merken
PLUS Dippoldiswalde

Uhrenfirma Wolf will Geschichten erzählen

Der kleine Hersteller hat jetzt einen zweiten Geschäftsführer eingestellt. Und der weiß, wie Glashütte tickt.

Jürgen Jacob möchte die Uhren der Firma C. H. Wolf zu einer Premiummarke machen. Seit Anfang Februar ist der Physiker Geschäftsführer des Uhrenherstellers. Diese leitet er zusammen mit Jürgen Werner, der diese Funktion seit der Übernahme Anfang 2013
Jürgen Jacob möchte die Uhren der Firma C. H. Wolf zu einer Premiummarke machen. Seit Anfang Februar ist der Physiker Geschäftsführer des Uhrenherstellers. Diese leitet er zusammen mit Jürgen Werner, der diese Funktion seit der Übernahme Anfang 2013 © Foto: Egbert Kamprath

Sein Büro hat sich Jürgen Jacob längst eingerichtet. Es befindet sich zwar nicht direkt an der Uhrenmeile, aber dafür ganz in der Nähe des Uhrenmuseums. Das kann Jacob vom Büro aus sehen. Doch nicht deshalb hat er sich entschieden, die Geschäftsführung bei der Uhrenfirma C.H. Wolf zu übernehmen.

Den Dresdner reizte es, nach Glashütte zurückzukehren. Schon einmal war der gelernte Feinmechaniker und studierte Physiker hier tätig. Von 2006 bis 2009 leitete er den Vertriebsinnendienst des Luxusherstellers Lange Uhren, danach wechselte er zum Waggonbau Niesky, kümmerte sich dort unter anderem ums Marketing und den Vertrieb. „Es war eine Reihe von Zufällen“, die ihn zurück nach Glashütte brachten.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Über eine Agentur, die im Auftrag von Unternehmen Führungskräfte sucht, wurde er mit Jürgen Werner bekannt gemacht. Der Geschäftsmann ist zusammen mit dem Freitaler Unternehmer Christoph Pfeiffer Inhaber der Uhrenfirma Wolf. Beide suchten einen Geschäftsführer, weil sich Pfeiffer aus dem Tagesgeschäft zurückziehen wollte, da er in anderen Firmen tätig ist.

Glashütte steht für perfekte Handwerkskunst

Jürgen Jacob nahm das Angebot an. „Die Firma hat ihren Sitz in Glashütte. Die Stadt ist inzwischen weltweit bekannt für ihre Uhrentradition und ihre perfekte Handwerkskunst.“ Und mit der Marke Wolf soll nun eine weitere Premiummarke dazukommen. Und daran möchte der 53-Jährige gern mitarbeiten. Seinen ersten großen Auftritt als Chef von C.H.Wolf hatte er schon in Basel.

Hier stellte seine Firma sieben neue Uhren vor. Und das inmitten von ganz vielen etablierten Marken, die bekannt sind und über große Werbebudgets verfügen. Wolf hat es trotzdem geschafft, Journalisten auf sich aufmerksam zu machen. Denn ähnlich wie andere Hersteller hat er eine Firma an sich gebunden, die die Öffentlichkeitsarbeit und Werbung steuert.

Bei Wolf macht das die Münchner Agentur Corinna Fromm. Sie holte Journalisten zum Stand. „Die waren begeistert von unseren Uhren“, sagt Jacob. Nun hofft er, dass sich die Ansichten schnell über die Fachpresse verbreiten und sich das bald in der Nachfrage bemerkbar macht. Davon wird auch abhängig sein, wie schnell die Firma wachsen wird. „Wir streben ein gesundes Wachstum an“, sagt Jacob. Deshalb mag er auch keine Prognosen abgeben, wie schnell die Firma wachsen wird.

Inzwischen 15 Mitarbeiter

Allerdings hat die Firma in den letzten Wochen bereits ihr Personal aufgestockt. Als Jacob seine Tätigkeit aufnahm, hatte Wolf zehn Mitarbeiter. Inzwischen sind es 15. Doch das reicht nicht, um viele Uhrenteile herzustellen, sagt der Geschäftsführer. Trotzdem erfüllt die Firma die Vorgabe, um den Namen Glashütte auf das Zifferblatt drucken zu lassen. 50 Prozent der Wertschöpfung an einer Uhr werden in Glashütte erbracht, versichert Jacob. Und das funktioniert so: Wolf kauft das Uhrwerk, die Gehäuse und andere Bestandteile von Firmen aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. In Glashütte wird das Uhrwerk auseinandergebaut und verschiedene Teile veredelt. Zudem werden die Uhren hier montiert. „Mittelfristig möchten wir ein eigenes Uhrwerk konstruieren.“

Auch auf einem anderen Feld will es die Firma Wolf den anderen Glashütter Herstellern gleichtun. Ihre Neuheiten will sie einmal im Jahr zur weltgrößten Uhrenmesse in Basel vorstellen. Und die sollen auch zukünftig im eigenen Haus konzipiert werden. Dazu möchte Jacob die guten Ideen seiner Mitarbeiter nutzen. Zusammen mit Jürgen Werner, der ebenfalls als Geschäftsführer tätig ist, wird dann entschieden, welches Produkt auf den Markt kommt.

Uhrenfirma Wolf setzt auf Eric Frenzel

Generell werde die Firma an ihrer Strategie festhalten. Ihr geht es im Gegensatz zu Lange oder Glashütte Original nicht darum, Uhren mit komplizierten Sonderfunktionen herzustellen. Vielmehr setzt die Firma weiter darauf, mit witzigen Ideen zu überraschen. Wie zum Beispiel bei der Uhr, die Wolf seinem Markenbotschafter, dem Nordischen Kombinierer Eric Frenzel, gewidmet hat. In der Uhr, die auch den Namen des Sportlers trägt, wurde ein Stück eines Langlaufskis eingebaut.

Weiterführende Artikel

Keine Rettung für Uhrenfirma Wolf

Keine Rettung für Uhrenfirma Wolf

Die Gläubiger haben die Auflösung des Unternehmens beschlossen. Manche hoffen trotzdem noch auf einen Neustart.

Warum steht die Uhrenfirma Wolf vor dem Aus?

Warum steht die Uhrenfirma Wolf vor dem Aus?

Die Produktidee war gut, sagt Rechtsanwalt Helgi Heumann. Doch etwas Wichtiges hat dem Unternehmen gefehlt.

Uhrenfirma geht das Geld aus

Uhrenfirma geht das Geld aus

Der Glashütter Uhrenhersteller C.H.Wolf startete vor anderthalb Jahre mit frischen Ideen. Läuft ihm jetzt die Zeit davon?

„Wir halten an unserem Dreiklang fest“, erklärt Jacob. Und das heißt zum einen: Wolf sieht sich der Glashütter Tradition verpflichtet. Zum anderen werden in den Uhren weiter ungewöhnliche Materialien zum Einsatz kommen. Und daraus leitet sich der dritte Aspekt ab: Dazu will Wolf Geschichten erzählen. Wie zum Beispiel die von Eric Frenzel, der mit Ski bei Olympia Gold holte. Jacob ist überzeugt, dass die Firma mit dieser Philosophie ihre Kunden findet. Potenziell sei der Kreis der Uhrenliebhaber viel größer als der der Mitbewerber, die Uhren ab 10 000 Euro anbieten. Denn Wolf-Uhren kosten derzeit zwischen 2 500 und 5 500 Euro. „In dieser Größenordnung soll es auch bleiben“, sagt Jacob.

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde und Glashütte lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde