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Uhrenfirma geht das Geld aus

Der Glashütter Uhrenhersteller C.H.Wolf startete vor anderthalb Jahre mit frischen Ideen. Läuft ihm jetzt die Zeit davon?

Im Herbst präsentierte Geschäftsführer Jürgen Werner die neue Melkus-Uhr, die für 3 750 Euro angeboten wird. Andere Uhren der Firma sind für ähnliche Preise zu haben, sie kosten zwischen 2 500 und 5 000 Euro.
Im Herbst präsentierte Geschäftsführer Jürgen Werner die neue Melkus-Uhr, die für 3 750 Euro angeboten wird. Andere Uhren der Firma sind für ähnliche Preise zu haben, sie kosten zwischen 2 500 und 5 000 Euro. © Egbert Kamprath

Glashütte. Die Uhrenfirma C.H. Wolf hat viele überrascht. Sie baute zwar keine eigenen Uhrwerke, setzte aber auf neue Ideen und ein ungewöhnliches Finanzierungskonzept. Damit wollte sie schnell den Anschluss an die etablierten Hersteller schaffen. Doch das ist nicht aufgegangen. Geschäftsführer Jürgen Werner hat am 9. Dezember 2015 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. In dieser speziellen Form kann der Geschäftsführer unter Auflagen weiter entscheiden. Allerdings stellte ihm das Insolvenzgericht den renommierten Insolvenzanwalt Helgi Heumann als vorläufigen Sachwalter zur Seite. Er vertritt die Interessen der Gläubiger.

Zum Neustart brachte Wolf die Eric-Frenzel-Uhr auf den Markt.
Zum Neustart brachte Wolf die Eric-Frenzel-Uhr auf den Markt. © PR

Außerdem möchte er der Firma helfen, einen Investor zu finden. Denn sie braucht dringend frisches Geld, erklärt Heumann. Sie habe bisher zu wenig Uhren verkauft, um ihre Mitarbeiter bezahlen und die Kredite refinanzieren zu können, mit denen sie ihre Maschinen gekauft hat.

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Neue Firma mit altem Namen

Das dürfte einige in der Branche überrascht haben. Denn als das Unternehmen Ende Dezember 2014 neu startete, schien alles gut geplant gewesen. Um an die Glashütter Uhrentradition anzuknüpfen, gaben die beiden Unternehmer Jürgen Werner, ein gelernter Banker, und Christoph Pfeiffer, der frühere Besitzer der Pfennigpfeiffer-Kette, ihrer Firma den Namen C.H. Wolf. Der geht auf Carl Heinrich Wolf zurück, der 1871 eine Firma gründete, die zuerst Messwerkzeuge, Zahnräder und Walzen herstellte und später Turmuhren baute. Später wechselten deren Besitzer, in der Weltwirtschaftskrise der 1920er-Jahre musste die Firma aufgeben.

Jürgen Werner und Christoph Pfeiffer wollten an die glorreiche Zeit der Firma Wolf anknüpfen. Die beiden wussten aber auch, dass dazu gute Produkte und ein erfolgreiches Marketing notwendig sind. In puncto Uhren hat Wolf einen Ansatz gefunden, den bisher keine der anderen Uhrenfirmen verfolgt. Wolf setzte auf Uhren, in denen ungewöhnliche Materialen verwendet wurden. Zudem versuchte man, die Popularität anderer für sich zu nutzen.

Auf Einladung von C.H. Wolf kamen 30 Melkus-Flitzer nach Glashütte.
Auf Einladung von C.H. Wolf kamen 30 Melkus-Flitzer nach Glashütte. © Egbert Kamprath

So konnte Jürgen Werner den Nordischen Kombinierer Eric Frenzel als Markenbotschafter gewinnen. Ihm zu Ehren gab die Firma eine Uhr heraus, deren Ziffernblatt ein Stück eines Langlaufskis enthielt, mit dem der junge Mann bei Olympia in Sotschi Gold holte. Teile seines Ski-Anzugs wurden im Armband verarbeitet. Im Sommer überraschte Wolf dann mit der Ankündigung, eine Uhr in Kooperation mit dem Dresdner Autobauer Melkus zu bauen. Bei der Konstruktion des Ziffernblatts ließen sich die Wolf-Konstrukteure vom Tacho-Design der Melkus-Autos inspirieren. Nach der Präsentation der Uhr schaffte es die Uhrenfirma, einen Konvoi von 30 Melkus-Sportwagen nach Glashütte zu lenken. Mehr Werbung für diese Uhr, die den Fans des Kultwagens für 3 750 Euro angeboten wurde, geht kaum. Doch das hat offenbar nicht den Erfolg gebracht.

Investor gesucht

Ähnlich erging es der Firma mit dem Versuch, Geld über das sogenannte Crowd-Investing einzuspielen. Dazu schaltete sie eine Bank ein, die potenzielle Investoren suchen sollte. Diese hätten Anteile an der Firma erwerben können, dafür aber kein Stimmrecht erhalten. Anfangs sei der Verkauf der Uhren gut gelaufen, erklärte Werner Ende September in einem SZ-Gespräch. Doch dann stockte er. Offenbar hatte die Firma fest mit dem Geld gerechnet. Denn schon damals kündigte Werner an, dass man sich nach einem Investor umschauen werde.

Im November schien der mit Oleksij Mazer gefunden zu sein. Der Berliner wurde gleich als Geschäftsführer ausgewiesen. Allerdings hat sich die Firma kurze Zeit später von ihm getrennt. „Es hat nicht gepasst“, sagt Jürgen Werner, ohne das weiter erklären zu wollen. Weil mit der Trennung auch das Geld fehlte, meldete er sich beim Insolvenzgericht. Damit gewinne man Zeit, einen neuen Investor zu finden. „Die Chancen stehen nicht schlecht“, sagt Werner. Er sei mit mehreren potenziellen Investoren im Gespräch. Deshalb produziert er mit seinen 17 Mitarbeitern weiter.

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Auch Helgi Heumann hofft auf einen Investor. „Die Chancen lassen sich schwer bewerten“, sagt er. Wolf sei eine wenig bekannte Marke. Er selbst habe von ihr erst erfahren, als er den gerichtlichen Auftrag erhalten hatte. Daher wolle er nicht zu viel Optimismus verbreiten. Sollte die Suche scheitern, werde das Gericht im Februar oder März über die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens entscheiden.

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