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Gibt es bald kein Schulschwimmen mehr?

Wenn die Halle in Hirschfelde geschlossen wird, steht der Unterricht in zehn Schulen - darunter in Löbau und dem Oberland - auf der Kippe. Nun regt sich Widerstand.

Zehn Schulen aus dem Süden des Landkreises nutzen die Schwimmhalle Hirschfelde für den Schwimmunterricht.
Zehn Schulen aus dem Süden des Landkreises nutzen die Schwimmhalle Hirschfelde für den Schwimmunterricht. ©  Matthias Weber

Über eine Schließung der Schwimmhalle in Hirschfelde ist wiederholt spekuliert worden. Nun schlägt die Stadt Zittau erneut die Schließung in ihrem Sparkonzept vor. Und sorgt damit für Verärgerung unter den Hirschfeldern. "Seit Jahren bemühen wir uns, dass etwas getan wird, die Kosten zu reduzieren", sagt Hirschfeldes Ortsbürgermeister Bernd Müller (FUW). Er selbst hatte beispielsweise vorgeschlagen, das Schulschwimmen in Hirschfelde zu konzentrieren, um so die Halle noch besser auszulasten. 

Dabei nutzen bereits zehn Schulen die Halle für ihren Schwimmunterricht - darunter die Grundschule Hirschfelde. Aber auch aus weiter entfernten Orten wie Löbau, Ebersbach-Neugersdorf und Eibau kommen die Schüler nach Hirschfelde. Die Kommunen als Träger der jeweiligen Schulen sind von den Schließungsplänen überrascht. "Wir haben das erste Mal durch die SZ-Anfrage davon erfahren", sagt Rica Wittig von der Stadtverwaltung Ebersbach-Neugersdorf. Informationen des Hallenbetreibers, der Städtischen Beteiligungs-GmbH (SBG) Zittau, habe es bisher noch keine gegeben, erklärt Frau Wittig. 

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Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Stilllegung der Schwimmhalle in Hirschfelde bisher nur ein Vorschlag ist, die Zittauer Stadträte müssen erst noch zustimmen. Aber vom Rathaus wird ein gewisser Druck aufgebaut. Sollte einer der Sparvorschläge keine Mehrheit finden, müsste an anderer Stelle gekürzt werden. Im Fall der Schwimmhalle Hirschfelde beziffert die Stadt das Einsparpotenzial auf 75.000 Euro. Diese Summe wurde von der SBG auf Basis der Daten von 2017 ermittelt, wie Geschäftsführer Matthias Hänsch mitteilt. Der Effekt sei im Konzept für das Jahr 2023 - nach Stilllegung und Abbruch - mit diesem Betrag angegeben. "Die genannte Zahl ist allerdings nur ein Richtwert, da eine Reihe von Annahmen getroffen werden mussten", so Hänsch weiter. "Außerdem ändert sich das Ergebnis mit jeder Kosten- und Preisanpassung etwas."

Wie auch immer sich die Stadträte entscheiden, sofort geschlossen wird die Schwimmhalle nicht. Denn mit den Gemeinden sind bereits Verträge zum Schwimmunterricht für das nächste Schuljahr geschlossen worden. "Für das Schuljahr 2019/2020 haben wir uns weiterhin angemeldet", sagt Rica Wittig. Auch aus anderen Kommunen ist Ähnliches zu hören. "Wir haben auch bereits einen Vertrag für die Saison 2019/2020 was unsere Schulen betrifft", erklärt Michael Görke (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Kottmar. Sowohl die Grundschule Eibau wie auch die Grundschule Niedercunnersdorf - beides Einrichtungen der Gemeinde Kottmar - absolvieren ihren Schwimmunterricht in Hirschfelde. Die Gemeinde Schönau-Berzdorf nutzt die Halle in Hirschfelde ebenfalls seit vielen Jahren fürs Schulschwimmen und hat ihren Vertrag fürs nächste Schuljahr verlängert, wie Bürgermeister Christian Hänel (parteilos) mitteilt.

Von den Überlegungen der Stadt Zittau wollen sich die Bürgermeister jedenfalls nicht hektisch machen lassen. "Ich warte die Dinge zunächst ab, bis es tatsächlich belastbare Fakten gibt", sagt der Herrnhuter Rathauschef Willem Riecke (Herrnhuter Liste). Als Alternative sehe er das Stadtbad in Zittau. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass alle Schulen von Hirschfelde nach Zittau wechseln können. "Da das Stadtbad ausgelastet ist, können wegfallende Leistungen in Hirschfelde bis auf wenige Ausnahmen nicht in das Stadtbad umgelenkt werden", weist SBG-Chef Matthias Hänsch hin. "Das trifft auf alle Teilbereiche zu, also Schulen, Kurse und öffentliches Schwimmen."

Viele andere Alternativen bieten sich den Schulen nicht an. Denkbar wäre beispielsweise Görlitz. Aber auch hier ist unklar, ob es überhaupt freie Kapazitäten fürs Schulschwimmen gibt. In Bautzen gibt es darüber hinaus noch Schwimmhallen sowie die Körse-Therme in Schirgiswalde-Kirschau. Für die betroffenen Schulen würde das aber auf jeden Fall bedeuten, dass die Fahrtkosten teurer werden und dass der längere Fahrtweg zu Lasten der Dauer des Schwimmunterrichts geht. Spontan fallen Rica Wittig auch Schwimmhallen in Tschechien, so zum Beispiel in Varnsdorf und Rumburk, ein. Der Weg dorthin wäre kurz, allerdings stellt sich dann die Frage, ob ein Schwimmunterricht jenseits der Grenze aus Versicherungsgründen überhaupt möglich ist.

Die Stadt Löbau scheint für ihre Grundschule Löbau-Ost zumindest Alternativen zu haben. Wie Pressesprecher Marcus Scholz erklärt, stehen Ersatzeinrichtungen parat. Genauer ins Detail gehen will er aber nicht. Das ist kein Wunder, denn bei den knappen freien Kapazitäten in den vorhandenen Schwimmhallen werden sich die einzelnen Schulen darum "streiten" müssen. "Wir sollten Alternativen betrachten und nicht warten, bis wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden", meint Rica Wittig. 

Schulen, die keinen Ersatz finden, müssten dann nur den Schwimmunterricht ganz streichen. Angesichts der Tatsache, dass Grundschüler nicht mehr richtig schwimmen können - zu diesem Fazit kommt zumindest die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) -, will das aber niemand. Auch Bernd Müller nicht. Er sieht momentan keine Notwendigkeit, die Halle zu schließen. Die Schwimmhalle sei kein marodes Gebäude. 

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Müller wünscht sich, dass das Thema ordentlich im Ortschaftsrat diskutiert und gemeinsam mit der SBG überlegt wird, wie die Kosten gesenkt werden könnten. Er sei noch nicht soweit, Unterschriften gegen die Hallenschließung zu sammeln. Und er will auch keine Einrichtungen gegeneinander ausspielen - nach dem Motto, spart lieber am Theater als an der Schwimmhalle. In Richtung der Stadträte appelliert er, dass eine Schwimmhalle, die einmal geschlossen ist, nur schwer wieder eröffnet wird. "In Deutschland trägt sich keine Schwimmhalle von allein", so sein deutlicher Hinweis.

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