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Hoyerswerda

Glaube, Hoffnung und Liebe im Dreiklang

Der Sorbische Evangelische Heimattag in der Region Hoyerswerda fand in diesem Jahr in Groß Särchen statt.

Nach dem zweisprachigen Abendmahlsgottesdienst zogen die Teilnehmer des Heimattages durch das Dorf.
Nach dem zweisprachigen Abendmahlsgottesdienst zogen die Teilnehmer des Heimattages durch das Dorf. © Foto: Andreas Kirschke

Groß Särchen. Segenswünsche für das Leben stehen auf den Kärtchen vermerkt. In Luftballons der sorbischen Farben Blau, Rot und Weiß steigen sie zum Abschluss des Sorbischen Evangelischen Heimattages der Region Hoyerswerda in den Himmel auf. Ob wohl auch ein Ballon nach Osten fliegt? 

Das fragten sich 2018 die Teilnehmer beim Heimattag in Bluno. „Gewiss doch“, erwiderte Joachim Nagel, 2007 Initiator des Heimattages, am Sonntagmorgen die Frage. Zum diesjährigen Heimattag in Groß Särchen kam er aus starker Verbundenheit. 1992 bis 2012 war er Pfarrer der Evangelischen Johanneskirchengemeinde Hoyerswerda-Altstadt. Intensiv lernte er selbst Sorbisch. Im Lebensalltag, in Gottesdiensten, bei Gemeindenachmittagen wandte er die Sprache oft an. Seit 2012 lebt er in Polen.

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„Mit Konfirmanden habe ich in Groß Särchen in der Kirche nach einem Schatz gesucht. Das gelang nicht“, erzählte er. „Den wahren Schatz entdeckten wir ganz oben. Drei der vier Glocken tragen sorbische Inschriften: Glaube, Hoffnung, Liebe. Wenn man sie hört, ergibt das einen wunderbaren Dreiklang.“ Eben auf diese Botschaft bezog sich auch Jan Malink. In seiner Predigt im deutsch-sorbischen Abendmahlsgottesdienst verwies er auf die Krabat-Sage. „Liebe erlöst die Welt“, sagte der sorbische Superintendent. „So wie die Liebe der Mutter Krabat vom Schwarzen Müller erlöst, so erlöst die Liebe Jesu uns Menschen.“ Musikalisch begleitete der Chor Seidewinkel unter Leitung von Kerstin Lieder den Gottesdienst. Aus Groß Särchen, Hoyerswerda, Zeißig, Seidewinkel, Bergen und weiteren Orten kamen die Teilnehmer zum Heimattag. Die Königswarthaer Blasmusikanten zogen mit ihnen nach dem Gottesdienst durchs Dorf zur Gaststätte „Zur Weintraube“. Dort sangen und tanzten die Teilnehmer gesellig nach dem Mittagessen. Mit einem kleinen Programm erfreute der Kindergarten „Koboldland“ in Trägerschaft des Christlich-Sozialen Bildungswerks Sachsen e. V. (CSB). Theresa Rinecker (seit Oktober 2018 Generalsuperintendentin im Sprengel Görlitz), Marcel Braumann (Vorsitzender des Domowina-Kreisverbandes Handrij Zejler Hoyerswerda) und Wolfgang Kraus (Krabat-Darsteller) sprachen Grußworte. Später, auf Krabat´s Neuem Vorwerk, sang der Gemischte Chor Groß Särchen . Mit einem Info-Stand stellte sich der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. vor. Dabei verwies er auch auf Pfarrer Jurij Malink (1893-1942). Dieser gehörte in der Nazizeit in Lohsa mutig zur Bekennenden Kirche.

In Groß Särchen war Dr. Kurt Sygusch 1933 bis 1968 Pfarrer. „Er war den Sorben ein Sorbe, den Deutschen ein Deutscher. Er hat auch wissenschaftlich gearbeitet. Er war ein edler Vertreter der Sorben“, würdigte Sonntag Jan Malink den Pfarrer Sygusch. Bis in die 1930er Jahre hinein war der Hauptgottesdienst Sonntag in Groß Särchen Sorbisch. Durch die Nazi-Zeit und nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Sprache im Ort stark zurück. „Es gab nur noch einmal monatlich sorbischen Gottesdienst. Nach dem Tod von Pfarrer Sygusch 1978 hörten sorbische Gottesdienste ganz auf“, sagte Dietmar Neß, 1993-2001 Pfarrer in Groß Särchen, am Sonntag in der Kirche.

Der Heimattag erinnerte an jene sorbischen Wurzeln. Er stärkte die Teilnehmer im Glauben. Katrin und Uwe Schuster aus Seidewinkel sind seit vielen Jahren dabei. „Gerade der Heimattag legt Wert auf die Sprache. Er stärkt die Verbundenheit zur Tracht“, sagen sie. „Die Tradition Heimattag sollte weitergeführt werden.“

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