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Dieser Lebensweg macht neugierig 

Steffen Heerklotz hat einen großen Umweg genommen, bis er bei Lange in Glashütte gelandet ist. Eine kleine Zeitreise.

Von Maik Brückner
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Steffen Heerklotz hat zwei Berufe und zwei Meistertitel. Jetzt arbeite er als Uhrmachermeister in der Luxusuhrenmanufaktur Lange in Glashütte.
Steffen Heerklotz hat zwei Berufe und zwei Meistertitel. Jetzt arbeite er als Uhrmachermeister in der Luxusuhrenmanufaktur Lange in Glashütte. © © Lange Uhren GmbH

Steffen Heerklotz trägt ein Unikat am Handgelenk. Es ist eine Uhr, die er sich selbst gebaut hat - sein Meisterstück. Geschaffen hat er es in seiner Freizeit in Hennersdorf bei Schmiedeberg. Hier ist der 42-jährige Familienvater, der beim Glashütter Luxusuhrenhersteller A. Lange & Söhne arbeitet, auch zuhause. Der Uhrmachermeister wirkt zufrieden. Er hat seinen Weg zum richtigen Beruf offenbar gefunden. Und der war schon etwas ungewöhnlich, und ist vielleicht ein Vorbild für all jene, die sich in ihrem derzeitigen Beruf nicht wohlfühlen, keine Entwicklungsperspektiven sehen und nach Veränderung suchen.

Steffen Heerklotz' Berufsleben begann jedenfalls nicht mit Schräubchen, Stiften und Zahnrädern, sondern mit Pflanzen. Denn für den jungen Mann, der im idyllisch gelegenen Hennersdorf nahe der Talsperre Lehnmühle aufwuchs, stand nach der Schule fest: Ich werde Gärtner. "Wir sind in der Natur groß geworden, wir haben viel im Garten gearbeitet", erzählt er. "Und Gärtner ist ein toller Beruf." Und so wurde er es. In der Baumschule Lux im Bannewitzer Ortsteil Rippien ließ sich der junge Mann zum Gärtner ausbilden. 1997 beendete er seine Lehre erfolgreich.

Nach dem Zivildienst wechselte er an die Baumschule Falz nach Reinhardtsgrimma, 2000 wurde er Ausbilder am Berufsbildungswerk in Dresden. Doch das reichte ihm nicht. "Ich wollte etwas dazulernen, mich beruflich weiterentwickeln, damit ich mehr Verantwortung und mehr Aufgaben übernehmen kann." Deshalb begann er 2002 mit der Meisterausbildung, die er nach einem Jahr erfolgreich abschloss. Mit dem Meisterbrief in der Tasche ging er in die Schweiz, heuerte bei einem Gartencenter im Aargau an und arbeitete dort als Abteilungsleiter knapp acht Jahre lang. "Dort war auch mein Lebensmittelpunkt. Zum Pendeln nach Sachsen war es zu weit."

Das ist das Meisterwerk von Steffen Heerklotz: Er konstruierte eine Uhr, auf deren Zifferblatt die Anzeigen von Sekunde, Minute und Stunde räumlich voneinander getrennt sind.
Das ist das Meisterwerk von Steffen Heerklotz: Er konstruierte eine Uhr, auf deren Zifferblatt die Anzeigen von Sekunde, Minute und Stunde räumlich voneinander getrennt sind. © © Lange Uhren GmbH

