merken
PLUS

Gibt es in diesem Jahr eine Mäuseplage?

Viele Nager überlebten den Winter. Das könnte den Bauern zu schaffen machen, sagt Andreas Jahnel vom Bauernverband.

Der milde Winter kam vielen Tieren entgegen. Die Vögel fanden ausreichend Nahrung, und auch den Feldmäusen haben die warmen Temperaturen geholfen. Anders als in vorangegangenen Wintern überstand eine stattliche Anzahl von ihnen den Jahreswechsel. Für die Landwirte im Landkreis kann das nun negative Folgen haben, sagt Andreas Jahnel. Der Diplom-Agraringenieur leitet das Referat Pflanzenbau, Nachwachsende Rohstoffe und Erneuerbare Energien beim Sächsischen Landesbauernverband und kennt sich mit den Nagern aus.

Niedlich sehen die Feldmäuse aus, vor allem wenn sie Nachwuchs haben. Wenn es, wie jetzt zu befürchten, zu viele von diesen Nagern gibt, ist mit Ernteverlusten zu rechnen. Foto: dpa/Werner Nagel
Niedlich sehen die Feldmäuse aus, vor allem wenn sie Nachwuchs haben. Wenn es, wie jetzt zu befürchten, zu viele von diesen Nagern gibt, ist mit Ernteverlusten zu rechnen. Foto: dpa/Werner Nagel © dpa

Herr Jahnel, droht der Schiebocker Gegend eine Mäuseplage?

Anzeige
Jetzt ein neues Lebensgefühl entdecken
Jetzt ein neues Lebensgefühl entdecken

schaffer-mobil feiert 30. Jubiläum. Es warten Workshops, Top-Neuheiten und jede Menge Angebote. Vor allem Gebrauchte werden zum Schnäppchen.

Genau kann das gegenwärtig keiner sagen, weil niemand weiß, wie viel Feldmäuse in der Feldflur vorhanden sind. Erst wenn die ersten Früchte geerntet werden, wird es sich zeigen, ob es eine Mäuseplage gibt.

Warum erst dann?

Die Getreidebestände sind mittlerweile so hoch, dass die Mäuselöcher nur schwer zu erkennen sind. Die Mäuse leben am Feldrand und wandern von dort in den Bestand ein. Weil sie so klein sind, sind sie sehr schwer zu beobachten. Zudem kann man schlecht einschätzen, ob es von ihnen viele gibt. Leider gibt es über die Feldmäuse nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse.

Woran liegt das?

Mäuseplagen treten periodisch auf. Die letzten größeren gab es vor zwei Jahren in Thüringen, Sachsen-Anhalt und im westlichen Sachsen. Weil die Kalamitäten aber nur sehr schwer vorhersehbar sind, finden Wissenschaftler die Feldmäuse als Forschungsgebiet nicht interessant genug. Von daher forschen nur wenige Wissenschaftler auf dem Gebiet der Feldmäuse.

Wie erklären Sie sich das?

Feldmäuse bekommen mehrmals im Jahr Nachwuchs. Bei idealen Lebensbedingungen können sie sich rasch vermehren. Der letzte milde Winter hat dazu auch beigetragen. Normalerweise überleben viele Feldmäuse die Übergangszeit zwischen Winter und Frühling nicht. Denn bei der Schneeschmelze sickert das Wasser in die Höhlen der Mäuse. Sie ertrinken. In diesem Winter ist das nicht passiert. Weil zu wenig Schnee auf den Feldern lag, gab es auch nur sehr wenig Schmelzwasser.

Aber die Feldmäuse haben doch auch natürliche Feinde?

Das stimmt. Greifvögel wie der Mäusebussard oder der Waldkauz fressen sehr gern Mäuse. Die Mäuseplagen in Thüringen und Sachsen-Anhalt haben uns aber gezeigt, dass die Greifvögel mit solch massenhaftem Auftreten von Feldmäusen total überfordert sein können. Die Vögel jagten zwar fleißig und waren sehr erfolgreich. Doch dann waren sie so fettgefressen, dass sie Probleme hatten, auf die Jagd zu gehen.

Können Feldmäuse nicht chemisch bekämpft werden?

Theoretisch geht das. Doch das ist sehr aufwendig. Dazu müssten auf den Feldern Giftköder durch Legeflinten ausgelegt werden. Der Aufwand für eine solche Bekämpfung ist enorm, der Erfolg dagegen eher bescheiden. Deshalb lohnt es sich für die Landwirte nicht.

Es hört sich so an, als wäre die Lage – vorausgesetzt, es tritt in den nächsten Wochen eine Mäuseplage auf – für die Landwirte recht aussichtslos, oder?

Vorerst ja. Wir hoffen, dass uns die vor einem Jahr eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe auf dem Weg der Feldmausbekämpfung weiterbringt und für die Landwirte praktikable Lösungen findet.

Ein vorsichtiger Blick in die Zukunft: Wie wird sich eine mögliche Mäuseplage auf die Ernte auswirken?

Ich kann nur von den Erfahrungen sprechen, die unsere Kollegen in Thüringen und Sachsen-Anhalt machen mussten. Dort gab es, je nach Befallssituation, vereinzelt bis zu 90 Prozent Ertragsausfälle. Landwirte müssen diese Ausfälle selber tragen, hier gibt es von dritter Stelle keine finanzielle Unterstützung. Doch nicht nur Landwirte können von einer Mäuseplage betroffen sein, auch Kleingärtner und Obstbauern. Denn die Mäuse machen ja nicht am Feldrand halt.

Wie haben Ihre Kollegen in Thüringen und Sachsen-Anhalt die Mäuseplage in den Griff bekommen?

Das Problem hat sich vor zwei Jahren von ganz allein gelöst. Die Population ist relativ schnell wieder zusammengebrochen, da den Feldmäusen durch zunehmende Konkurrenz das Nahrungsangebot zu gering geworden ist. Die Tiere sind einfach verhungert.

Es fragte Maik Brückner.