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Wird Hirschbach größer?

Der Protest der Einwohner hält an. Sie befürchten eine anonyme Wohnsiedlung und das Vernichten von Feldern und Wiesen.

Auf diesem Areal oberhalb des Hirschbacher Ortskerns soll ein Neubaugebiet entstehen.
Auf diesem Areal oberhalb des Hirschbacher Ortskerns soll ein Neubaugebiet entstehen. © Egbert Kamprath

Trügt die Ruhe und passiert etwas im Hintergrund? Diese Frage treibt viele Hirschbacher um. Im Spätherbst 2019 hatten sie erfahren, dass es einen Investor gibt, der oberhalb des alten Dorfkerns an der Hermsdorfer Straße ein Baugebiet schaffen möchte. Nun habe man lange nichts dazu gehört, sagte ein Hirschbacher auf der jüngsten Sitzung des Stadtrates Glashütte. Ist das Thema zu Ende oder passiert dort noch etwas? Und wenn doch: Warum haben Investor und Stadt nicht zu einer Einwohnerversammlung geladen, fragte er. Diese sei den Anwohnern für Anfang 2020 zugesichert worden.

Die Zusage steht, versicherte Bürgermeister Markus Dreßler (CDU). Allerdings sei seit der Sitzung im Dezember, in der das Vorhaben kontrovers diskutiert wurde, nicht viel passiert. Dort habe der Stadtrat mit knapper Mehrheit den sogenannten Aufstellungsbeschluss gefasst. Mit diesem wurde der Prozess gestartet, mit dem die landwirtschaftlichen Flächen in Bauland verwandelt werden können. Allerdings sei der Investor noch nicht tätig geworden. "Das Verfahren ruht aktuell", so Dreßler. 

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Denn der Investor, die vom Immobilienunternehmer Bertram Meyer geführte und in Ottendorf-Okrilla ansässige Firma Glordeo, hat nach der Debatte in der Dezember-Sitzung um eine Bedenkzeit gebeten. Damals meldeten sich mehrere Gegner des Vorhabens, aber auch Befürworter zu Wort. Den Unternehmer hat der Widerstand offenbar überrascht.

Sollte der Unternehmer Interesse zeigen und das Verfahren fortsetzen, wird vor der Aufnahme der konkreten Planungen die Informationsveranstaltung stattfinden, versprach der Bürgermeister.

Viele Bürger sind weiterhin gegen das große Baugebiet, auf dem über 30 Ein- und zwei Mehrfamilienhäuser entstehen sollen. Ihre Sorgen, die zum Großteil bereits in der Dezember-Sitzung vorgetragen wurden, haben diese Hirschbacher in einem Brief zusammengefasst, den sie den Stadträten und Bürgermeister Dreßler zusandten und der der Sächsischen Zeitung vorliegt. Dort führen sie ihre Bedenken auf.

Wertvolle Landwirtschaftsflächen verschwinden

Mit der vorgesehenen Bebauung von rund drei Hektar würde der ländliche Charakter des Ortes verloren gehen, es würde erstklassige landwirtschaftliche Nutzfläche zerstört, heißt es in dem Schreiben. Diese Flächen trügen zu einem gepflegten Ortsbild in Hirschbach bei. In Zeiten des Klimawandels müsse auf die Zerstörung dieser intakten Flächen verzichtet werden. "Es gibt in anderen umliegenden Orten und Gemeinden genügend Industriebrachen, welche durch Abriss und Neubebauung zu schönen Wohngegenden gestaltet werden können", so die Hirschbacher.

Sozialstruktur im Dorf wird sich verändern

Die Hirschbacher kritisieren nicht nur die geplante Flächenumnutzung, sondern auch den damit einhergehenden Wandel der Dorfstruktur. "Wenn die Einwohnerzahl im Ort plötzlich um circa 25 Prozent steigen wird, hat das mit gesundem Wachstum nichts zu tun. Wie wachsen die zugehörigen Sozial- und Infrastrukturen mit?", fragen sie. Dort entstehe eine anonyme Wohnsiedlung, wie es sie vergleichbar schon in Hausdorf gibt. Das dürfe sich nicht wiederholen.

Finanzielle Konsequenzen für die Bürger

Wenn es zum Baugebiet kommt, muss die Infrastruktur angepasst werden. Die Hirschbacher, die das Schreiben unterzeichnet haben, fordern die Stadt auf, die finanziellen Konsequenzen offen zu legen. Müssen die bereits in Hirschbach wohnenden Einwohner durch höhere Abwasserbeiträge den Neubau einer Kläranlage mitfinanzieren?

Bauland für Hirschbacher

Die Verfasser des Briefs sind, das versichern sie auch, nicht komplett gegen die Bebauung. Schließlich fehlt Bauland im Ort. Damit sich Hirschbacher Bürger ein Eigenheim errichten können, solle ein kleineres Baugebiet ausgewiesen werden. Dort sollten Flächen für Hirschbacher reserviert werden. "Die Finanzierung kann zum Beispiel über Bürgerbeteiligungen erfolgen." Bauplätze könnten nach dem Vorbild Ulm auch auf Basis von Erbbaurecht finanziert werden. "Dabei erwirbt die Stadt den Grund und Boden, diese bleiben zukünftig Eigentum der Gemeinde!"

Und das Fazit?

Bürgermeister Dreßler ist ein Befürworter des Wohngebietes. Mit diesem könnte es gelingen, junge Familien im Stadtgebiet anzusiedeln und man könne verhindern, dass die Einwohnerzahl weiter sinkt. In der Stadtratssitzung ging er weder auf das Schreiben noch auf die aufgeführten Sorgen und Anregungen der Bürger ein. 

Er verwies auf den Investor, der sich zunächst zu dem Vorhaben positionieren müsse. Dann könne man Details besprechen. Er verwies noch mal darauf, dass mit dem Beschluss im Dezember die Wiesen noch nicht zu Bauland gemacht wurden, sondern nur der bürokratische Prozess dazu angeschoben wurde. Der Stadtrat bleibe Herr des Verfahrens, Bürger und Vereine werden, sollte es zu Planungen kommen, beteiligt. Sie können Bedenken anmelden, die der Stadtrat abwägen muss.

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Nicht jeden überzeugte das. Einer der Hirschbacher, die in der Sitzung das Wort ergriffen, zeigte sich skeptisch, ob die Bürger in den Gesprächen noch einen Einfluss auf die geplante Größe des Baugebietes nehmen könnten. Er glaubt, dass diese wichtige Vorentscheidung bereits gefallen sei.

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