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Gibt's jetzt weniger Geld für die Tierheime?

Ein Schreiben der Landesdirektion verunsichert die Mitarbeiter in Bischdorf. Vom Freistaat gibt es kein Geld mehr für Kastrationen wildlebender Katzen.

Von Constanze Junghanß
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"Wir haben bisher kein Schreiben oder Informationen vom Amt bekommen, wie das jetzt gehandhabt werden soll", sagt die Vereinsvorsitzende Ramona Loske.
"Wir haben bisher kein Schreiben oder Informationen vom Amt bekommen, wie das jetzt gehandhabt werden soll", sagt die Vereinsvorsitzende Ramona Loske. © Matthias Weber

"Toll, dass die Tierheime wieder mal die Letzten sind, die per Brief davon erfahren haben, dass der Freistaat Sachsen an das Tierheim keine Unterstützung mehr gibt." So äußert sich der Tierschutzverein Löbau-Zittau öffentlich auf seiner Facebookseite. Und auch, dass das keinen Spaß mehr mache. "Wir Kleinen müssen nun wieder dafür büßen, was die Politik uns vorsetzt", ist da zu lesen. Das gehe zu Lasten der Tierheime. Das Statement macht seit einigen Tagen im Internet die Runde und trifft auf viel Unverständnis bei Tierfreunden. "Das sagt wieder mal aus, was der Politik der Tierschutz wert ist", kommentiert eine Nutzerin. Andere fragen, ob man nicht die Hundesteuer für die Tierheime verwenden sollte. Vorschläge zu Futterspenden werden gemacht. Die Spenden sind willkommen. Das Tierheim braucht aber auch Geld für die laufenden Kosten.

Bekommen die Tierheime in Zukunft nun weniger finanzielle Unterstützung? Es gibt in der Tat eine neue Regelung. Die besagt, dass seit Jahresanfang nicht mehr die Landesdirektion Sachsen für die Förderung von Kastrationskosten, Beschaffung von Fanggeräten, Tierbedarf und Ähnlichem zuständig ist. Das hat die Landesdirektion den Tierheimen so mit amtlichem Schreiben mitgeteilt. Grund für die Änderung ist, dass am 22. Januar die sächsische Kommunalpauschalverordnung in Kraft trat. Das bestätigt die Görlitzer Kreissprecherin Julia Bjar. Demnach sind nun die Landkreise und kreisfreien Städte für die Förderung im Bereich des Tierschutzes zuständig. Zum Kreisgebiet gehören die Tierheime in Bischdorf, Horka und Görlitz. Für Fundtiere gelte – so Julia Bjar - wie bisher die Regelung, dass die Fundbehörde der jeweiligen Gemeinde für Unterbringung und Versorgung der Tiere zuständig ist.

Die neue Regelung betrifft im Großen und Ganzen die Kastration sowie die damit verbundenen Kosten von wildlebenden Katzen. Damit haben Tierheime wie in Bischdorf ständig zu tun. Vor allem Anwohner und Nutzer von Kleingartenanlagen melden sich beim Tierheim wegen dieser Problematik. Herrenlose und nicht selten ausgesetzte Katzen sind das, die oft in Rudeln zusammenleben. Unkastriert wohlgemerkt. Nachwuchs ist programmiert. Katzen vermehren sich rasant. Pro Tier kann es im Jahr zweimal – selten sogar dreimal - Nachwuchs geben. Im Durchschnitt sind das pro Wurf vier bis sechs Junge. Werden die Tiere nicht eingefangen und kastriert, wächst eine Population extrem schnell. „Das war vor Kurzem in Großhennersdorf so der Fall“, sagt Ramona Loske. Die Vorsitzende vom Tierschutzverein erzählt, dass die Mitarbeiter etwa 30 Tiere eingefangen haben, um sie zu kastrieren und tierärztlich versorgen zu lassen. Im Durchschnitt kümmert sich das Tierheim Bischdorf um jährlich etwa 100 solcher Streuner. 7.000 Euro kosteten die Kastrationen im letzten Jahr. "Bisher schickten wir die gesammelten Tierarztrechnungen dafür an die Landesdirektion", sagt Ramona Loske. Die habe 90 Prozent der Gelder getragen. 

Doch wie das nun mit dem Landkreis geregelt werden soll, sei noch völlig offen und deshalb die Unsicherheit groß. "Wir haben bisher kein Schreiben oder Informationen vom Amt bekommen, wie das jetzt gehandhabt werden soll", sagt die Vereinsvorsitzende. Nächster Knackpunkt sei die Bürokratie, die die Bischdorfer und ihr Team befürchten. „Wir müssten dann Anträge stellen“, sagt sie. Bis so eine Genehmigung bewilligt werde, dauere das Wochen. In der Zeit könnten sich die Katzenpopulationen extrem vermehren. Aus 30 Tieren wie in Großhennersdorf würden dann schnell über 100 Tiere. Wie dann verfahren werde, sei völlig unklar.

"Die in den vergangenen Jahren durch die im Landkreis Görlitz ansässigen Tierschutzvereine beantragten Mittel stehen auch in diesem Jahr zur Verfügung", heißt es dazu von der Kreissprecherin. "Jeder Tierschutzverein kann einen Antrag auf Förderung stellen".  Die Zuwendungen gebe es wie bisher anteilsmäßig. Jede Einrichtung müsse den Bedarf für diese Kosten selbst abschätzen, beantragen und die Verwendung der Mittel im Anschluss nachweisen. Wie hoch die Förderung ausfällt, wird nicht gesagt. Es gibt allerdings einen informellen Zusatz: "Ein Rechtsanspruch auf Zuwendung besteht nicht", so Julia Bjar. Damit fühlen sich die Bischdorfer ziemlich allein gelassen. In finanzielle Vorleistung gehen könne das Tierheim keinesfalls. Vielleicht sollten künftig die Leute wildlebende Katzenpopulationen besser gleich ans Veterinäramt melden, überlegt Ramona Loske.

Damit Kastrationen zeitnah erfolgen können und um aktuellen Ungewissheiten aus dem Weg zu gehen, hat der Tierschutzverein nun um Unterstützung über einen Fond vom Deutschen Tierschutzbund gebeten. Der Fond finanziert sich aus Spenden. Tierheime, die dem Deutschen Tierschutzbund zugehörig sind, können diesen beantragen. Ramona Loske und ihr Team hoffen, dass ihnen so unbürokratisch auf schnellem Wege geholfen wird. 

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