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Glashüttensiedlung feiert Jubiläum

Jede Menge Glas kam in Arnsdorf unter den Hammer

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© Foto: Bernd Goldammer

Von Bernd Goldammer

Arnsdorf. Eine Glashüttensiedlung und keine Glasfabrik? Arnsdorfer kennen diese Frage. In Arnsdorf konnte man die Glasgeschichten des Ortes nun aber fast mit Händen greifen. Denn in der Glashüttensiedlung wurde gefeiert – das 115. Jubiläum dieses Wohngebiets, das natürlich sehr viel mit der Glasgeschichte Arnsdorfs zu tun hat. Und die Veranstalter hatten auch jede Menge Glasartikel aus sächsischer Produktion zusammengetragen. Die kamen im Laufe des Abends zur Versteigerung. Vor allem aber hatten die Organisatoren dieses ungewöhnlichen Beisammenseins einen profunden Kenner der ostsächsischen Glasherstellung eingeladen: Dietrich Mauerhoff. Er war der letzte Betriebsleiter der Radeberger Fabrik für Beleuchtungsglas. Und er ist für vielbeachtete Veröffentlichungen über die Glasindustrie der Lausitz weithin bekannt.

Im Jahr 1900 war Baubeginn

Und Dietrich Mauerhoff hatte jede Menge Zeit in Recherchen investiert. So wusste er natürlich um den Jubel, der am 20. Januar 1900 im Arnsdorfer Gemeindevorstand hallte. Ausgelöst hatte ihn der Radeberger Kommerzienrat Ernst Wilhelm Hirsch. Er teilte mit, dass er in Arnsdorf eine Fabrik für Tafelglas eröffnen möchte. Die erforderlichen Flurstücke hatte der Unternehmer bereits seit 1888 systematisch aufgekauft. Noch 1900 war Baubeginn. Der Sohn des Kommerzienrates Arthur Georg Hirsch übernahm die Leitung. Häuser für die Glasmacher und Glasbläser waren gleich mitgebaut worden. Wenige Monate später kam sogar ein Gleisanschluss dazu. 1902 wurde es in der Arnsdorfer Glashüttensiedlung dann richtig heiß. Deutschland erlebte einen Wirtschaftsboom. Neue Fabriken entstanden, die Arbeiter brauchten Wohnungen. Denn die Fensterscheiben vieler Häuser in Deutschland kamen ein Vierteljahrhundert aus Arnsdorf. Um das Glas für Fensterscheiben herzustellen, waren Temperaturen um die tausend Grad Celsius erforderlich…

Die Erinnerung blieb

Als die Arnsdorfer Produktion begann, fanden hier 110 Menschen Lohn und Brot. Der Absatz funktionierte auch. Dann kamen viele extreme Krisenjahre. Zu viele: 1927 kam das Aus für die Tafelglasfabrikation in Arnsdorf. Doch die Erinnerung blieb. Und die Glashüttensiedlung.