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Gibt die Millionärswitwe der Weinstraße eine zweite Chance?

Ob nach dem Führungswechsel bei der Weißen Flotte Diesbar-Seußlitz über 2014 hinaus angesteuert wird, bleibt fraglich. Rein technisch ist das momentan auch gar nicht möglich.

Von Antje Steglich, Bettina Klemm und Marco Henkel

Ja, die „Sächsische Weinstraße“ ist auch 2014 Bestandteil des Fahrplans der Sächsischen Dampfschiffahrt. Die Weiße Flotte steuert Diesbar-Seußlitz vom 2. Mai bis 5. Oktober an. Doch mit dem vor wenigen Tagen beurlaubten Geschäftsführer Sebastian Meyer-Stork hat die Weinstraße wohl ihren wichtigsten Fürsprecher verloren. Dabei hatte schon er keinen Hehl daraus gemacht, dass die Route eher Belastung als Gewinn für sein Unternehmen sei. Von den rund 634 000 Fahrgästen der Sächsischen Dampfschiffahrt im Jahr 2012 wollten gerade mal etwa 30 000 die Strecke elbabwärts von Dresden mit dem Schiff erkunden. Durch das Junihochwasser dürfte die Bilanz für 2013 noch mieser ausfallen. Aufgrund der hohen Verluste musste Sebastian Meyer-Stork nun auch seinen Hut nehmen. Die Bilanz seiner drei Jahre im Amt war schlecht, für dieses Jahr droht ein hohes sechsstelliges Minus. Neue Geschäftsführerin ist Karin Hildebrand.

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Laut Fahrplan 2014 steuert die Sächsische Dampfschiffahrt die Elbweindörfer ab Mai wieder an. Foto: Claudia Hübschmann
Laut Fahrplan 2014 steuert die Sächsische Dampfschiffahrt die Elbweindörfer ab Mai wieder an. Foto: Claudia Hübschmann

Angst vor Touristenschwund

„An den bereits im Juli aufgestellten Fahrplänen für 2014 wird sich bis auf ein paar Kleinigkeiten auch unter Frau Hildebrand zunächst nichts ändern“, versicherte zwar die Sprecherin der Dampfschiffahrt Kathrin Stegemann. Doch entlang der Elbe ist man skeptisch. „Die Sächsische Dampfschifffahrt spielt eine wichtige Rolle für den Tourismus“, erklärte die stellvertretende Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Sächsisches Elbland, Marleen Herr. „Als nach dem Hochwasser die Fahrten reduziert wurden, hat man das schon gemerkt.“ Marleen Herr hofft daher, dass sie auf den Treffen der Touristischen Arbeitsgemeinschaft Elbe, zu der auch die Dampfschiffahrt gehört, Neuigkeiten über die Zukunft der Route erfahren wird.

„Im Moment kann man ja nichts ausschließen, da die Situation noch recht frisch ist. Deshalb befürchten wir, dass sich das Fahrtenangebot für Meißen verschlechtern könnte“, befürchtet gar Tourist-Info-Leiterin von Meißen, Karolin Burstein. Für sie käme eine Reduzierung des Angebots einer Katastrophe gleich: „Die Dampfschifffahrt ist für Meißen ein unverzichtbarer Teil des touristischen Angebots. Gäste, die nach Meißen, einer Stadt an der Elbe, kommen, erwarten einfach, auch Schiff fahren zu können.“ Schon jetzt herrsche oft Unverständnis über das geringe Angebot an Schifffahrtsmöglichkeiten, berichtet Karolin Burstein.

Auch der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU) will sich möglichst gleich Anfang nächsten Jahres mit Karin Hildebrand an einen Tisch setzen, um Klarheit über die Zukunft der Route zu bekommen. Schließlich gab es mit Sebastian Meyer-Stork Absprachen, dass die Kommune die Anleger in Diesbar-Seußlitz übernimmt, wenn die Orte weiter angefahren werden. Nach dem Hochwasser wollte die Dampfschiffahrt nun zudem erst einmal die Fördermöglichkeiten für eine Sanierung der stark beschädigten Anleger abklären.

„Jeder fragt mich nun, ob das dabei bleibt“, so Gerd Barthold. Nach einem Telefonat mit der Sächsischen Dampfschiffahrt sei nun aber zunächst sicher, dass der Fördermittelantrag laufe und aktuell geklärt wird, ob der Anleger überhaupt noch geborgen oder gleich zerlegt wird. „Mehr weiß ich auch nicht“, sagte der Bürgermeister.

Chefin auf Zeit

Die neue Chefin Karin Hildebrand selbst gab sich gegenüber der SZ erst einmal zurückhaltend. „Ich will mir in Ruhe ein Bild von der aktuellen Lage verschaffen“, sagte die 59-Jährige. Dabei dürfte ihr das Geschäft nicht unbekannt sein, hält die Witwe des millionenschweren Conti-Reederei-Chefs Klaus Hildebrand doch 25 Prozent der Gesellschaft. Hildebrand hatte die Weiße Flotte 1992 von der Treuhand übernommen und saniert, 51 Prozent gehören dem Freistaat Sachsen.

Karin Hildebrand kündigte an, ein bis zwei Jahre die Geschäftsführung übernehmen zu wollen und deshalb ihren Lebensmittelpunkt von München nach Dresden zu verlagern. Die Mutter dreier erwachsener Kinder ist nicht nur Diplombetriebswirtin, sondern verfügt auch über Abschlüsse als Marktforscherin und als Wirtschaftsmediatorin. Sie ist Aufsichtsrätin der auf Flusskreuzfahrten spezialisierten Premicon AG, Vorstand eines Klassikchores und Schatzmeisterin eines Vereins für interreligiösen Dialog.