Die Liebe brachte Steffen Heerklotz 2011 nach Sachsen zurück. Hier wurde aus einer guten Bekannten seine jetzige Frau. Und da auch sie aus Hennersdorf stammt, stand Steffen Heerklotz vor der Frage, wie und wo es nun beruflich weitergehen soll. Zusammen mit seiner Frau entschied er sich fürs Osterzgebirge. Er brachte eine große Portion Optimismus mit: "Ich habe eine gute Ausbildung, das wird schon irgendwie." Doch schon bald musste er feststellen, dass sich in den acht Jahren vieles in Deutschland geändert hat. Die beruflichen Chancen für Gärtnermeister waren nicht so gut, wie es Steffen Heerklotz angenommen hatte. Sich als Gärtnermeister selbstständig zu machen, kam für ihn nicht infrage. Das hatte er bereits 2000 geprüft. Der finanzielle Aufwand, eine Baumschule zu übernehmen, ist sehr hoch. Und um eine zu gründen, braucht man viel Vorlauf und auch viel Geld. Heerklotz überlegte auch, als Verkäufer zu arbeiten. "Doch die Ladenöffnungszeiten sind nicht familienfreundlich, und auch die Bezahlung war schlecht." Keine guten Bedingungen für die Gründung einer Familie.

Die Uhrenindustrie schien ihm eine Option zu sein. Bereits in der Schweiz ist er auf Lange Uhren und andere Firmen aus Glashütte aufmerksam geworden, mal durch deren Werbung, mal durch Auslagen in den Geschäften. "Da habe ich in der Ferne ein Stück Heimat gesehen." Das machte ihn ein bisschen Stolz auf seine Heimat Osterzgebirge. Und auch von zuhause hörte er viel Positives aus der Branche. Deshalb besuchte er einen Schnupperkurs an der staatlichen Berufsschule in Glashütte. Dass er dort zu den Älteren gehörte - die Kurse richten sich hauptsächlich an Sieben- und Achtklässler - störte ihn nicht. Er fand das Angebot interessant. Die Techniken der Metallbearbeitung, die dort vorgestellt wurden, gefielen ihm. Hier fiel dann auch die Vorentscheidung, Uhrmacher zu werden. Im Herbst 2011 schickte er Bewerbungen an drei Uhrenfirmen. "Lange hat sich als erste Firma zurückgemeldet, und das auch sehr freundlich." Steffen Heerklotz wurde zum Einstellungstest eingeladen.

Landesbester Uhrmacher

2012 begann der Hennersdorfer die Uhrmacherausbildung bei Lange, die er drei Jahre später als Landesbester und Zweitbester in Deutschland abschloss. Als Junguhrmacher wurde er vom Unternehmen übernommen. Im anschließenden Traineeprogramm lernte er dann die unterschiedlichen Montagebereiche in der Manufaktur kennen. Er sammelte die Erfahrungen, die ihm heute beim Montieren und Einstellen des Schwingsystems, dem Taktgeber und Herzstück einer jeden mechanischen Uhr, behilflich sind. 

2017 beschloss Steffen Heerklotz seine zweite Meisterausbildung - dieses Mal berufsbegleitend - aufzunehmen. "Wieder ging es mir darum, etwas dazuzulernen." In der Lehre habe er viel gelernt, aber es gab auch viele Details, die nur gestreift wurden und die er intensiver kennenlernen wollte. Ende 2019 schloss er auch diese Ausbildung erfolgreich ab.

Während seiner Meisterausbildung entstand auch seine eigene Uhr. Dieses Meisterstück konstruierte er mit einem Zifferblatt, bei dem die Anzeigen von Sekunde, Minute und Stunde räumlich voneinander getrennt sind. Die Minuten werden auf dem äußeren Hauptring angezeigt. Sekunde und Stunde besitzen hingegen eigene kleinere Anzeigen. Derartige Zifferblätter haben ihren Ursprung im 18. Jahrhundert und sind um 1900 bei Glashütter Präzisionsuhren zum Einsatz gekommen. Sein Meisterwerk fertigte der inzwischen fünffache Familienvater in seiner Freizeit in Hennersdorf in einer eigens dafür eingerichteten Werkstatt an. Die Kinder durften ihrem Vater bei der Arbeit über die Schulter schauen und sich sogar selbst an der Drehbank versuchen.

Die Arbeit als Uhrmacher findet Steffen Heerklotz sehr interessant. Bei Lange gebe es viele Möglichkeiten zu lernen und sich weiterzuentwickeln. "Einen dritten Meisterbrief soll es indes nicht geben", beteuert Heerklotz augenzwinkernd.

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