehrt keine Betriebsratsgründungen“, versichert Bernd Lange, neuer Geschäftsführer der Sutter GmbH im Eurovia-Konzern. Wenn es Probleme bei Sutter oder speziell in Oberottendorf gegeben habe, werde man diese aufarbeiten, sagt der neue Chef. Ein Gespräch zwischen Geschäftsführung und IG Bau sei bereits für Anfang Oktober vereinbart. Mit Eurovia habe man bisher gute Erfahrungen gemacht, bestätigt Gewerkschaftssekretär Seifert: „Es geht nicht darum, Gräben zwischen Mitarbeitern und Unternehmensführung zu ziehen. Die Arbeitnehmer sollen einfach ihre Mitbestimmungsrechte einfordern.“