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Glaube für Kopf und Herz

Schule. 1992 wurde„Katholische Religion“als ordentliches Unterrichtsfach in Sachseneingeführt. Die Umsetzung ist schwierig.

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Von Dorit Oehme

Donnerstags besuchen Theresa und Dominic gleich zwei Grundschulen. Am Vormittag lernen die beiden Siebenjährigen in Oelsa. Dann bringt sie ein Taxi nach Freital-Niederhäslich, wo sie ab 14 Uhr eine Schulstunde lang katholischen Religionsunterricht haben. Bunt gemischt ist die 14-köpfige Gruppe. Erst- und Zweitklässler aus fünf verschiedenen Einrichtungen lernen gemeinsam.

„Nur nach hartnäckigem Kampf ist es mit Hilfe der Eltern und des Regionalschulamtes gelungen, dass die Kommunen die Transportkosten übernommen haben“, erklärt Religionslehrer Benno Saberniak. Die Unterrichtszeit hält er für ungünstig. „Die Kinder sind müde und können sich schwer konzentrieren.“

1992 wurden katholische und evangelische Religion sowie Ethik in Sachsen als ordentliche Unterrichtsfächer eingeführt. „Anfangs gab es eine Aufbruchsstimmung. Man hoffte, auch gemeindefremde Kinder einzubeziehen. Doch dem war nicht so“, blickt Pfarrer Michael Teubner von der St. Joachimgemeinde in Freital zurück. Er unterrichtet ebenfalls Religion.

Obwohl die katholische Kirche eine der beiden großen Kirchen Deutschlands ist, stellt sie in Sachsen zahlenmäßig eine Minderheit dar. Das schlägt sich in der Anzahl der Kinder nieder, die am katholischen Religionsunterricht teilnehmen (siehe Kasten). „Mit den geburtenschwachen Jahrgängen wird es immer schwerer, die gesetzlichen Rahmenbedingungen einzuhalten“, sagt Teubner. Die über eine Ausnahmeregelung bereits auf sechs Schüler reduzierte Gruppenstärke sei oft nicht aufzubringen. Deshalb werden Kinder verschiedener Schulen und Schultypen zusammengefasst.

Im Bereich der Dippoldiswalder Pfarrei findet der Religionsunterricht für Grundschüler zentral in Obercarsdorf statt, der für die Mittelschüler in Dippoldiswalde. Gymnasiasten nehmen auf ökumenischer Basis am evangelischen Unterricht teil. „Man muss aus der Not eine Tugend machen“, sagt Pfarrer Eckart Wagner. Pfarrer Christoph Birkner aus Geising schlägt dagegen vor: „Man sollte darüber diskutieren, ob der Religionsunterricht generell wieder in den Gemeinderäumen stattfindet.“

„Wir in Freital wünschen uns, dass sich die staatlichen und kirchlichen Behörden mit der extrem angespannten Lage auseinander setzen“, erklärt Michael Teubner.

Eine Chance: Werteunterricht

Er sieht verschiedene weitere Lösungsansätze: Der Unterricht könnte, zumindest für Grundschüler, ökumenisch sein. „Auch ein Werteunterricht, wie er derzeit für Berlin diskutiert wird, wäre eine Chance.“ Dieser steht in Kirchenkreisen unter starker Kritik. Teubner jedoch meint: „Wenn alle Kinder gemeinsam Ethik und Religion auf hohem Niveau lernen, wäre das nur förderlich für die Persönlichkeitsbildung.“ Die Kirchen selbst trügen jedoch Verantwortung dafür, dass ihre Kinder ins Gemeindeleben, die Sakramente und den Glauben eingeführt werden. „Großes Ziel ist, dass Kopf und Herz eine Einheit sind. Daraus erwächst eine große Kraft“, resümiert Pfarrer Teubner.