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Gibt’s eine Lösung für’s Abwasser?

Die Döbraer wollen eine Gruppenkläranlage. Die Gemeinde plädiert für private Kleinanlagen. Für beides wird die Zeit langsam knapp.

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© Kristin Richter

Von Manuela Reuß

Eigentlich ist’s nicht zu schaffen. Bis Ende des Jahres müssen laut Gesetz alle Kläranlagen erneuert oder auf vollbiologischen Betrieb umgerüstet sein. Das ist lange bekannt. Auch in Oßling. Doch für die Anwohner der Mühlstraße in Döbra wird’s eng. Sie haben noch keine Kläranlage, die das Abwasser so behandelt, wie es der Gesetzgeber verlangt. Die Döbraer wünschen sich eine Gruppenkläranlage. Die Gemeinde möchte, dass jeder sein privates Klärwerk baut. Begonnen wurde weder mit dem Bau des einen, noch des anderen. Indes läuft die Zeit davon. Denn – so der allgemeine Tenor – Fördermittel gibt es nur für Anlagen, die bis zum 31. Dezember dieses Jahres in Betrieb genommen werden.

Im Großteil der Gemeinde Oßling ist in Sachen Abwasserentsorgung alles geklärt. Nur in Döbra und Milstrich noch nicht. Sorgen hatten sich die Einwohner deshalb nicht gemacht. Kein Wunder. Bis vor ein paar Monaten war noch alles offenkundig. „Wir sollten auch ans zentrale Netz“, erzählt Siegmund Gersdorf. Er ist einer der Abwasserrebellen von der Döbraer Mühlstraße. Einige Hausbesitzer hätten ihre Grundstücke dafür sogar schon vorbereitet. Doch dann kam es in der Oktober-Ratssitzung zum Eklat. Dort sei Knall und Fall plötzlich beschlossen worden, dass kein zentraler Anschluss kommt, sondern private Kleinkläranlagen gebaut werden sollen, berichtet Maik Kossack. Der Döbraer, der auch im Gemeinderat sitzt, habe dagegen gestimmt. Als Einziger.

Dafür hatte er gute Gründe. Eine Gruppenkläranlage funktioniere einfach besser. Auf der oberen Mühlstraße, wo auch er wohnt, gebe es etliche Ein-Personen-Haushalte. Für die sensiblen Bakterienkulturen in biologischen Kläranlagen kein leichter Job. Kommt zu wenig Abwasser, kippt das gesamte System. Zudem stehen die Häuser dicht bei dicht. Also ideal für eine Gemeinschaftsanlage. Grundsätzlich sei der Zusammenschluss „mehrerer Grundstücke zur Gruppenlösung nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und technisch sinnvoll“, argumentiert auch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. „Ich bin schon auch für eine Gruppenlösung“, erklärt Oßlings Bürgermeister Siegfried Gersdorf. Allerdings könne die Gemeinde eine solche nicht bauen, da sich Oßling in Haushaltskonsolidierung befinde. Das können die Döbraer Abwasserrebellen nicht verstehen. Denn bezahlen müssten sie die Anlage ohnehin selbst. „Die Kosten werden doch eins zu eins auf die anzuschließenden Haushalte umgelegt“, so Siegmund Gersdorf. Das gehe ganz problemlos, meint Anwohnerin Hannelore Hubert, die früher 30 Jahre in Oßlings Kämmerei tätig war. „Das Geld kann man auf ein Sonderkonto buchen.“

Der Bürgermeister sieht dennoch Klippen. Was ist, wenn jemand nicht zahlt? Dann müsse die Verwaltung dem Geld hinterherrennen. „Ich muss zwei Sachen im Blick haben. Erstens das Abwasserproblem, zweitens die kritische Haushaltssituation. Und wenn ich Probleme für die ganze Gemeinde sehe, muss ich die Notbremse ziehen.“ Er wolle und könne da kein Risiko eingehen. Eine verfahrene Kiste.

Dabei könnte Döbra längst angeschlossen sein. 2011 vergab die Gemeinde nämlich die Planung für die zentrale Erschließung des Ortes. Kurz darauf erlitt der damalige Bürgermeister einen Schlaganfall. Der ehrenamtliche stellvertretende Bürgermeister hielt die Gemeindegeschäfte ein gutes Jahr lang am Laufen. Verständlich, dass da zunächst andere Dinge auf der Tagesordnung standen als die Abwasserentsorgung. Zumal die im Großteil der Gemeinde bereits geregelt war. Im Juli 2013 wurde Siegfried Gersdorf zum Bürgermeister gewählt. Unter anderem, weil er versprach, das inzwischen drängende Abwasserproblem zu lösen, betont die Mühlstraßen-Truppe. Ende 2013 wurde die Abwasserplanung für Döbra wieder aktiviert. Doch dann stellte sich heraus, dass die zentrale Entsorgung nicht mehr finanzierbar ist. Eine öffentliche Gruppenkläranlage – welche Oßling vorfinanzieren müsste – ebenfalls nicht. Stattdessen soll jeder in eine private Lösung investieren. Dagegen begehren die Döbraer auf. Mit Eingaben und Unterschriftenlisten an Bürgermeister, Landratsamt, Ministerium. Keine Stelle, an der sie sich noch nicht beschwert haben.

Indes tickt die Uhr. Nur ein halbes Jahr bis Ultimo. Deshalb beantragte der Bürgermeister beim Umweltministerium eine Ausnahmeregelung. Doch die sei abgelehnt worden, so das Gemeindeoberhaupt. Warum gibt es in so einem Fall keine Härtefallregelung?, fragen wir im Ministerium nach. Die „äußerst bedauerliche Erkrankung des damaligen Bürgermeisters“ sei im Hause nicht bekannt gewesen, so Pressesprecher Frank Meyer. „Wenngleich darauf hingewiesen werden muss, dass der Ausfall einzelner Amtsträger die Gemeinde grundsätzlich nicht von der Erfüllung ihrer Aufgaben entbinden kann.“ Das Schreiben an die Gemeinde sei keine Ablehnung gewesen. Es sollte Möglichkeiten aufzeigen. In Oßling scheinen „keine zutreffenden Vorstellungen darüber zu bestehen, welche Finanzierungsmöglichkeiten für Anlagen in öffentlicher Trägerschaft auch für Gemeinden vorhanden sind, die sich in Haushaltskonsolidierung befinden und unter welchen Voraussetzungen eine Förderung auch nach dem 31. Dezember 2015 noch möglich ist.“ Das Ministerium habe deshalb die Landesdirektion gebeten, alle beteiligten Akteure an einen Tisch zu holen, um die bestehenden Möglichkeiten nochmals zu erläutern – auch mit Blick auf noch bestehende Fördermöglichkeiten.