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Glaubitz soll eigenständig bleiben

Zur Kommunalwahl treten auch ein paar neue Gesichter für den Gemeinderat an. An der Harmonie in dem Gremium sollte das aber nichts ändern.

Von Antje Steglich

Im Glaubitzer Gemeinderat herrscht ein ganz besonderes Flair. Und das nicht nur, weil das Gremium mit zwölf Plätzen relativ klein ist. Sondern vor allem, weil hier jegliches Parteiengeplänkel fehlt und es immer sehr humorvoll zugeht. Wenn man sich zu den Sitzungen am Montag- oder Dienstagabend mit dem Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos) als Veranstaltungsleiter, Sekretärin Angela Ziller als Protokollantin und gegebenenfalls noch Mitarbeitern der Verwaltung zusammensetzt, werden erst einmal Hände geschüttelt, Neuigkeiten ausgetauscht und Späßchen gemacht. Wie unter Freunden eben. Und auch die in anderen Gemeinde- und Stadträten übliche Sitzordnung – streng nach Parteienzugehörigkeit – fehlt in Glaubitz völlig. Da sitzen CDU und Bürgernahe Wählervereinigung bunt gemischt um den großen, runden Tisch und mittendrin noch der Vertreter von Die Linke.

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„Das ist das Schöne in Glaubitz, hier gab es noch nie Wahlkampf“, bestätigt der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Roda und Umgebung, Hans-Jürgen Linke. Selbst im Vorfeld der Wahl werde miteinander über Themen und Kandidaten gesprochen. „Dadurch kann gearbeitet werden, es gibt keine Zeitverschwendung durch Parteiengeplänkel“, so Hans-Jürgen Linke. Und Remo Bennewitz von der Bürgernahen Wählervereinigung und stellvertretender Bürgermeister ergänzt: „Uns geht es allen um Glaubitz, nur deshalb sind wir so erfolgreich.“

Tatsächlich konnten in der Gemeinde in den vergangenen Jahren bereits Haken hinter zahlreichen Großprojekten gemacht werden: Die Kita ist neu, die großen Straßen in Schuss, das neue Wohngebiet wird permanent erweitert und füllt sich gut. Genauso wie das Industriegebiet, dass mit dem Stahlwerk Ervin erst eine weitere Großansiedlung feiern konnte. Was bleibt da noch?

Das Geschaffene zu erhalten, ist das große Ziel der CDU. Die Wohn- und Arbeitsbedingungen weiter zu entwickeln, dafür steht die Wählervereinigung. „Und für die Eigenständigkeit von Glaubitz“, betont Remo Bennewitz, der mittlerweile seit 1990 im Gemeinderat sitzt und damit dienstältester Volksvertreter in der Gemeinde sein dürfte. Ob die 2 100-Seelen-Kommune allerdings noch lange um eine Zwangsehe herumkommt, daran zweifelt Gunther Wolf. Er ist der einzige Kandidat für Die Linke und fuhr bei der letzten Wahl im Jahr 2009 mit 343 Stimmen das beste Ergebnis ein. Er glaubt, dass für die kleinen Gemeinden irgendwann die Entscheidung „von oben“ kommt. „Da haben andere den Daumen drauf. Aber natürlich bin ich dafür, das so lange wie möglich herauszuzögern“, sagt Gunther Wolf. Wird er wieder gewählt, sieht er es als seine große Aufgabe an, die Wünsche von Alt und Jung zu vereinen und umzusetzen. Und eine Lösung für die alte Schule, die muss auch endlich her.