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Gibt's bald eine moderne Wartburg-Kita?

Seit Jahren bemühen sich Verein und Kirchgemeinde in Görlitz um die Sanierung. Bislang vergeblich. Doch jetzt stehen die Chancen gut.

Von Sebastian Beutler
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Ulrich Warnatsch vom Trägerverein der Wartburg wies schon 2017 den SZ-Fotografen auf die dringend sanierungsbedürftige Kita „Samenkorn“ hin.
Ulrich Warnatsch vom Trägerverein der Wartburg wies schon 2017 den SZ-Fotografen auf die dringend sanierungsbedürftige Kita „Samenkorn“ hin. © nikolaischmidt.de

Sie lassen nicht locker. Der Trägerverein des Jugendhauses „Wartburg“, die Eltern und Erzieher, die Kirchgemeinde, die evangelische Kirche und alle Beteiligten. Ihr Ziel ist klar: Sie alle wollen die Kita „Samenkorn“ in dem Mehrgenerationenhaus auf der Johannes-Wüsten-Straße sanieren und dauerhaft sichern. Nun scheint sich erneut eine Tür aufzutun, um das Vorhaben bis 2022 zu verwirklichen. Über das Städtebauförderprogramm „Investitionspakt Integration“ könnten die letzten Summen für die 2,5 Millionen Euro teure Sanierung eingeworben werden. Dafür aber muss die Stadt die Mittel beantragen. Die Zeit drängt, der Antrag für Mittel aus diesem Bundesprogramm muss bis Ende des Jahres gestellt sein.

Deswegen ist das Thema nun auch an diesem Donnerstag Gegenstand der Sitzung der Görlitzer Stadträte. Sie sollen Oberbürgermeister Octavian Ursu beauftragen, einen solchen Antrag zu stellen. Die Eigenmittel für diesen Antrag belaufen sich auf 130.000 Euro. Die müsste die Stadt tragen, doch der Trägerverein hat bereits signalisiert, „einen nicht unwesentlichen Teil mitzutragen“, heißt es in der Vorlage für die Stadträte. Offensichtlich hätte der Antrag aus Görlitz durchaus auch Aussicht auf Erfolg. „Eine Anfrage im sächsischen Innenministerium, wo das Programm angesiedelt ist, ergab am 8. Oktober, dass die Finanzierung des Kita-Umbaus mit einem Integrationskonzept für das Jugendhaus möglich sei“, heißt es in der Beschlussvorlage für die Stadträte. „Für unseren Mehrgenerationen-Ansatz bestehen durchaus Chancen“.

Von heutigen Standards weit entfernt

Ein erfolgreicher Antrag hätte für die Wartburg den positiven Effekt, dass die Kita nun doch schneller als bislang gedacht grundlegend saniert werden könnte. Das ist auch dringend nötig, denn seit 1946 wurde die Einrichtung, wie Pfarrer Hans-Wilhelm Pietz gegenüber der SZ bereits im Frühsommer dieses Jahres erklärte, nie grundlegend umgebaut und ist daher von heutigen Standards weit entfernt. Die Kita wird von der evangelischen Innenstadtgemeinde betrieben. Deren Kita-Angebote waren bereits vor Jahren erweitert worden durch die Sanierung der Lutherkirchen-Kita in der Jochmannstraße.

Das gesamte Haus „Wartburg“ wird vom Trägerverein Jugendhaus Wartburg in Erbbaupacht genutzt. Mittlerweile hat der Verein fast das komplette Haus saniert, das früher von der evangelischen Landeskirche genutzt wurde. Hier tagte früher beispielsweise regelmäßig das Kirchenparlament der Görlitzer Landeskirche. Neben der Kita ist in dem Haus jetzt auch noch Platz für vielfältige Kinder-, Jugend- und Familienangebote. So beherbergt es Veranstaltungsräume, ein offenes Jugendcafé sowie die Kellerkirche für Kinder und junge Leute. Im Freigelände gibt es einen Kleinfeldsportplatz, ein Baumhaus sowie Spielflächen. Die Stadt wiederum würde ziemlich zentrumsnah 73 moderne Kitaplätze gewinnen – davon 26 neue. Gerade für Familien, die wegen neuer Arbeitsplätze nach Görlitz ziehen, hätte eine solche Einrichtung große Anzugskraft.

Andere Einrichtungen priorisiert

Doch lange Zeit sah es schwierig für die Samenkorn-Kita aus, trotz politischer Unterstützung durch die damaligen Abgeordneten Michael Kretschmer und Octavian Ursu. Andere Einrichtungen standen auf der Prioritätenliste weiter oben, weil dort aufgrund baulicher Mängel die Betriebserlaubnis gefährdet war. Paradebeispiel dafür ist die Kita auf der Arndtstraße, aber auch die DRK-Kita „Lustiger Borstel“ in Königshufen. Beide sollen durch Neubauten ersetzt werden, was wiederum Millionen-Projekte sind. Deswegen hatte die Stadt Anfang des Jahres signalisieren müssen, erst 2023 die Sanierung der Kita „Samenkorn“ mit Geldern des Kita-Invest-Programms mitfinanzieren zu können. 

Darüber war die Enttäuschung in den Reihen des Wartburg-Trägervereins groß, versucht der Verein doch seit 2014, die Kita zu sanieren. Zwischenzeitlich hatte er sogar 20.000 Euro an Spenden für die Planung eingeworben, mit den Eigenmitteln in gleicher Höhe konnte sie in Auftrag gegeben werden. Mithilfe zahlreicher Stiftungen und Darlehen trug der Verein bereits eine Million Euro der Kosten zusammen, darunter sind Gelder aus dem Fonds der Parteien und Massenorganisationen der DDR, die dem Jugendhaus zugesprochen wurden, aber bis 2022 genutzt werden müssen. Die Planung für die Sanierung liegt mittlerweile vor und im ersten Quartal dieses Jahres wurde ein vollständiger Bauantrag eingereicht. Nun liegt alles am Stadtrat, gibt er am Donnerstag grünes Licht für den Antrag der Stadt, dann könnte der jahrelange Einsatz von Trägerverein und Kirchgemeinde doch bald ein Happy End haben.

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