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Der Schwalben-Vater

Der Hausdorfer Dieter Hanke hat eine große Kolonie Mehlschwalben auf seinem Hof. Mit List und Blech hat er sie vor dem Tod bewahrt.

Dieter Hanke aus Hausdorf sorgt sich um Schwalbennester an seiner Scheune.
Dieter Hanke aus Hausdorf sorgt sich um Schwalbennester an seiner Scheune. © Egbert Kamprath

Dieter Hanke kann wieder lachen. Die meisten seiner Mehlschwalben sind gerettet. Vor ein paar Tagen hatte er mächtig Angst, dass ein Marder weitere Nester ausräumt. "Jahrelang ist nichts passiert", sagt er. Doch auf einmal hatte eine Mardermutter den Kniff raus, wie sie an die Nester gelangen kann, die die emsigen Vögel unterhalb der Dachrinne seiner Scheune geschaffen haben. Der Marder krabbelte auf die Dachrinne, beugte sich runter und langte in die Nester der Schwalben hinein. "Die Schwalben sind friedfertige Tiere", sagt der Hausdorfer. Sie wehren sich nicht, lassen ihren Nachwuchs zurück und verschwinden. "Ein Viertel der Nester hat der Marder in jener Nacht leergefressen", schätzt Hanke. Insgesamt hat er auf dieser Hofseite 50.

"Die Schwalben sind ein Wunder der Natur," schwärmt Hanke. Seit gut 20 Jahren leben sie auf seinem Hof. Jedes Jahr freut er sich aufs Neue, wenn sie aus ihren Winterquartieren zu ihm nach Hause kommen. Sein Zuhause, das ist ein Bauerndorf im Oberdorf von Hausdorf. Hier wurde er vor 70 Jahren geboren, hier wuchs er auf, hier lebt er heute noch. Er wurde Schweißer und arbeitete später im Fahrzeugbau. Nach dem Mauerfall wechselte er in die Wasserwirtschaft. In den letzten 26 Jahren seines Berufslebens war der Ur-Hausdorfer als Klärwärter in Kreischa tätig. 

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Sperlinge jahrelang abgewehrt

Direkt gefördert hat er die Schwalben nicht, indirekt aber schon, sagt er. Denn Hanke hält auch Hühner und Tauben. Deren Federn nutzen die Schwalben zum Nestbau. Außerdem hat er es in den letzten Jahren immer geschafft, die Fressfeinde der Schwalben von den Nestern fernzuhalten. Auch die Sperlinge schafften es nicht, die Nester der Schwalben zu besetzten. Wenn das passiert, sagt Hanke, dann geben Schwalben ihren Standort auf. Denn sie kämpfen nicht. Mit einfachen Methoden hat er die Sperlinge davon abgehalten. Es reiche manchmal, eine Teleskopstange an die Scheune zu stellen oder selbst oft vor Ort zu sein. "Sperlinge sind misstrauisch", sagt er. Tipps bekommt der 70-Jährigen übrigens auch von einem Ornithologen aus Dresden, der immer wieder mal vorbeischaut und die Tiere auch beringt.

Schwalbennester an Dieter Hankes Scheune in Hausdorf. Der Marder kam über die Dachrinne.
Schwalbennester an Dieter Hankes Scheune in Hausdorf. Der Marder kam über die Dachrinne. © Egbert Kamprath

Und wie hat Hanke diesmal die Schwalben gerettet? Nachdem seine Tochter den "Überfall" des Marders bemerkt hatte - es war in der Nacht gegen 3 Uhr -, schob er bis zum frühen Morgen Wache, um zu verhindern, dass weitere Nester ausgeräumt werden. "Ich habe einen Scheinwerfer installiert und war immer wieder auf dem Hof." Das habe den Marder abgeschreckt. Auf einer seiner Patrouillen kam ihm die Idee, wie er die Nester schützen könnte. Ein Blech könnte helfen. Das könnte der Dachdecker anfertigen. Doch der ist im Urlaub. Wer könnte sonst helfen? Frank Göbel aus Reinhardtsgrimma. Der Unternehmer, der eine Metallbaufirma führt, hatte ihn ganz zufällig am Abend zuvor besucht und nach Kirschen gefragt.

Hanke rief ihn am Freitagvormittag an, machte Vorschläge und hoffte, dass Göbel helfen könne. Der sagte sofort zu. Der Unternehmer ließ Bleche anfertigten. Noch am selben Tag, drei Stunden nach dem Anruf, schickte Göbel seine Leute los. Dieter Hanke war begeistert. "Die Monteure handelten nicht nach dem Motto, Freitag nach eins macht jeder seins", erinnert sich Hanke. Sondern sie packten zu. Göbels Männer stellten eine 16-Meter-Hubbühne an die Scheune und begannen auf einer Länge von zwanzig Metern zehn Zentimeter breite Bleche anzumontieren. "Die beiden Monteure haben etwa drei Stunden dazu gebraucht", erinnert sich der Hausdorfer.

Premiere bei der Höhenrettung

Seine Mitarbeiter haben schon vieles gemacht. "Diese Form der Höhenrettung hatten wir aber noch nicht", sagt Frank Göbel. Nach der schnellen Hilfsaktion wollte Dieter Hanke wissen, ob sie etwas gebracht hat. Nachts legte er sich wieder auf die Lauer. Wie zu erwarten, krabbelte der Marder wieder aufs Dach und dann weiter zur Dachrinne. "Eine halbe Stunde saß das Tier reglos da", erinnert sich der Hausdorfer. Das sei völlig untypisch für diese Räuber. Offenbar grübelte das Tier, was denn passiert sein könnte, mutmaßt der Hausdorfer. Alle anschließenden Versuche des Marders, zu den Schwalbennestern zu gelangen, scheiterten.  Der Marder krabbelte auf die andere Seite der Scheune. Dort räumte er fünf der sieben Nester aus. Das sei ärgerlich, aber  nicht zu ändern. Über den Winter will er auch für diese Seite der Scheune eine Lösung finden. Nun sei es dafür zu spät.

Rico Reichel und Maik Biber, Mitarbeiter der Firma Metallbau Göbel, montierten Bleche an die Dachrinne. Damit werden die Schwalbennester geschützt.
Rico Reichel und Maik Biber, Mitarbeiter der Firma Metallbau Göbel, montierten Bleche an die Dachrinne. Damit werden die Schwalbennester geschützt. © Firma Göbel

Dieter Hanke freut sich trotzdem, dass sein Plan auf der Hofseite der Scheune aufgegangen ist. "Der Marder ist ein intelligentes, aber auch sehr aggressives Tier". Das neue Blech konnte er trotzdem nicht überwinden. Bis Ende September/Anfang Oktober kann Dieter Hanke noch den Schwalben bei ihrem Treiben zusehen. Dann machen sie sich wieder in den Süden auf. Und beim Hausdorfer wächst wieder die Freude auf seinen Geburtstag im Frühjahr. Dann kommen sie wieder, die Schwalben.

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