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Glaube und Selbstbewusstsein

Glaube gibt Durchblick und macht selbstbewusst. Darauf wären Sie vermutlich nicht gekommen. Gesenkter Blick, hängende Schultern, sanfte Ergebenheit – das bringen unsere Zeitgenossen für gewöhnlich mit der Vorstellung von einem glaubenden Menschen in Verbindung.

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Glaube gibt Durchblick und macht selbstbewusst. Darauf wären Sie vermutlich nicht gekommen. Gesenkter Blick, hängende Schultern, sanfte Ergebenheit – das bringen unsere Zeitgenossen für gewöhnlich mit der Vorstellung von einem glaubenden Menschen in Verbindung. Im Gegenteil.

Glaube bewirkt aufrechten Gang. Leute fangen an durchzusehen, bis auf den Grund der Dinge. Lesen Sie nach beim Evangelisten Lukas (1,39-59). Eine blutjunge Frau hat eben die Gewissheit erlangt: Sie wird die Mutter des Messias. Jetzt kündigt sie den Mächtigen der Erde das Ende ihrer Macht an. Die Ansage vom Sturz der herrschenden Verhältnisse findet sich lange vor Karl Marx im Munde von Maria. Gott „stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“

Der Hunger nach gleichem Recht ist für alle groß. Wenn Mächtige vom hohen Ross geworfen werden, dann heben die kleinen Leute den Kopf. Sie wittern die Morgenluft neuer Verhältnisse. Hochmütige Führungseliten in ihren Machtzirkeln auseinander jagen, Erniedrigte einsetzen in ihre Würde als Person, das ist Revolution pur. Gerechtigkeit dieser Art, schnell und effektiv, ohne Rechtsanwalt und endlose Prozessinstanzen, das überzeugt.

Im Lobgesang des Magnificat leuchtet Gottes Perspektive für die Verhältnisse auf. Gute Aussichten für die Erde. Maria eröffnet sie im Haus ihrer Verwandten Elisabeth. Zu ihr hat sie sich aufgemacht.

Die Kirche feiert diese Begegnung der beiden Frauen am 2. Juli mit dem Fest Mariä Heimsuchung. Glaube macht selbstbewusst. Hier zeigt sich das wie an keiner anderen Stelle. Maria weiß, wer sie ist und was sie der Welt bedeutet. Unbefangen spricht sie es in der Öffentlichkeit: „Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan.“ Es ist wahr: Man findet durch Gott seinen Platz im Leben und in der Welt.