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Glänzender Ritter

Einmal die Woche ist Putztag im Schloss Lauenstein. Manches darf nur mit Handschuhen berührt werden.

Von Peter Salzmann

Das Osterzgebirgsmuseum Schloss Lauenstein ist immer einen Besuch wert. Doch damit sich dieser lohnt, braucht es einen Tag Pause. „Montags haben wir geschlossen, da wird geputzt und der Sauberkeit unter die Arme gegriffen, sagt Gabriele Gelbrich. Die 47-jährige Kunstwissenschaftlerin und Historikerin ist seit 2009 Direktorin des Museums. Persönlich sorgt sie mit acht Frauen, davon sieben Ehrenamtlichen, dafür, dass Staub und Schmutz in den ehrwürdigen Gemäuern keine Chance haben. „Mindestens einmal im Jahr kümmern wir uns um die Fenster in drei Etagen und im Untergeschoss“, ergänzt Karola Kühnel aus Fürstenwalde, die als Museumsmitarbeiterin und „Mädchen für alles“ auch schon mal für Schlossführungen verantwortlich ist. Gabriele Gelbrich kennt jede ihrer ehrenamtlichen Sauberfrauen gut: Dagmar Gläser, Ingrid Püschel, Carla Klose, allesamt aus Lauenstein. Dazu kommt Petra Schulz aus Löwenhain, die „uns dank einer geförderten Maßnahme zur Verfügung steht.“ Die 35-jährige Silke Herrmann opfert ihren freien Tag der Fensterreinigung: „Ich gehe oft zu Veranstaltungen im Schloss und will helfen, dass sich die Gäste wohl fühlen“, sagt sie. Die 60-jährige Christine Jungnickel begründet ihre freiwillige Aktivität: „Mir ist daran gelegen, dass wir die wertvollen Kulturgüter im Lauensteiner Schloss erhalten.“ Sieglinde Mende, mit 72 Lenzen die Älteste im Team, will, dass „unser Museum ein Anziehungspunkt bleibt.“

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Dabei sind knifflige Aufgaben zu lösen. So muss die Glashaube über dem Schlossmodell bei der Feinreinigung abgehoben werden. Sie misst immerhin 50 mal 120 mal 170 Zentimeter und muss „Da helfen uns die Männer“, berichtet Museumsdirektorin Gelbrich. Das sei auch notwendig, wenn historische Möbelstücke gereinigt werden müssen. „Doch das ist den Restauratoren der staatlichen Kunstsammlungen vorbehalten, die mit dem wertvollen Gut aus längst vergangenen Zeiten sachgemäß umgehen können“, ist zu erfahren. „Die kümmern sich dann auch um möglichen Holzwurmbefall oder um Farbschäden.“

Glasvitrinen aller Größen, Wendeltreppe mit steinernen Handläufen, Toiletten, Tische, Bilderrahmen, auch Harnische und Puppen, ebenso Kostüme und Lampen brauchen die Pflege der Frauen. „Mit Wedeln und Pinseln, mit Lappen und klarem Wasser – ab und zu mit Reinigungsmitteln – gehen wir dem Schmutz zu Leibe, auch mal mit einem Handstaubsauger“, erklärt Gabriele Gelbrich. Ihre Mitstreiterin Karola Kühnel verrät noch mehr: „70 Doppel-Verbundfenster müssen einzeln aufgeschraubt werden, damit wir die Scheiben blank putzen können.“

Bei allen Exponaten ist Vorsicht geboten, erst recht, wenn es sich bei Sonderausstellungen um Leihgaben handelt. Denn Vasen und Krüge – meist aus Zinn und anderen Metallen – müssen mit Handschuhen angefasst werden, damit keine Spuren bleiben. Das gelte auch für die Bilderrahmen, die mitunter blattvergoldet sind.

Umfangreich sei auch die Unterstützung der ehrenamtlichen Frauen und ihrer Männer, „wenn wir bei Veranstaltungen Tische und Bänke aufstellen müssen. Diese Hilfe würdigen wir immer im Januar mit einer geselligen Runde, um zu feiern und Rückschau zu halten“, so Frau Gelbrich. Sie ergänzt: „Dippser Musikschüler und der Lauensteiner Pianist Reiner Mäder sorgen für Unterhaltung.“ Die Direktorin lobt die gute Zusammenarbeit mit Ortsvorsteher Siegfried Rinke und hebt das Wirken der 30 Mitglieder vom Freundeskreis Schloss Lauenstein mit seinem Vorsitzenden Kay Hardelt hervor. „Der Lauensteiner pflegt auch unsere Homepage.“

Nahezu 16 000 Besucher aus Holland, England, Tschechien und allen deutschen Bundesländern kamen 2013 ins Osterzgebirgsmuseum. Da ist manche Episode haften geblieben. Auch mal ein Schreck bei den Gästen, „wenn ich auf den mittelalterlichen Sturz des Raubritters Gecko aus dem Todesfenster in der Ruine verweise“, erzählt Karola Kühnel mit Augenzwinkern.