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Glaubitzer Orgel klingt wieder wie neu

Staub und Holzwurmbefall haben dem Instrument zu schaffen gemacht. Aber auch die Trockenheit der zwei letzten Sommer.

Die Orgel in der Kirche Glaubitz ist repariert, gereinigt und gestimmt - Kantorin Ulrike Giegold freut sich, dass das Instrument nun wieder im Gottesdienst genutzt werden kann. Hier probiert sie
mit Orgelbaumeister Michael Kronesser die Register durch.
Die Orgel in der Kirche Glaubitz ist repariert, gereinigt und gestimmt - Kantorin Ulrike Giegold freut sich, dass das Instrument nun wieder im Gottesdienst genutzt werden kann. Hier probiert sie mit Orgelbaumeister Michael Kronesser die Register durch. © KD BRUEHL

Glaubitz. Hut ab, der Mann hat sich kaum verändert. Vor 18 Jahren war Michael Kronmesser mit dabei, als in der Glaubitzer Kirche die Orgel nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder gesäubert wurde. Schlanke Gestalt, kurze Haare, Brille, Dreitagebart. Nur die Geheimratsecken sind vielleicht etwas größer geworden. "Damals war ich noch Lehrling", erinnert sich der 42-Jährige. Und dass es kalt war, ist ihm auch im Gedächtnis geblieben. 13 Grad herrschten Mitte November 2002 im hiesigen Gotteshaus. Diesmal sind die Temperaturen im Inneren wie auch außerhalb der heiligen Mauern wesentlich angenehmer.  

In den zurückliegenden Wochen hat die Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH, für die Michael Kronmesser nach wie vor arbeitet, der Glaubitzer Orgel wieder ihren schönen Klang zurückgegeben. Sie war im Laufe der Jahre verschmutzt. Und das kann durchaus gefährlich werden für die Königin der Instrumente. "Staub ist Nährboden für Schimmel", sagt Kronmesser. Und Schimmel tritt in vielen Kirchen, die nicht durchgehend beheizt werden, auf. 

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Auch mit Holzwurmbefall hatten die Dresdner Orgelbauer in Glaubitz zu kämpfen. "Die Bänke sind alle verwurmt", erzählt Kronmesser. Orgelteile aus Holz würden dadurch ihre Resonanzkraft und damit ihren Klang verlieren. Deshalb hat die Firma Jehmlich alle 933 Orgelpfeifen ausgebaut und gereinigt und anschließend sämtliche Wurmlöcher mit Wachs verschlossen. 

Trockenheit setzt Orgeln zu

In der vergangenen Woche wurden die Pfeifen wieder registerweise eingebaut und die Intonation überprüft. "Bei 933 Pfeifen dauert das schon ein paar Tage", sagt Michael Kronmesser. Sogar eine Sonderschicht bis in den späten Donnerstagabend hinein war notwendig, damit die Orgel am Freitag rechtzeitig fertig wurde und von einem Gutachter und der Glaubitzer Kantorin Ulrike Giegold abgenommen werden konnte. 

Doch nicht nur hohe Luftfeuchtigkeit kann den Orgeln schaden, sondern auch zu niedrige. "Die beiden letzten trockenen Sommer haben allen Orgeln mächtig zugesetzt", erzählt Kronmesser. Er erinnert sich: "Die Telefone standen nicht still." Und immer wieder hieß es: "Unsere Orgel klingt nicht mehr." 

Meist handelt es sich dabei um Orgeln, die bei einer Raum-Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70 Prozent gestimmt wurden. Doch bei der Hitze der vergangenen zwei Sommer sank die Luftfeuchtigkeit in den Kirchen zum Teil unter 40 Prozent. Die Orgeln klangen dadurch anders. Sachverständige gaben daraufhin die Empfehlung, den Steinboden in den Kirchen zu gießen oder feuchte Tücher im Inneren aufzuhängen. 

Durchaus etwas Besonderes

Ein weiterer wichtiger Teil des Auftrages in Glaubitz war es, die Blasebalge zu reparieren. Vor allem die Belederung musste erneuert werden. 2002 wurde noch auf diese kostspielige Reparatur verzichtet. "Aber wir haben regelmäßig angemahnt, dass die Blasebalge erneuert werden müssten", so der Orgelbauer. Jetzt war es soweit.

Kronmesser vermutet, dass es sich noch um die Original-Belederung gehandelt hat. Und diese dürfte dann aus dem Jahr 1893 stammen, als der Ostrauer Orgelbaumeister Franz-Emil Keller (1843-1925) die Glaubitzer Orgel erschuf. "Es ist ein solides Instrument", sagt Kronmesser. Keller sei ein Schüler des bekannteren Orgelbauers Friedrich Ladegast (1818-1905) gewesen und baute vor allem Dorforgeln im romantischen Stil. 

18 Stück sollen aus Kellers Werkstatt stammen, von denen aber nur noch wenige existieren. "Von Keller gibt es in Sachsen nur noch drei Instrumente, von denen ich weiß", sagt Kronmesser. Das mache die Glaubitzer Orgel durchaus zu etwas Besonderem.

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