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Gezerre um eine Million fürs Bootshaus

In Radebeul werden Neubaugelder der Aufbaubank nicht abgerufen, weil sich die Verantwortlichen streiten.

© André Wirsig

Von Peter Redlich

Radebeul. Wo gibt es einen ähnlich schönen und in seinen Möglichkeiten noch lange nicht ausgereizten Elbestandort, wie beim Bootshaus in Kötzschenbroda? Der das fragt, Winfried Lehmann (CDU), ist gerade von Dresden nach Radebeul ins Amt als Zweiter Bürgermeister gekommen. In Dresden unterstand ihm der Stadtsport. Lehmann: „Vergleichbar mit dem Bootshaus in Radebeul ist nur noch das in Loschwitz – mit seinen Veranstaltungen wie dem Drachenbootrennen in ganz Deutschland bekannt.“

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Auch am historischen Bootshaus sind Schäden entstanden.
Auch am historischen Bootshaus sind Schäden entstanden. © André Wirsig

Doch Radebeuls Bootshaus, betrieben vom Verein SSV Planeta, nimmt gerade genau die gegenteilige Entwicklung. Im Juni 2013 mit dem Elbehochwasser abgesoffen, zeigte sich anschließend, dass die 1974 gebaute Bootshalle statisch zermürbt ist. Kaputt waren auch die Sanitär- und Umkleideanbauten am historischen Bootshaus. Bis jetzt ist beides noch nicht wieder hergerichtet. Die Fördermittel sind nicht abgerufen. Im Hintergrund schwelt, so Insider, ein Streit zwischen Verantwortlichen in der Baubehörde und Stadträten.

Den Verein unterstützen

300 000 Euro gab es von der Versicherung. 215 000 Euro sind davon noch übrig, weil von der Stadt Container als Ersatz für Toiletten und Umkleide aufgestellt worden sind, die reichlich teuer waren.

Das große Geld wurde jedoch bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) für die Bootshalle beantragt. Dass sich die Baubehörde dabei von der SAB erst sagen lassen musste, dass das nicht die Stadt beantragen kann, sondern der Verein tun muss, weil er Mieter der Stadtimmobilie ist, war nur das Vorspiel. Als im September 2014 der Verein nachfragte, wie es um die Fördermittel bestellt ist, kam die Peinlichkeit aus dem Baudezernat an die Oberfläche. OB Bert Wendsche (parteilos) beauftragte die städtische Besitzgesellschaft, den Verein beim Beantragen der Gelder zu unterstützen.

Dabei stellte sich jedoch heraus, dass nicht die aufgerechneten 1,9 Millionen Euro als Aufbaugeld von der Bank anerkannt werden, sondern nur 1,1 Millionen Euro, wenn davon ein Fünftel Eigenmittel fließt. Im Klartext: Es gibt nur rund 900 000 Euro. Dazu die verbliebene Versicherungssumme von 215000 Euro gerechnet, müssten Verein oder Stadt 700 000 Euro zuschießen. Das kann der Verein nicht, die Stadt ist damit auch überfordert.

Beide Vorschläge abgelehnt

Die mit der Kostenberechnung und den Bauentwürfen beauftragten Radebeuler Architekten Dirk Georgi und Frank Mehnert setzten sich also erneut an den Computer und entwarfen, nach vorgegebenen Maßen aus der Baubehörde, neue Möglichkeiten. Erst für 1,6 Millionen Euro, zuletzt für 1,3 Millionen Euro. Der Grundgedanke dafür: Zu ebener Erde wird die Bootshalle mit massiven Fundamenten hochwassersicher gebaut, darauf sollen dann die nicht gefährdeten Sanitäreinrichtungen, Umkleide und Kraftraum errichtet werden.

Beide Vorschläge wurden in der Baubehörde abgelehnt, heißt es in der SZ zur Verfügung gestellten Papieren. Zusätzlich sei das Gerücht gestreut worden, hier gehe es um die Förderung von „Segeljacht-Millionären“, mit dem Hintergedanken, die könnten ja selbst für ihre Bootshalle aufkommen.

Fakt ist, dass im Kötzschenbrodaer Bootshaus zwar gut ein halbes Dutzend Klein-Segelboote untergestellt sind, die aber weder von Millionären stammen, noch deren Besitzer das Gros der rund 250 Vereinssportler ausmacht. Das sind Ruderer und Kanuten, sagt Präsident Stefan Singer.

Mittlerweile sind seit dem Hochwasser 2,5 Jahre vergangen, seit dem bewilligten Geld mehr als ein Jahr. Bis Ende 2016 müssen dafür Baurechnungen vorliegen, sonst verfällt die Bewilligung – hieß es jedenfalls noch bis vor Kurzem.

OB schaltet sich ein

Mittlerweile hat sich erneut OB Wendsche in das Bootshaus-Gezerre eingeschaltet. Die Abrufmöglichkeit für die SAB-Fördermittel wurde bis Ende 2017 verlängert. Vereinspräsident Singer: „Wir wollen versuchen, den Bau in zwei Abschnitten umzusetzen.“ Abschnitt eins wären die Fundamente und die Bootshalle aus Beton auf einer Grundfläche von 736 Quadratmetern. Dafür würden 1,1 Millionen Euro benötigt – das SAB-Fördergeld von 900 000 Euro und die verbliebene Versicherungssumme.

Das Dach der Halle sollte so vorbereitet werden, dass in einem zweiten Bauabschnitt obenauf Toiletten, Duschen, Kraftraum und Werkstattanbau errichtet werden können. Dafür wären weitere 500 000 Euro von der Stadt nötig. Die Vereinssportler seien bereit, Eigenleistungen einzubringen. Präsident Singer: „Wichtig ist, dass mal angefangen wird, um den Vereinssport zu sichern. Das Dach der Bootshalle ist schon seit Monaten undicht.“

Dieser Ansicht schließen sich jetzt offenbar auch die Fraktionen von SPD und Grünen im Stadtrat an. Jedenfalls bringen Eva Oehmichen (Bürgerforum/Grüne) und Thomas Gey (SPD) gerade einen Antrag in den Stadtrat, nachdem genau in diesen zwei Abschnitten gebaut werden sollte. Damit das Geld nicht verfällt.

OB Wendsche: „Im ersten Bauabschnitt ein hochwassersicheres Fundament mit der Bootshalle, in die auch das Lager kommen kann. Später oben auf die Halle Toiletten, Duschen, Kraftraum und Werkstatt.“ Dafür sollte der Verein dann einen Antrag auf Sportförderung beim Bund stellen, womit der Stadtzuschuss sinken würde.